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Freitag, 22. September 2017 21° 2

Pädagogik

Sozialarbeiter für die Grundschule


Von Kerstin Hafner, MZ

Seit Beginn des Schuljahres gibt es an der Josef-Hofmann-Grundschule – einer der größten Grundschulen der Oberpfalz – einen Sozialarbeiter. „Für kleine Kinder? Ist das denn nötig?“, wird sich mancher fragen. Diplom-Sozialpädagoge Ingo Pietzonka antwortet: „Je früher man bei Problemen eingreifen kann, desto besser!“ Der 36-Jährige versteht sich als Bindeglied zwischen Schülern, Lehrern, Eltern und Kreisjugendamt.

Gibt es Ärger zu Hause oder Probleme mit Freunden, fällt das Lernen schwer und verschlechtern sich die Leistungen, ist das Kind aggressiv oder lethargisch, kapselt es sich ab und verweigert die Schule? Bei solchen Auffälligkeiten kann der Sozialpädagoge helfen. Die Lehrer samt Ex-Schulleiter Rudolf Hofmann wünschten sich schon länger die fachmännische Unterstützung und bekamen sie mit Pietzonka. „Nicht weil Neutraubling ein sozialer Brennpunkt wäre, aber bei dieser Masse an Schülern sammelt sich einfach was an“, sagt Pietzonka, der seit September täglich mit verstockten, wütenden oder verhaltensauffälligen Kindern zu tun hat. „Die Betreuung ist oft ein längerer Prozess. Da darf man nichts aus den Augen verlieren. Ich erhalte aber bestmögliche Unterstützung durch unsere neue Schulleiterin Katharina Keimig-Riegel.“

Ein freiwilliges Angebot

Jugendsozialarbeit an Schulen, kurz JaS, ist ein freiwilliges Angebot der Jugendhilfe, das vom Landkreis finanziert wird und direkt an der Schule zur Verfügung steht. Ziel der Maßnahme ist die optimale Förderung der Schüler, um deren Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu unterstützen. Alle mit dem Sozialarbeiter besprochenen Probleme werden vertraulich behandelt, er unterliegt nach außen hin der Schweigepflicht.

Falls Eltern keine Zeit haben, in die Sprechstunde zu kommen, macht Pietzonka auch Hausbesuche, bei Familien mit Migrationshintergrund holt er gerne eine der Integrationsbeauftragten des Landkreises mit dazu, Nurcan Gülkan-Lindner für die türkisch-islamischen Familien, Lydia Keil für die russischsprachige Fraktion. „Wenn die Eltern nicht so gut Deutsch sprechen, ist es oft sinnvoll, eine Dolmetscherin dabei zu haben. Außerdem kennen die beiden Damen einfach die familiären Umstände besser als ich.“

Neben der Einzelfallbetreuung/ Elternarbeit umfasst Pietzonkas Aufgabenfeld auch klasseninterne Gruppenarbeit zu verschiedenen Themen (z. B. „Wie gehe ich mit meiner Wut um?“), klassenübergreifende Projekte wie z. B. den kürzlich durchgeführten Vorlesetag und Krisenintervention. „Wenn 25 andere Schüler im Klassenzimmer sitzen, haben Lehrer oft keine Zeit, sich um ein Mädchen zu kümmern, das auf dem Gang liegt, kaum ansprechbar ist und weint. Oder um zwei Buben zu trennen, die sich verhauen.“

Familiäre Probleme, Trauerfälle oder Scheidungen führen seit eh und je zu Problemen in der Schule. Generelles Feedback des dienstältesten Teils der Lehrerschaft ist jedoch, dass die Kinder von heute immer schwieriger zu unterrichten sind. Viele seien hektisch und könnten ihre Aufmerksamkeit schlecht länger auf den Stoff fokussieren. Eine Antwort auf die Frage nach der Ursache muss Pietzonka schuldig bleiben.

Der Sache auf den Grund gehen

„Meine Aufgabe ist auch, genau das zu analysieren, Statistiken zu entwerfen, der Sache auf den Grund zu gehen.“ Pauschalismen wie Überforderung durch unsere schnelllebige Zeit oder das digital vernetzte Umfeld lässt der Sozialarbeiter nicht so einfach gelten. „Das spielt sicher eine Rolle, aber im Einzelfall kommen oft so viele Faktoren zum Tragen.“ Aber es gebe auch an der Grundschule schon Jungs, die eigener Aussage nach drei bis vier Stunden pro Tag mit der Playstation spielen. Manche werden dadurch aufgekratzt, manche müde, manche auch aggressiv. „Es gibt tatsächlich viele Konflikte hier, auch körperliche Gewalt - ob das von Ballerspielen kommt, kann ich aber nicht sagen.“ Für Eltern hat Pietzonka folgenden Tipp: „Raus in die Natur, entschleunigen, die Kinder mal etwas runterfahren.“

Bei seiner Arbeit brauche er mehr Instinkt und Einfühlungsvermögen als mit Jugendlichen oder Erwachsenen. Kinder seien viel unreflektierter, könnten ihre Gefühle oft nicht erklären. Durch Spiele und behutsame Gespräche könne man sie allerdings langsam „auftauen“ und herausfinden, wie es in ihrem Innern aussieht. „Kinder sind so schnell begeisterungsfähig und geben einem ein unverblümtes Feedback. Das macht Spaß“, schwärmt Pietzonka.

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