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Sonntag, 10. Dezember 2017 11

Integration

Die musikalische Neubürgerin

Die Niederbayerin Lena Uhlmann fand in Brennberg ihre Wahl-Heimat. Dort freut man sich über das Musiktalent der 29-Jährigen.
Von Resi Beiderbeck

Harfenistin Lena Uhlmann spielt mit Verena Neuhofer (Geige), Verena Meier (Steirische), Lena Uhlmann (Harfe) und Vera Biller (Kontrabass) im Quartett „Oane wie koane“. Am 10. Juni geben sie ein Wald- und Wiesenkonzert im Himmeltal.

Brennberg.Dass die Niederbayerin Lena Uhlmann im Oberpfälzischen Brennberg ihre Wahlheimat fand, ist für die hiesige Kulturszene ein Grund zur Freude. Mit ihr kam nicht nur eine patente, temperamentvolle junge Frau ins Dorf, sondern zugleich eine leidenschaftliche Musikerin.

Als Uhlmann mit ihrer Harfe 2012 zum ersten Mal nach Brennberg fuhr, war der einzige Grund dafür ein musikalisches Engagement. Nach dem Auftritt würde sie einfach wieder heimfahren nach Neukirchen bei Bogen und das war’s dann – dachte sie. Dass sie fünf Jahre später mit Ehemann und zwei Kindern im Vorwald im eigenen Haus leben würde, hatte sie sich damals nicht erträumt. Mit der Vier-Mädel-Gruppe „Oane wia koane“ kam sie 2012 nach Brennberg, um beim „Stodlkeada“ für frisch-frech-fröhliche Musik zu sorgen. „Der Ort hot ma glei gfolln, weil i glei gspannt hob, dass do die Dorfgemeinschaft no lebendig is“, erinnert sie sich gut. „De Leit ham mir taugt und die Gegend aa“.

Kein guter Start

Dabei fing der Tag gar nicht besonders gut an. Lena, die damals noch ihren Mädchennamen Schlotze trug, war traurig wegen einer Beschädigung an ihrer Harfe. Getröstet wurde sie von der Bürgermeisterin persönlich. „Mir ham dann a weng plaudert, die Stimmung war guat und die Sauerer Irmgard hat scherzhaft gmeint, i könnt doch glei da bleiben, weil‘s guade Musikanten in Brennberg ollaweil braucha kon“, erzählt Uhlmann. Aus der Gaudi wurde mit der Zeit eine ernsthafte Überlegung, gepaart mit der Information, dass es im „Fahndorfer Feld“ noch einen freien Bauplatz gäbe. Genau dort haben Lena und Christof Uhlmann tatsächlich ihr Nest gebaut.

Beim „Rengschburga Musikantenstammtisch“ sind die Neu-Brennberger Lena (2. von rechts) und Christof Uhlmann (ganz links) Ensemblemitglieder.

Brennberg bekam aber nicht nur eine versierte Harfenistin, sondern in der Person von Christof Uhlmann gleich noch einen talentierten Geiger dazu. Normalerweise treten beide in verschiedenen Ensembles auf. Christof, der aus Ingolstadt stammt und Physiker ist, spielt zum Beispiel in der Folk-Rock-Band „Zwielicht“. Beim „Rengschburga Musikantenstammtisch“ machen beide Uhlmanns mit. Am Samstag gibt es eine echte Besonderheit, denn da spielen Lena und Christof zusammen mit dessen „Zwielicht“-Band-Kollegen, dem studierten Musikwissenschaftler und Musikpädagogen Benedikt Dreher in der Brennberger Pfarrkirche. Die drei werden Georg Blümls Weihnachtslesung mit bayerischer Adventsmusik, aber auch mit Raritäten wie dem „Pinzgauer Perchtentanz“, einem kleinen Menuett von Mozart und musikalisches Abstechern nach Irland, Schweden und Frankreich begleiten.

„Der Ort hot ma glei gfolln, weil i glei gspannt hob, dass do die Dorfgemeinschaft no lebendig is“

Lena Uhlmann

Benedikt Dreher, der dritte im Bunde, deckt von Orchesterspiel über Kammermusik bis hin zu seinem Blockflötenquartett „Il legno scuro“ eine enorme musikalische Bandbreite ab. Häufig ist er als Solo-Fagottist bei Lesungen zu hören. Er unterrichtet Blockflöte an der Sing- und Musikschule Regensburg und ist Inhaber des Notenverlages „Edition Molinari“. Schon jetzt hat ihn der Kulturausschuss der Gemeinde Brennberg mit seinem akustischen Folk-Jazz-Trio „Adabei“ für das Frühjahrskonzert im Jahr 2019 verpflichtet.

Auch Lena Uhlmann hat schon das nächste Gastspiel in ihrer neuen Heimat im Kalender stehen. Sie wird auf Einladung der „Klosterfreunde Frauenzell“ und der Gemeinde am 10. Juni 2018 mitten auf der Wiese im Himmeltal ein Open-Air-Frühlingskonzert mit ihrer Gruppe „Oane wia koane“ geben. Unter dem Motto „Junge Volksmusik im Himmeltal“ werden Zwiefache und Boarische, Walzer, Polka und Galopp erklingen. Die niederbayrische Tradition liegt den Damen am Herzen.

Im Alltag OP-Schwester

Gerne grasen sie aber auch in anderen Regionen, wenn es um spannende Stücke geht und um junge, frische, unkonventionelle, aber trotzdem bodenständige Musik. Das sing- und sinnenfreudige Quartett dichtet gerne dazu und zwar aus weiblicher Perspektive. Sehr schön zu hören ist das auf ihrer 2012 erschienenen CD mit dem Titel „ausbriat“ (Haglmo Shop). Das Mädels-Quartett stach auch dem Bayerischen Fernsehen ins Auge.

Mit ihrer Entscheidung, in Brennberg ein Haus zu bauen, ist Lena Uhlmann rundum glücklich. „Wir fühlen uns sehr angekommen, werden überall freundlich aufgenommen – so ham mir uns des vorgstellt“. Als OP-Schwester an der Uniklinik Regensburg hat die 29-Jährige – momentan in Teilzeit – einen verantwortungsvollen Beruf. Die Musik ist für sie ein willkommener Ausgleich. Das blieb ihrem Nachbarn Alois Janker, Kapellmeister der Brennberger „Florianikapelle“, nicht verborgen. Seit er erfahren hat, dass Lena auch das Tenorhorn beherrscht, sieht er sie für eine Karriere bei der Feuerwehrkapelle prädestiniert. „Momentan no net“, wehrt die Musikerin lachend ab. Ihr Hobby zieht sichtbare Kreise. Das freut den Kulturausschuss.

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