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Montag, 5. Dezember 2016 1

Messung

In Bernhardswald strahlt die Erde

Der Ort gehört zu den am stärksten betroffenen Gemeinden in Deutschland. Um seine Gesundheit muss nach Expertenangaben aber niemand fürchten.
Von Christof Seidl, MZ

Dieser Geigerzähler zeigt die natürliche Strahlung bei Lübeck an. In Bernhardswald liegen die Werte fast doppelt so hoch. Nach Angaben von Wissenschaftlern und Behörden sind sie trotzdem völlig unbedenklich. Foto: dpa

Bernhardswald.Der Hauptort der Vorwaldgemeinde ist in Deutschland Spitzenreiter – wenn es um die sogenannte natürliche Strahlung geht. Sie beträgt an der Messstation des Bundesamts für Strahlenschutz in Bernhardswald knapp 0,2 Mikrosievert pro Stunde. Ähnlich hohe Werte werden in Deutschland nur an vier weitere Standorten erreicht. Insgesamt gibt es bundesweit rund 1800 solcher Messstationen. Der Durchschnittswert der natürlichen Strahlung in Deutschland liegt demnach bei unter 0,1 Mikrosievert pro Stunde.

Generell ist die natürliche Strahlung im Bayerischen Wald, zu dessen Gebiet Bernhardswald gehört, deutlich höher als beispielsweise im benachbarten Jura. Dies hängt mit der Beschaffenheit der Böden und Gesteine zusammen, die im Bayerischen Wald mehr Radionuklide enthalten, die bereits vor der Entstehung des Sonnensystems gebildet worden sind und aufgrund ihrer langen Halbwertzeit noch heute existieren.

Radon spielt eine Rolle

Neben der der reinen Bodenstrahlung spielt bei Wirkung auf Menschen auch das Edelgas Radon eine Rolle. Es stammt aus dem Boden und kommt in sehr geringer Konzentration praktisch überall vor. Radon entsteht aus dem Zerfall von Uran.

Für Verunsicherung hat ein Vergleich der Bernhardswalder Werte mit Werten aus der japanischen Stadt Fukushima im Internet gesorgt, die von offizieller Seite mit 300 bis 600 Mikrosievert pro Stunde angegeben werden, was in etwa dem Zwei- bis Vierfachen der Vorwaldgemeinde entspricht. Die Webseite www.antiatom-fuku.de, die diesen Vergleich auflistet, bezeichnet bereits Strahlenwerte zwischen 0,1 bis zu 0,2 Mikrosievert pro Stunde – wie sie in Bernhardswald gemessen werden, als möglicherweise gesundheitlich bedenklich – vor allem über einen längeren Zeitraum.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter hält diese Angabe für unrealistisch. Die Durchschnittsbelastung eines deutschen Bürgers durch natürliche Strahlung in ihren verschiedenen Formen liege bei etwa zwei Millisievert pro Jahr. Selbst wenn man die Bernhardswalder Messwerte einrechne, liege die Belastung der Bevölkerung deutlich unter drei Millisievert pro Jahr. Bei diesen Werten ist nach Angaben der Behörde bereits die Strahlung durch das Edelgas Radon berücksichtigt. Es macht bis zu 50 Prozent des Werts der Strahlung aus.

Zwar gibt es keinen generellen Grenzwert für die Belastung durch natürliche Strahlung. Es gibt aber einen Grenzwert für die zulässige Belastung durch Strahlung an Arbeitsplätzen. Er liegt bei 20 Millisievert pro Jahr, das entspicht nach Angaben des BfS etwa dem Siebenfachen dessen, was ein Bernhardswalder pro Jahr an natürlicher Strahlung (inklusive Radon) „abbekommt.“

Gesundheitlich unbedenklich

Nach Angaben der Abteilung für Nuklearmedizin an der Universität Regensburg ist dieser Grenzwert für Arbeitsplätze bereits sehr niedrig angesetzt. Er liegt um den Faktor 100 unter jenem Wert, ab dem Einflüsse von radioaktiver Strahlung auf den menschlichen Körper als gerade noch nachweisbar gelten.

Anja Lutz, Pressereferentin beim Bundesamt für Strahlenschutz, meinte im Gespräch mit der MZ, dass Menschen oft Unbehagen spürten, wenn von einer radioaktiven Strahlung gesprochen wird, der sie ausgesetzt sind. „Diese Werte sind aber gesundheitlich absolut unbedenklich.“ Die Vermutung von www.antiatom-fuku.de, solche Werte könnten auf Dauer bereits bedenklich sein, bezeichnete sie als „private Meinung, die wir nicht kommentieren möchten“.

Das Landratsamt Regensburg kennt die Situation in Bernhardswald. Bereits im Jahr 2011 hatte sich eine Bürgerin wegen der Strahlenwerte in Bernhardswald an die Behörde gewandt. Diese Anfrage wurde damals an das BfS weitergegeben. Der Bernhardswalder Bürgermeister Werner Fischer zeigte sich vom Rekordstatus seiner Gemeinde überrascht. Er kenne zwar die Messstelle, dass Bernhardswald einen der höchsten Strahlungswerte in Deutschland hat, sei ihm aber nicht bekannt gewesen. Diese Werte würden auch nicht an die Gemeinde weitergegeben.

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