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Erziehung

Die neue Methode soll motivieren

An der Realschule Oberroning wird mit dem Marchtaler-Plan ein neues pädagogisches Konzept eingeführt. Beginn ist nach den Allerheiligenferien.
Von Marianne Schmid, MZ

Die Eltern zeigten großes Interesse – Fragen beantworteten die Lehrkräfte, die die Materialkästen vorbereitet hatten, es durfte fleißig ausprobiert werden. Foto: Marianne Schmid

Oberroning. Die Realschule Oberroning startet mit der Umsetzung eines neuen pädagogischen Konzepts. Nach den Allerheiligenferien soll der sogenannte Marchtaler-Plan stufenweise eingeführt werden. Bei einem Infoabend stellten Studienrat Wolfgang Maier und seine Kolleginnen Julia Maier, Maria Pixa, Maria Reichl, Adelheid Streu und Yvonne Weigl die neue Methode des Lernens und Arbeitens in Theorie und Praxis zunächst den Eltern der Fünftklässler vor.

Wie ist die Schule dazu gekommen? Nach einer internen Evaluation gab es Überlegungen einer Arbeitsgruppe, wie man die Motivation der Schüler steigern könne. Gemeinsam hat man sich über Möglichkeiten kundig gemacht und ist in Eichstätt auf den Marchtaler-Plan gestoßen. Dort wird an der Maria-Ward-Realschule in Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Eichstätt dieses Konzept inzwischen im dritten Jahr umgesetzt.

„Der Marchtaler-Plan besteht aus drei Säulen“, erklärte Studienrat Maier den Eltern, aus der „Freien Stillarbeit“ (FSA), die in Oberroning eingeführt wird, dem Morgenkreis und dem vernetzten Unterricht, der erst in höheren Jahrgangsstufen zum Tragen käme.

Die Freie Stillarbeit

Nach den Allerheiligenferien ist künftig von Dienstag bis Freitag in den fünften Klassen die erste Stunde eine FSA-Stunde. Für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Erdkunde und Religion stehen die Materialkästen bereit, in denen von jedem Schüler zu erarbeitende Unterrichtseinheiten zu finden sind. Die Schüler entscheiden selbst, was sie jeweils machen, arbeiten in ihrem persönlichen Tempo, sind für die Weitergabe des Arbeitsergebnisses verantwortlich und führen ein Begleitheft, in dem alle Arbeitsschritte dokumentiert sind.

Die FSA gliedert sich in sogenannte „sixpacks“, das heißt in Unterrichtseinheiten von je sechs Wochen. Das Beherrschen der Lerninhalte wird mündlich angesagt, schriftlich oder in anderen Formen geprüft. „Auch wir lernen dazu“, meinte Meier. „Es sei nicht vorgesehen, nichts zu tun“, erklärte er, „denn jeder Schüler muss in einem Zeitraum von sechs Wochen das Pensum abgearbeitet haben“. Im restlichen Schuljahr bleibe Zeit für neue Themen.

Haben die Lehrer dann frei?

Viel Arbeit steckt für die betroffenen Lehrkräfte dahinter. Bereits in den Sommerferien haben sie in vielen Arbeitsstunden die Materialkästen zusammengestellt. „In der FSA müssen sie sich nun zurücknehmen, denn nicht sie bestimmen über Lernthema Arbeitstempo, Sozialform und Ergebnissicherung, sondern die Kinder“, erläuterte Maier. Die Lehrkraft könne gefragt werden und kann Hinweise geben und sich auch mehr mit schwächeren Schülern beschäftigen.

Die FSA soll zu eigenem, selbst verantwortlichem Tun anregen. Die Lehrer setzen das Vertrauen in die Kinder, trauen ihnen zu, zu lernen und mit dieser Freiheit umzugehen. Für die Schüler eröffnet sich die Möglichkeit, sich selbst zu entdecken, neugierig zu sein, zu staunen, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln und in verschiedenen Sozialformen zu arbeiten.

Damit alles gut abläuft, braucht es auch Regeln. Für die Schüler gilt: Wir arbeiten ruhig, um niemanden zu stören, dürfen zusammen arbeiten, aber in Ruhe und machen fertig, was wir begonnen haben. Wir gehen sorgfältig mit dem Material um und räumen es hinterher wieder auf.

Damit die Eltern eine Vorstellung bekommen, was auf ihre Kinder zukommt, durften sie das vorbereitete Material ausprobieren. „Da würde Schule gleich wieder Freude machen“, meinte eine Mutter und berichtete von einer Grundschule, an der Kinder schon Erfahrung mit dieser Arbeitsweise gemacht hatten. „Leider hatten wir diese Möglichkeiten des Lernens nicht“, bedauerte ein Elternpaar.

Unterstützung durch die Eltern

Die Lehrkräfte hoffen deshalb auf die Unterstützung der Eltern und sind zuversichtlich, dass es den Kindern und Lehrern etwas bringt. „Es wird nicht auf Anhieb alles klappen und auch nicht bei allen“, meinte Maier. „Was wir brauchen, ist Geduld und ab und zu ein Quäntchen Humor, dann wird es gelingen.“

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