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Dienstag, 16. Januar 2018 7

Kirche

Der Wörther Orgel geht die Luft aus

Nach unsachgemäßen Umbauten in den 60er-Jahren hat das Instrument gelitten. Der Förderverein sammelt für Neuanschaffung.
Von Kerstin Hafner

Pfarrer Johann Baier zeigt auf ein Register der Wörther Kirchenorgel, das nicht mehr funktioniert. Heinz Hohmeier setzt sich als Vorsitzender des Orgelbaufördervereins für die Anschaffung eines neuen Instruments ein. Fotos: Hafner

Wörth.Technischer Fortschritt ist nicht immer das Nonplusultra. Als man Mitte des 19. Jahrhunderts langsam dazu überging, statt der bewährten mechanischen Kirchenorgeln lieber die damals modernen pneumatischen Orgeln zu bauen, wusste man noch nicht, dass der Teufel oft im Detail steckt. Genauer gesagt in den verbauten Dichtungen, Bleirohren und Lederventilen, durch die die Luft für die Pfeifen strömt. Werden sie porös, fehlt den pneumatischen Orgeln der nötige Luftdruck, um den Pfeifen die richtigen Töne zu entlocken.

Und genau wegen dieser störanfälligen Verschleißteile erreichen pneumatische Orgeln bei weitem nicht die Lebensdauer solide gebauter mechanischer Instrumente, die locker ein paar Jahrhunderte überdauern.

Pfeifen und Bleirohre im zurückversetzten Schwellwerk, das seit dem Umbau in den 1990er-Jahren nicht mehr zufriedenstellend funktioniert.

„Das Ende der Lebensdauer“

„Die romantische Orgel in der Wörther Pfarrkirche stammt aus dem Jahr 1917, feiert heuer also ihren 100. Geburtstag. Damit ist sie für eine pneumatische Orgel relativ alt und hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht“, erklärt Heinz Hohmeier, Vorsitzender des Orgelbaufördervereins St. Petrus, der sich seit 2010 mit heute 80 Gleichgesinnten für die Finanzierung eines neuen Kircheninstruments einsetzt.

„Pneumatische Orgeln sind mittlerweile selten geworden und wären schon von daher erhaltenswert, nur leider ist unser Instrument nicht mehr sinnvoll restaurierbar, weil es unter den wenig sachkundigen Umbauten in den 60er und 90er Jahren und den Fehlern, die dabei gemacht wurden, arg gelitten hat“, ergänzt Pfarrer Johann Baier, der selbst Orgel spielt und sein Handwerk während des Priesterseminars beim Regensburger Domorganisten gelernt hat. „Beim Umbau wollte man auf der Empore mehr Platz für den Chor schaffen und hat das komplette Schwellwerk seitlich versetzt, alle Pfeifen dieses Teilwerks wurden ausgebaut und neu installiert.“ Nun ist der Weg vom Spieltisch zu den Pfeifen länger und an den Bleirohren, durch die bei einer pneumatischen Orgel die Luft gepresst wird, hat der Zahn der Zeit genagt. Sie sind porös, genau wie einige Dichtungen und Ventildeckel. Für die Pfeifen wurde 1917 offenbar minderwertiges Zinn verwendet. Viele der Pfeifen im Schwellwerk, sogar ganze Register. funktionieren nicht mehr, die Töne bleiben hängen, der Orgel geht die Luft aus.

Fabrikfertigung brachte Qualitätsverlust

  • Das Übertragungssystem

    von den Tasten zum Ventilsystem in der Windlade bezeichnet man bei Orgeln als Traktur. Es gibt verschiedene Ausführungen: entweder mechanisch, elektrisch, pneumatisch oder auch Mischformen.

  • Die pneumatische Spieltraktur

    wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur gebräuchlichsten Trakturart, besonders bei den größeren Orgelneubauten. Leider begann damit auch die Fabrikfertigung von Bauteilen. Diese leitete einen deutlichen Qualitätsverlust ein.

  • Bei der mechanischen Traktur

    wird jede Taste der Orgelklaviatur über verschiedene mechanische Elemente mit dem zugehörigen Tonventil verbunden. Bei pneumatischen Trakturen dagegen existiert keine direkte mechanische Verbindung zwischen Tasten und Ventil.

  • Die Tasten selbst

    betätigen nur kleine Steuerventile. Diese entlassen die Luft durch lange, dünne Bleirohre. Damit werden weitere Bälgchen und Ventile gesteuert, die letztlich dafür sorgen, dass die Orgelpfeifen erklingen. (lkh)

„Haben wir mal Organisten von auswärts da, sind die oft ganz schön nervös, ob das Instrument mitspielt. Ist es kalt und klamm in der Kirche, quittiert sie schon mal den Dienst, denn die längsten Pfeifen reichen bis in den zugigen Dachboden. Ich kann mich an eine Osternacht erinnern, wo sie nur noch gepfiffen hat“, sagt der Pfarrer und verzieht das Gesicht, während er über die Klaviatur streicht.

„Befände sich das Instrument noch im Originalzustand, gäbe es von dieser Seite mehr Zuschüsse für eine Restaurierung“

Heinz Hohmeier, Orgelbauförderverein

Von außen sieht man der alten Lady nicht an, dass sie innen marode ist. Deswegen fragt sich mancher Bürger, warum man für einen Neubau spenden solle. „Das Landesamt für Denkmalpflege hat die Orgel schon mal begutachtet. Befände sich das Instrument noch im Originalzustand, gäbe es von dieser Seite mehr Zuschüsse für eine Restaurierung. So aber fällt die Förderung zu gering aus und eine Restaurierung käme uns teurer als ein Neubau“, sagt Hohmeier.

Prospekt (Frontansicht) der Kirchenorgel. Beim neuen Instrument soll diese Ansicht etwas in die Breite gezogen werden. Die Pläne liegen schon in der Schublade. Alle Genehmigungen sind erteilt. Es fehlt nur noch Geld.

500 000 Euro kostet der Kauf

Ein Sachverständiger hat den Neubau einer gleich großen mechanischen Orgel bereits auf eine halbe Million Euro veranschlagt. „Das ist eine stolze Summe, aber wenn man bedenkt, wie lange mechanische Orgeln leben“, verteidigt Baier den Entschluss. Die Pläne für das Instrument liegen bereits in der Schublade. Es soll sich optisch nicht groß von der jetzigen Orgel unterscheiden und durch eine ebenso schlichte wie geradlinige Konstruktion in die neugotische Ausstattung der Kirche einfügen. Die Diözese schießt 225 000 Euro zu. Alle Genehmigungen liegen vor. 275 000 Euro müssen der Förderverein und die Wörther Kirchenstiftung selbst aufbringen. 115 000 Euro hat man schon gesammelt – durch Spenden, Tombolas, Essensverkauf am Weihnachtsmarkt und Konzerte.

„Großspenden sind rar, wahrscheinlich weil es in Wörth keine so großen Unternehmen gibt wie in Regensburg oder Neutraubling“, erklären Baier und Hohmeier. Auch der Förderverein bräuchte dringend weitere Mitglieder.

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