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Dienstag, 20. Februar 2018 5

Unfall

Die Helden der Autobahn

Mitten in der Nacht blockiert ein Lkw die A 93. Bis er geborgen ist, dauert es lange. Das BRK rückt mit Tee und Schokolade an.
Von Bettina Mehltretter

Kurz nach der Anschlussstelle Ponholz hatte sich der Sattelschlepper auf der Fahrbahn gedreht und war in den Graben gerutscht. Foto: Alexander Auer

Regenstauf.Als Harald Hiendl am Dienstag gegen 2 Uhr nachts an der BRK-Rettungswache in Regenstauf ankam, wusste er zunächst nicht, was ihn erwartet. Bei der Alarmierung lagen nur wenige Informationen vor: Auf der nahen A 93, kurz hinter der Anschlussstelle Ponholz, war gegen 1.15 Uhr ein Lastwagen auf schneebedeckter Fahrbahn ins Rutschen geraten. Er blockierte die komplette Fahrbahn. Dahinter hatte sich ein Stau gebildet. Wie viele Menschen darin festsaßen, war unklar.

Also setzte sich Hiendl aufs Quad, das sich die Regenstaufer BRK-Helfer jüngst für solche Zwecke angeschafft haben,und fuhr los, um die Lage zu sondieren.

„Food 50“ für den Notfall

„Wir gehen immer erst davon aus, dass wir viele Autofahrer versorgen müssen“, sagt Hiendl, der auch Leiter der Regenstaufer BRK-Ortsgruppe ist. Im Ernstfall könnte seine Mannschaft problemlos 250 Menschen mit Getränken und mit „Food 50“ versorgen – einem fertig abgemischten Eintopf. Reicht diese Menge nicht, hat ihm der Chef eines nahen Supermarkts angeboten, ihn jederzeit anzurufen. Er würde ihm den Laden selbst mitten in der Nacht noch aufsperren.

Das neue Quad der BRK-Bereitschaft Regenstauf tat gute Dienste. Foto: Alexander Auer

Doch so arbeitsreich wurde der Einsatz für die 14 Helfer des BRKs – vor allem Mitglieder der sogenannten Schnelleinsatzgruppen aus Regenstauf und Sinzing/Prüfening – nicht. Nachdem der Unfall nur gut einen Kilometer hinter der Anschlussstelle Ponholz passiert war, konnten Polizisten und Feuerwehrleute die Autos nach und nach auf der Fahrbahn wenden und zur Auffahrt zurückfahren lassen. Hiendl und seine Kollegen waren froh über diese Entscheidung. Anders als Fernfahrer sind vor allem Autofahrer häufig nicht für Situationen wie die auf der A 93 gerüstet. „Viele haben nicht einmal eine Decke dabei“, sagt der BRKler. Dabei habe es oberste Priorität, sich warm zu halten.

Der Unfall auf der A 93

  • Vorgeschichte:

    Wie die Ermittlungen der Beamten der Verkehrspolizei Regensburg ergeben haben, war der 35-jährige Fahrer mit seinem Sattelzug zunächst von der rechten auf die linke Spur gewechselt, weil er anderen Verkehrsteilnehmern die Einfahrt von der Anschlussstelle Ponholz ermöglichen wollte. Danach wollte er wieder zurück auf die rechte Spur wechseln. Dabei passierte der Unfall.

  • Unfallursache:

    Den Erkenntnissen der Polizei zufolge hatten sich auf der schneebedeckten Fahrbahn sogenannte Schneerampen gebildet. Daran scheiterte der Sattelzug beim Wechsel des Fahrstreifens. Er geriet ins Rutschen und stellte sich auf der Fahrbahn quer. Ein Schaden entstand bei dem Unfall nicht. Ebenso wenig wurden Menschen gefährdet, wie die Polizei bekannt gab.

Letztlich steckten in der Nacht zum Dienstag hinter dem Unglückstruck nur noch die Fahrer von rund 40 Lastwagen fest, die mit ihren Fahrzeugen nicht umdrehen konnten. Doch bis der schwere Unfallwagen geborgen war, dauerte es. Denn auch der Abschleppwagen musste sich erst über schneebedeckte Fahrbahnen an die Unfallstelle quälen.

Wie stark der dichte Schneefall die Auto- und Lastwagenfahrer in der Nacht zum Dienstag ausgebremst hat, zeigt auch das Beispiel der Polizeistreifen, die im Einsatz waren. „Wir konnten die A 93 selbst nur mit 50 km/h befahren. Dieser extreme Schneefall hat leider nicht mehr zugelassen“, sagte Polizist Stefan Wagner einem Reporter vor Ort.

Bewährungsprobe für das Quad

Harald Hiendl lieferte mit dem BRK-Quad Tee und Kaffee an. Foto: Alexander Auer

Insgesamt war die A 93 rund zwei Stunden lang gesperrt. Als Hiendl mit dem BRK-Quad durch die Reihen fuhr, signalisierten ihm die Fernfahrer im Stau, dass es ihnen gut gehe. Also versorgten die Helfer des BRK vor allem die Einsatzkräfte mit Tee, Kaffee und Schokoriegeln. Das Quad tat dabei gute Dienste. „Es gab schon Einsätze, wo wir zu zweit zwei 20 Kilo schwere Teebehälter kilometerweit über die Autobahn getragen haben“, sagt Hiendl. Er erinnert sich noch gut an die Alarmierung seiner Truppe im Februar 2013 auf die A 3 bei Beratzhausen. Damals war ein Reisebus in einen Lkw gefahren. Der Ersatzbusfahrer war gestorben, 16 Menschen wurden verletzt. Wegen des starken Schneefalls hatten weder Auto- noch Lastwagenfahrer aus dem langen Stau geleitet werden können. Sie saßen bis zu zehn Stunden fest.

Damals wie heute ernteten die Kräfte des BRK viel Lob. „Respekt, Jungs!“, schrieb gestern ein Nutzer auf Facebook. Auch Sebastian Lange, Rettungsdienstleiter des BRK-Kreisverbands und auf der A 93 als Einsatzleiter vor Ort, meldete sich zu Wort. „Das, was unsere Leute leisten, ist enorm“, sagte er. Die Ehrenamtlichen seien nachts aufgestanden und hätten stundenlang im Schnee gearbeitet, um Feuerwehr und Polizei ihren Einsatz und den Truckern das Warten zu erleichtern. Selbstverständlich sei das nicht.

Ein Video vom Einsatz sehen Sie hier:

Schneefälle in der Oberpfalz bremsen Berufsverkehr

Weitere Polizeimeldungen aus dem Raum Regensburg lesen Sie hier.

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