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Samstag, 18. November 2017 5

Daten

Wohnungsbau: Verwirrende Zahlen

Im Landkreis werden weniger Wohnungen genehmigt, sagt der Freistaat. Das Landratsamt widerspricht: Es seien sogar mehr.
Von Christof Seidl, MZ

Unterschiedliche Zahlen der Behörden machen die Einschätzung der Entwicklung beim Wohnungsbau im Landkreis Regensburg schwierig. Foto: dpa

Regensburg. Der Wohnungsbau in Bayern soll im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark zurückgegangen sein, sagt das Landesamts für Statistik und legt auch für den Landkreis Regensburg ernüchternde Zahlen vor. Wurden 2016 im ersten Halbjahr noch 580 Wohnungen genehmigt, sind es in diesem Jahr nur 496. Auffällig ist der Rückgang vor allem bei Einfamilienhäusern (von 292 auf 249) und bei Wohnheimen (von 51 auf 0).

Beim Landratsamt Regensburg sorgen diese Zahlen für Stirnrunzeln. Denn die Behörde kommt beim Durchzählen der von ihr genehmigten Bauanträge auf ganz andere Summen. Im Jahr 2016 werden aus 580 demnach 681 Wohnungen, im Jahr 2017 steigt diese Zahl laut Landratsamt sogar auf 686, das Landesamt für Statistik gibt hier fast 200 Wohnungen weniger an.

Landratsamt: Niveau bleibt hoch

Wie diese Unterschiede zustande kommen, ist nach Angaben des Pressesprechers des Landratsamts, Hans Fichtl, im Moment nicht nachvollziehbar. Man werde versuchen, das mit dem Landesamt für Statistik zu klären. Die eigenen Zahlen des Landratsamts sind laut Fichtl ein klarer Beleg dafür, dass sich die Wohnungsgenehmigungen im Landkreis weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen und es beim Thema Schaffung von Wohnraum vorwärtsgeht.

Auch Pfaffenhofen betroffen

Auch im Landkreis Pfaffenhofen widersprechen sich die Angaben des Landratsamts und des Landesamts für Statistik in Sachen genehmigte Wohnungen. Foto: dpa

Dass Regensburg mit diesem Statistikproblem nicht alleine dasteht, zeigt der Landkreis Pfaffenhofen, der für das erste Halbjahr 2017 in einer Pressemeldung einen Zuwachs bei Wohnungsgenehmigungen um fast 15 Prozent verkündet. In der Landesstatistik kommt Pfaffenhofen dagegen nur auf einen minimalen Anstieg.

Unabhängig davon zeigen die Zahlen des Regensburger Landratsamts auch, dass gerade beim Bau von Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen Nachholbedarf besteht. Die Anfang 2016 gestarteten Anstrengungen des Freistaats, über Förderprogramme den Bau von sozialverträglichen Wohnungen – auch für Flüchtlinge – anzukurbeln, schlagen sich bisher kaum in Zahlen nieder. Dieser Trend bei Wohnungsbau gilt auch bundesweit. Selbst wenn die Zahlen aller statistischen Ämter nicht exakt sein sollten, ist für das erste Halbjahr 2017 beim Wohnungsbau ein deutlicher Rückgang erkennbar.

Im Landkreis Regensburg könnte sich das 2018 ändern. Bis dahin dürften einige Projekte in Sachen sozialer Wohnungsbau, die auf den Förderprogrammen des Freistaats fußen, genehmigungsreif sein. Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz haben im Landkreis zwölf Städte und Gemeinden (Brunn, Deuerling, Donaustauf, Holzheim, Lappersdorf, Neutraubling, Obertraubling, Pettendorf, Regenstauf, Tegernheim, Wenzenbach und Wolfsegg) Interesse an dem Kommunalmodell des „Wohnungspakts Bayern“ gezeigt (Stand Frühjahr 2016).

•Das Gebäude des früheren Gasthauses Riederer in Irlbach verfällt zusehends. Auf dem Gelände sollen Sozialwohnungen entstehen. Foto: Schaeffer

So will die Gemeinde Wenzenbach in Irlbach etwa 25 Wohnungen auf dem Gelände einer bestehenden Altbebauung schaffen, die abgerissen wird. Das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs für dieses Projekt soll im Dezember feststehen.

Die Gemeinde Tegernheim hat ihren Ideenwettbewerb für 40 Sozialwohnungen bereits abgeschlossen. Sie will diese Wohnungen zur Hälfte selbst errichten, die andere Hälfte übernimmt ein Bauträger. Das Investitionsvolumen liegt bei fünf Millionen Euro. In Lappersdorf laufen die Vorbereitungen für den Bau von 18 Sozialwohnungen. Baubeginn soll 2018 sein, die Kosten betragen nach Angaben der Marktverwaltung etwa 3,6 Millionen Euro. In Regenstauf sollen über einen kirchlichen Bauträger 60 Wohnungen entstehen, auch hier läuft die Planungsphase. In Deuerling soll ein Grundstück in der Ortsmitte mit vier bis sechs Wohnungen bebaut werden. In Wolfsegg ist eine Baulandentwicklung zusammen mit einem karitativen Träger für vier bis sechs Wohnungen geplant.

Zwölf Millionen Euro Fördermittel

Die Regierung der Oberpfalz bezuschusst über das Kommunalmodell auch vorbereitende planerische Maßnahmen wie Architektenwettbewerbe oder Machbarkeitsstudien. In Hemau wurden über eine andere Variante des Wohnungspakts sieben Wohnungen gefördert.

Sozialer Wohnungsbau

  • Programm:

    Mit dem kommunalen Förderprogramm unterstützt der Freistaat Bayern Gemeinden bei dem Vorhaben, selbst sozialen Wohnraum zu planen und zu errichten. Für dieses Programm stellt er von 2016 bis 2019 insgesamt 600 Millionen Euro bereit.

  • Förderung:

    Sie besteht aus einem Zuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten sowie einem zinsverbilligten Darlehen (derzeit 0,5 Prozent auf 20 Jahre). Die Gemeinden müssen bei solchen Bauprojekten einen zehnprozentigen Eigenanteil leisten.

  • Die Zielgruppe

    des kommunalen Förderprogramms des Freistaats umfasst Haushalte, die sich aus eigener Kraft nicht am Wohnungsmarkt versorgen können. Die Wohnungen, die über dieses Programm gefördert werden, sollen „in angemessenem Umfang“ anerkannten Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden.

  • Resonanz:

    Das kommunale Förderprogramm ist nach Angaben des bayerischen Innenministeriums (Stand: Ende 2016) zurückhaltend angelaufen.

  • Aussichten:

    Das Innenministerium sagt, das sei nicht überraschend, weil viele Gemeinden als Bauherr Neuland betreten würden. Sie bräuchten Zeit für die Konzeption der Projekte, die erforderlichen Beschlüsse der Gremien, die Beauftragung der Planer, die Planung selbst und ggf. den Erwerb der Grundstücke. 2016 wurden in Bayern Maßnahmen mit 758 Wohnungen bewilligt.

  • Bestand:

    Kommunale Sozialwohnungen gibt es im Landkreis bisher in Neutraubling (511 Einheiten), Lappersdorf (134) und Regenstauf (124). Die Zahl der Vormerkungen liegt jeweils bis zu 400 Personen.

Insgesamt geht es nach Angaben der Regierung um rund 140 Wohnungen und um gut zwölf Millionen Euro an Fördermitteln, die auf diese Weise in den Landkreis Regensburg fließen.

Das Minus bei den Wohnheimen im Landkreis ist übrigens leicht zu erklären. Es handelte sich 2016 um die Genehmigung von Flüchtlingsheimen in Regenstauf und Hemau. Da keine weiteren Heime folgten, gibt es in diesem Bereich auch keine weiteren Genehmigungen.

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