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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Serie

Sorge vor Schlafstädten an der B15

Schierling und Alteglofsheim wollen organisch wachsen. Hagelstadt muss dagegen froh sein, überhaupt wieder wachsen zu können.
Von Michael Jaumann, MZ

Alt und Neu im Zentrum. Schierling hat mit einem Wohnpark und dem neuen Ärztehaus die Ortsmitte gestärkt. Foto: Jaumann

Schierling.„Man muss wissen, wo man herkommt“, sagt Schierlings Bürgermeister beim Termin mit der Mittelbayerischen im Rathaus. Es ist nämlich noch gar nicht lange her, da war der Markt „nicht mehr als ein niederbayerisches Bauerndorf“, erinnert Christian Kiendl.

Heute ist Schierling wegen der neuen Verkehrsader B15neu fast schon eine Vorstadt von Regensburg – erreichbar in 15 Minuten und ein prosperierender Ort, der in nicht einmal fünf Jahren 1000 Arbeitsplätze gewonnen hat. Von 7700 Einwohnern Ende 2015 auf 8080 Einwohner im Jahr 2034 sehen Bayerns Statistiker den Ort wachsen. Eine Zahl, die laut Bürgermeister bereits erreicht ist. 8058 Einwohner zählte Schierling zum Jahresbeginn.

Wie geht die Entwicklung in Schierling weiter? Ein Interview mit Bürgermeister Christian Kiendl. Video: Jaumann

Ein Bauerndorf ist Schierling nicht mehr. Es will aber auch „keine Schlafstadt werden“, wie Kiendl sagt. Die Gemeinde soll „organisch wachsen und die Identität bewahren“. Das hat Schierling getan, indem es die Ortsmitte stärkte. Mit einem Ärztehaus und einem Einkaufsmarkt mitten im Zentrum, mit einem Wohnpark, der direkt im Ort Mietwohnungen anbietet, Seniorenwohnungen und Betreutem Wohnen. Das bringt Leben ins Zentrum

Mitten im Ort hat Schierling Einkaufsmöglichkeiten und ein Ärztezentrum geschaffen. Foto: Jaumann

Ein neues „Haus der Kinder“

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, versichert der Bürgermeister. Das medizinische Versorgungszentrum sichert die hausärztliche Versorgung und bringt Fachärzte in den Ort. Große Firmen und Mittelständler sorgen für Arbeitsplätze, und die Gemeinde mit Kinderbetreuung für die Unterstützung der Familien. Erst vor wenigen Tagen hat der Markt das für rund 3,3 Millionen Euro erbauten „Haus der Kinder“ eingeweiht. Die Nähe zur Natur zählt der Bürgermeister zu den weiteren weichen Faktoren. „Binnen fünf Minuten ist hier jeder in der Natur.“

Für Wohnraum ist in Schierling ebenfalls die Gemeinde zuständig. „Wir kaufen Grundstücke und veredeln sie mit einem Bebauungsplan.“ Das sichere anständige Preise. 170 Wohneinheiten sind seit 2014 in der Gemeinde entstanden, davon 80 in Mehrfamilienhäusern. Dem Geschosswohnungsbau wird in Schierling viel Gewicht eingeräumt. Im Gebiet „Markstein Südwest“, das „spätestens im Frühjahr“ erschlossen wird, sind sechs Mehrfamilienhäuser und zwölf Einfamilienhäuser geplant. Im Gebiet Regensburger Weg ist ein Bebauungsplan im Entwurfsstadium. Aber auch die Ortsteile kommen zu ihrem Recht. In Unterdeggenbach etwa soll die Erschließung für ein Baugebiet mit zehn Einfamilienhäusern im Frühjahr beginnen. Wo in der Gemeinde noch Entwicklungspotenziale sind, wird eine aktuelle Studie zur Wohnbauentwicklung zeigen. Der Bürgermeister rechnet mit einem Zuwachs von 900 Menschen binnen 15 Jahren auf 8900 Einwohner und sieht dies als „moderate Entwicklung“.

Ein stetiges Wachstum

3500 Einwohner sieht Herbert Heidingsfelder als Ziel eines „überschaubaren“ Wachstums. Etwa alle fünf Jahre hat die Gemeinde ein Baugebiet mit 40 bis 50 Parzellen ausgewiesen und damit zunächst den Bedarf der Einheimischen gedeckt. Was übrig blieb, wurde unter auswärtigen Bauwerbern verlost.

Mit diesem stetigen Wachstum hat die Gemeinde den „Durchsatz“ in Kinderbetreuungseinrichtungen und Schule gesichert und keine Einrichtung größer ausbauen müssen. Der „Kinderboom“ ist inzwischen aber auch in Alteglofsheim angekommen, berichtet der Bürgermeister. Die Belegung im Kindergarten stößt an ihre Grenzen. Über einen neuen Kindergarten werde man nachdenken müssen. Eventuell in einem Neubaugebiet könne dieser geschaffen werden.

Einstweilen gilt es für die Gemeinde aber andere Großprojekte zu schultern: den aktuellen Umbau der Grundschule zur Ganztagsschule sowie die Sanierung und Erweiterung der Mittelschule. Und zum 150-jährigen Bestehen der Feuerwehr 2019 könnte der Spatenstich zum neuen Feuerwehrhaus erfolgen.

Das „Pfeiffertal“ in Alteglofsheim ist fast voll. Foto: Jaumann

Täglich zwei, drei Anrufer auf der Suche nach Bauland muss der Bürgermeister derzeit vertrösten. Mit seinem Schloss, dem großen Waldgebiet im Süden, der Nähe zur Stadt Regensburg und den Nahversorgern im Ort sowie im benachbarten Köfering ist Alteglofsheim bei Städtern, die aufs Land ziehen wollen, begehrt.

Ein 360-Grad-Foto vom Asamsaal, dem Schmuckstück von Schloss Alteglofsheim, sehen Sie hier. Klicken Sie einfach in das Bild und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen:

Der Asam-Saal in Schloss Alteglofsheim - Spherical Image - RICOH THETA

Aktuell steht im Ort kein Baugebiet zur Ausweisung an. Das letzte ist schon zu 60 Prozent bebaut. Für Heidingsfelder wird die weitere Erweiterung schwerpunktmäßig im Westen erfolgen. Für ihn wäre es zudem sinnvoll, das Trenngrün zwischen Köfering und Alteglofsheim zu beseitigen. Köfering stehe mit seiner Bebauung bereits an der Gemarkungsgrenze. „Die Gemeinden sollen zusammenwachsen“, ist seine Meinung.

Ein Filetstück voller Qualität

Im Südwesten von Hagelstadt kann die Gemeinde ein Neubaugebiet verwirklichen. Foto: Jaumann

In der südlichen Nachbargemeinde Hagelstadt ist Bürgermeister Dr. Bernhard Bausenwein froh, überhaupt wachsen zu können. Wie in vielen Gemeinden benötigt auch in Hagelstadt die Landwirtschaft Grund für den eigenen Bedarf. Aktuell ist es der Gemeinde aber gelungen, ein rund 34 000 Quadratmeter großes Grundstück erwerben zu können, das sowohl eine Nähe zur B15 und zum Bahnhof besitzt als auch unmittelbar an die Natur angrenzt. „Optimal erreichbar, aber nicht direkt an den Verkehrsadern“, freut sich der Bürgermeister. Rund 2,5 Hektar könnten dort wohl bebaut werden. Das würde nach den Informationen des Bürgermeisters für 30 bis 35 Eigenheime reichen. Der Aufstellungsbeschluss für den „Eheweg-Süd“ ist erfolgt, in der kommenden Woche wird sich ein weiterer Erschließungsträger im Gemeinderat vorstellen.

Weil nebenan in Richtung Bundesstraße weitere Grundstücke der Gemeinde bereits gehören und in den Bebauungsplan integriert werden sollen, möchte der Bürgermeister das Filetstück so qualitätsvoll bebauen, dass es sich von den Nachbargemeinden abhebt.

Nachfolgend sollen am Eheweg weitere zwei Hektar Bauland bereitgestellt werden können. Und im Baugebiet „Westerfeld-Süd“, das bisher noch nicht realisiert werden konnte, könnten in den 20er-Jahren weitere 75 bis 85 Parzellen bereitgestellt werden, hofft der Bürgermeister. Damit sieht Bausenwein die Entwicklung Hagelstadts für 20 Jahre gesichert.

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