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Montag, 18. Dezember 2017 3

Musik

Singkreis Deuerling feierte Jubiläum

Zwei Festkonzerte in der Waldetzenberger Markuskirche markierten den Höhepunkt der Feier zum 50-jährigen Bestehen.
Von Peter Pavlas, MZ

Der Chor interpretierte unter anderem „Messias“ in der St.-Markus-Kirche in Waldetzenberg. Foto: Pavlas

Deuerling. undum gelungen waren sowohl der Abend in der voll besetzten Kirche als auch das Nachmittagskonzert am Sonntag, mit denen der Singkreis Deuerling sein 50. Jubiläum feierte.

Georg Friedrich Händel stand 1741 vor ernsten finanziellen Schwierigkeiten. In London, wo der bis dahin erfolgsverwöhnte Komponist seit Langem arbeitete, war der Zeitgeschmack an seinen italienischen Opern mittlerweile vorübergegangen. Händel war entschlossen, seine künstlerische Arbeit erst einmal ruhen zu lassen. Sein Librettist Charles Jennens überredete ihn jedoch, ein neues Werk zu schreiben. In nur 24 Tagen war das neue Oratorium fertig: 259 Partiturseiten mit 53 Musiknummern. Der „Messias“ umfasst die christliche Heilsgeschichte, von den Prophezeiungen Jesajas im Alten Testament bis hin zum Leben Jesu und dessen erhoffter Wiederkehr.

Gekürzt und umgestellt

Händels Erfolg in Dublin vor 275 Jahren war triumphal. In der Folge passte er sein Werk mehrmals den jeweiligen Gegebenheiten am Konzertort an. Genauso verfuhr am Festwochenende Chorleiter Robert Göstl. Er kürzte und stellte die Nummern des zweiten und dritten Teils um, sodass das Ohrwurm-Halleluja effektvoll am Ende des Konzerts stand. Eine Reduktion der Zahl der Solisten auf zwei fand auch im Labertal statt: Für die Uraufführung in Dublin sind neben der Altistin schließlich auch nur zwei Countertenöre dokumentiert. Mit der Aufführung setzte sich der Chor in eindrucksvoller Weise ein Denkmal und dokumentierte die Früchte intensiver Probenarbeit.

Singkreis Deuerling

Orchestermusiker und Chor waren bestens präpariert. Die jungen, kräftigen und koloratursicheren Soprane prägten den Zusammenklang. Göstl dirigierte präzise und mit sichtbarer Begeisterung. Tenor Berthold Schindler zeigte in seinem Vortrag beeindruckende Technik.

„Rejoice!“ – schiere Freude verbreitete Beate Griesbeck als Sopransolistin. Zwischen zartem Schmelz und Dramatik changierte sie in Rezitativen und Arien. Am Ende gab es lange stehenden Applaus für alle Interpreten.

Der Singkreis glänzte mit vielen Klassikern. Foto: Schmitt

Wie stimmungsvoll der Singkreis Feste zu feiern versteht, ließ sich auch danach im Kirchhof spüren. Neben der Feuerschale, in der Holzscheite knackten, wurden zum Schein des Vollmonds warme Drinks gereicht. „Dieses bewegende Konzert hätte auch einen noch größeren Rahmen ausgefüllt“, ist sich ein Paar aus Deuerling einig. „Puh – es ist geschafft“, nicht nur Chormitglied Bernhard Lauerer war am Ende des zweiten Festkonzerts erleichtert. Wiederum war die Kirche voll, wiederum stimmte ein Filmclip auf das musikalische Geschehen ein. Einen Querschnitt durch ein halbes Jahrhundert Chorsingen präsentierten Singkreis- und Kinderchor.

Gedenken an ehemalige Mitglieder

Die Kinder begeisterten. Foto: Schmitt

Viele Klassiker standen wieder auf dem Programm, wie Bachs „Ehre und Preis“, Mozarts „Ave verum“ oder Mendelssohn-Bartholdys traumhaft schönes achtstimmiges „Denn er hat seinen Engeln“. Zum Gedenken an ehemalige Mitglieder dirigierte Robert Göstl das ausdrucksstarke „Pater noster“ von Nicolas Kedroff und den Satz „Wenn ich einmal soll scheiden“ aus Bachs Matthäus-Passion.

Der 55 Köpfe zählende Kinderchor überzeugte durch Stücke, die vom einfachen Kinderlied bis zur komplexen Jazzmesse und zum barocken „Heilig“ reichten. Schön zu hören war, wie die Großen die ganz Kleinen unterstützten und ihre alten Lieblingslieder einfach mitsangen.

Singkreis Deuerling feierte Jubiläum

  • Komponist

    Georg Friedrich Händel, anglisiert George Frideric Handel, wurde am 23. Februar 1685 in Halle (Saale) geboren und verstarb am 14. April 1759 in London. Er war ein deutsch-britischer Komponist des Barock. Sein Hauptwerk umfasst 42 Opern und 25 Oratorien – darunter „The Messiah“ mit dem weltbekannten Chor „Halleluja“, Kirchenmusik für den englischen Hof, Kantaten, zahlreiche Werke für Orchester sowie Kammer- und Klaviermusik. Händel, dessen künstlerisches Schaffen sich auf alle musikalischen Genres seiner Zeit erstreckte, war gleichzeitig als Opernunternehmer tätig. Er gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Geschichte.

  • Singkreis-Repertoire:

    Stolz auf 50 Jahre Geschichte ist die dynamische und für einen Laienchor ungewöhnlich junge Gemeinschaft. Stolz ist der Chor auch darauf, dass in der 2000-Einwohner-Gemeinde Deuerling derzeit etwa 50 Mitglieder singen. Die Altersspanne reicht von zwölf bis 76 Jahren und der Altersdurchschnitt liegt bei Mitte 30. Die musikalische Bandbreite reicht von Renaissance-Musik bis zu Chorjazz, Spirituals und auch experimentellen Stücken. Die Wiseguys haben dabei ebenso Platz wie Maybebop, Bach genauso wie Mozart und Mendelssohn – zu hören und zu sehen auch auf Youtube.

Mit einem Ausflug in die Moderne bewies Göstl, dass er seinen Chor auch für Gospels wie „He’s always close to you“ und John Rutters „All things bright und beautiful“ begeistern konnte. Zurück zu den Wurzeln von 1967, aber mit ganz frischen, grünen Blattspitzen führte das bekannte Volkslied „Die Gedanken sind frei“ im modernen Satz von Oliver Gies.

Mit ruhigeren Tönen entließ der Singkreis-Chor das Publikum in den Sonntagabend und forderte mit seinen Liedern zum Frieden auf. Mit „Sei behütet Tag und Nacht“ von Horst Christill wünschte der Kinderchor den Besuchern alles Gute auf ihrem Nachhauseweg.

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