mz_logo

Landkreis
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Lebensmittel

Agrarchemie steht in der Kritik

Interessengemeinschaft gesunder Boden fordert ein Umdenken. Sie zeigte in Barbing alternative Bewirtschaftungsmethoden auf.
Von Kerstin Hafner, MZ

Schwere Maschinen, wie auf einem 95 Hektar großen Kartoffelacker bei Magdeburg, sowie Chemie in Dünge- und Spritzmitteln nehmen Einfluss auf die Böden und damit auf die Pflanzen. Foto: Peter Förster/dpa

Barbing.Die Interessengemeinschaft Gesunder Boden zweifelt stark daran, dass konventionelle Landwirtschaft künftig (aber auch schon heute) überhaupt noch gesunde Lebensmittel aus ihren intensiv bewirtschafteten Böden hervorbringen kann. „Häufig wird durch übermäßigen Einsatz von Agrarchemie und Wirtschaftsdünger zum Zweck der Ertragssteigerung sowie durch falsche Bodenbearbeitung die Bodenbiologie so sehr geschädigt, dass die natürliche Bodenfruchtbarkeit durch Humusabbau schwindet“, erklärt der Gründer der IG und 1. Vorsitzender Franz Rösl.

Im Pflanzenschutz-Merkblatt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft finden sich Hunderte verschiedener Spritzmittel gegen Unkräuter, Pilze und tierische Schädlinge. Über ihre Nebenwirkungen zerbrechen sich kritische Geister den Kopf und um Glyphosat ist ein regelrechter Glaubenskrieg entbrannt. Kein Wunder, dass der zweite Bodentag der IG Gesunder Boden auf äußerst reges Interesse stieß. 420 Gasthörer kamen zur Vortragsreihe am Dienstag in den Saal der Barbinger Rathausgaststätte. „Erfreulicherweise sind die überwiegende Mehrheit davon interessierte Landwirte, der Rest setzt sich aus Vertretern einschlägiger Ämter und Behörden zusammen“, so Rösl.

Ein regionales Netzwerk aufbauen

Das Ziel der von ihm gegründeten Interessengemeinschaft sei, ein regionales Netzwerk von Praktikern zu schaffen, durch deren Zusammenarbeit und Wissensvermittlung ein Erfahrungsaustausch stattfinde – mit dem Ziel, gesunde, humusreiche Böden aufzubauen, die wieder hochwertige Pflanzen und Lebensmittel hervorbrächten. Denn fast alle Nahrungsmittel seien direkt vom Boden abhängig. Schließlich speichere er Kohlenstoff, Nährstoffe und Wasser und habe eine große Bedeutung für die Artenvielfalt. „Biodiversität ist das Immunsystem der Natur“, lautet die Erkenntnis. Neben der Vermeidung von Nährstoffverlusten oder -überschüssen und der Förderung der Bodenmikrobiologie stehe der Aufbau von Dauerhumus im Fokus. „Wir möchten hier niemanden anprangern, der konventionell wirtschaftet. Oft stehen Landwirte durch eingegangene Verpflichtungen unter erheblichem finanziellen Druck. Wir möchten nur zu einem Umdenken bewegen und Wege aufzeigen, dass es auch anders geht, ökologisch verträglich.“

Alternative Maßnahmen

Biolandwirt Josef Hägler erklärte, welche alternativen Maßnahmen er anwendet, um „den Boden, den ich von meinen Eltern geerbt habe, in genauso gutem oder, wenn möglich, besserem Zustand an meine Kinder weitergeben zu können.“

Prof. Dr. Monika Krüger von der veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Leipzig, eine Koryphäe in der Glyphosatforschung, wies eindringlich auf die Risiken durch Glyphosat hin: „Es ist ein Herbizid, das über zahlreiche Mechanismen die Gesundheit von Tieren und Menschen beeinflusst. Man vergisst heutzutage nur zu gerne den Kreislauf Boden-Pflanze-Tier-Mensch.“ Im Körper blockiere Glyphosat diverse Spurenelemente, durch deren Mangel chronische Erkrankungen initiiert würden. Als synthetische Aminosäure konkurriere es mit dem natürlichen Glycin um Bindungsstellen an Rezeptoren und verändere damit das Gefüge von Proteinen und Enzymen, an deren Bildung normalerweise Glycin beteiligt sei. Stoffwechselprobleme und Allergien könnten die Folge sein.

420 Interessenten stürmten die Tagung

  • Verein:

    Die Interessengemeinschaft (IG) gesunder Boden ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein mit Sitz in Regensburg. Er wurde im Jahr 2016 gegründet.

  • Bodentag:

    Gleich im ersten Vereinsjahr wurde auch ein erster Bodentag mit informativen Vorträgen für Landwirte und Behördenvertreter abgehalten. 2016 kamen knapp 250 Gasthörer.

  • Teilnehmer:

    Heuer musste die Liste bei 420 Anmeldungen geschlossen werden, weil der Saal des Barbinger nicht mehr Publikum fasst. Für nächstes Jahr denkt man an eine größere Halle. (lkh)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht