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Dienstag, 16. Januar 2018 7

Finanzen

Wieder Wirbel um das Aurelium

Lappersdorfs Altbürgermeister Dollinger attackiert Amtsinhaber Hauner. Der Grund: Dessen Aussagen über das goldene Haus.
Von Bettina Mehltretter

Die Lappersdorfer mögen ihr Aurelium. Doch der Preis dafür ist hoch: Bislang sind mehr als 10 Millionen Euro Kosten dafür aufgelaufen. Foto: Dummer

Lappersdorf.Erich Dollinger (CSU) ist seit dreieinhalb Jahren nicht mehr in Lappersdorf an der Macht. Im Mai 2014 hatte er das Bürgermeisteramt an Christian Hauner (Freie Wähler) übergeben. Sein Wunschnachfolger war Hauner nicht. Bis heute können beide nicht so recht miteinander. Jüngst hat Altbürgermeister Dollinger wieder das Wort ergriffen. „Ich habe lange zugeschaut“, hat er gesagt. „Aber jetzt ist das Maß voll.“ Er ärgert sich, wie Hauner über das Aurelium spricht, dessen Bau Dollinger und sein Marktrat geplant hatten. Konkret geht es um die Kosten.

Mal spreche Hauner von 7,2 Millionen Euro, mal von 8,2, erklärt Dollinger. Vor vier Wochen habe Hauner dann bei einer Marktratssitzung, bei der die finanzielle Zukunft Lappersdorfs Thema war, wieder eine neue Zahl ins Spiel gebracht: zehn Millionen Euro. Der Bürgermeister hatte erklärt: „Ich habe bisher noch nichts Gegenteiliges zum Aurelium gesagt. Aber diese investierten zehn Millionen Euro fehlen uns jetzt.“

„Herr Hauner dreht sich alles so hin, wie er es braucht.“

Altbürgermeister Erich Dollinger
Erich Dollinger versteht nicht, warum Hauner unterschiedliche Zahlen hinsichtlich des Aureliums kommuniziert. Foto: Petra Schmid

Dollinger stört, dass Hauner derart „flapsig“ mit den Bürgern seiner Gemeinde kommuniziere und dass er, wie Dollinger es empfindet, die Neuverschuldung des Markts auf das Aurelium zurückführt: „Hauner kann nicht sagen, dass er kein Geld mehr hat, weil das Aurelium zehn Millionen gekostet hat.“ Denn zum einen habe das Aurelium seines Wissens deutlich weniger gekostet. Am 28. April 2014 habe der Bau- und Vergabeausschuss des Vorgänger-Marktrats ein letztes Mal getagt und alle ausstehenden Gewerke der Innenausstattung des Kulturzentrums beschlossen und vergeben. „Die Baukosten für den Markt summierten sich nach dieser Sitzung definitiv auf 6,626 Millionen Euro netto inklusive Innenausstattung und Außenanlagen“, sagt Dollinger. Zum anderen seien die Investitionen des Planungszeitraums 2013 bis 2017 zu hundert Prozent mit Finanzmitteln gedeckt gewesen. Zudem habe er vier Millionen Euro und verkaufbare Grundstücke im Wert von 10,7 Millionen Euro hinterlassen. Dollinger wählt drastische Worte: „Herr Hauner dreht sich alles so hin, wie er es braucht.“

Hauner legt Zahlen auf den Tisch

Ortstermin im Lappersdorfer Rathaus: Bürgermeister Christian Hauner hat seinen Kämmerer Robert Weilhammer gebeten, die Kosten des Aureliums centgenau aufzulisten. Diese Liste liegt unserer Redaktion vor. Demnach belaufen sich die Investitionskosten für das Aurelium auf 9,38 Millionen Euro. Bereits einkalkuliert sind darin die Kosten für das Inventar, anteilige Kosten für 40 der 80 neuen Parkplätze am Aurelium sowie für weitere Parkplätze am Café Hahn, die Verwaltungskosten, die im Rathaus für den Bau des Aureliums entstanden sind sowie die Kosten für das neue Parkleitsystem. Dazu rechnet Hauner auch die inzwischen aufgelaufenen Betriebsdefizite: 700 659,76 Euro für 2016 und rund 500 000 Euro für 2017. Insgesamt werden also bis Jahresende rund 10,58 Millionen Euro Kosten entstanden sein.

Dass sich die Aussagen von Dollinger und Hauner unterscheiden, setzt sich fort: Spricht der Altbürgermeister über das Aurelium, führt er die Netto-Kosten an, weil ihm das Finanzamt 2013 mitgeteilt hatte, dass er bei einer gewerblichen Nutzung mit voller Umsatzsteuer-Erstattung rechnen kann. Hauner aber sagt: Diese Kalkulation sei falsch. Lappersdorf erhalte lediglich rund 50 Prozent der Steuer zurück, da das Haus nur zu rund 50 Prozent gewerblich genutzt wird.

Lappersdorfs Bürgermeister Christian Hauner will sich nicht mit seinem Vorgänger Erich Dollinger streiten. Foto: Dummer

Während Dollinger und der damalige Marktrat mit dem Aurelium vor allem eine Unterkunft für Vereine bauen wollten, dessen Kulturbetrieb von Ehrenamtlichen gemanagt werden kann, haben sich Hauner und der neue Marktrat für eine professionelle Führung entschlossen. „Das Gebäude braucht eine gewisse Auslastung, um sich zu finanzieren“, betont Hauner. Seiner Meinung nach hätten Ehrenamtliche diesen Betrieb nicht stemmen können. Daher beschäftigt der Markt neben Leiter Klaus Wenk eine Verwaltungskraft, zwei Hausmeister und eine Reinigungskraft. Und während Dollinger gerne die Stühle aus der Mehrzweckhalle übernommen hätte, haben Hauner und der neue Marktrat neue gekauft. „Ich kann doch nicht die Besucher in unserem goldenen Haus auf zehn bis 15 Jahre alten Stühlen sitzen lassen“, sagt Hauner.

„Herr Dollinger soll mich in Ruhe meine Arbeit zum Wohle des Marktes Lappersdorf machen lassen.“

Christian Hauner

Dass er sich nun wieder erklären muss, nervt ihn. „Ich will keine Schlammschlacht mit Herrn Dollinger“, sagt er. „Er hat sich am 30.04.2014 freiwillig in den Ruhestand verabschiedet. Diesen sollte er nun endlich genießen und mich in Ruhe meine Arbeit zum Wohle des Marktes Lappersdorf machen lassen.“

Alte Stühle fürs goldene Haus?

Altbürgermeister Dollinger hat mit Entsetzen vernommen, dass sich Lappersdorf 2017 erstmals wieder verschuldet hat. Während seiner Zeit im Amt habe er stets eine „verantwortungsvolle Finanz- und Personalpolitik“ geführt, betont er. Er könne es sich nicht erklären, wieso sich der Markt „unnötig verschuldet“, zumal „die Steuereinnahmen sprudeln“. Kämmerer Weilhammer beziffert den Schuldenstand zum Jahresende auf 1,2 Millionen Euro. Die Zinsbelastung dafür, so Weilhammer, gehe aufgrund der staatlichen Förderung gegen null Prozent. 2018 wird der Markt einen weiteren ähnlich günstigen Kredit in Höhe von einer Million aufnehmen.

„Bei der derart günstigen Zinslage macht das auch Sinn“, betont Hauner. Er ist überzeugt, dass sein Investitionsplan der richtige sei. „Ich kann den Leuten schließlich nicht sagen, wir haben ein goldenes Haus, aber Kinderbetreuungsplätze können wir uns nicht leisten“, sagt er. Zudem würden inzwischen Maßnahmen umgesetzt, die weit über Dollingers Investitionsplan hinaus gehen. So werde etwa ein neuer Kinderhort an der Grundschule und ein Kinderhaus am Sportzentrum gebaut, eine Drehleiter beschafft und die TSV-Sporthalle saniert.

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