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Literatur

In Schmids Roman herrscht das Grauen

Mit „Feed me“ erscheint der erste Krimi der Neutraublinger Unternehmerin. Im Oktober kommt das nächste Buch, ein weiteres ist in Vorbereitung.
Von Michael Jaumann, MZ

Neutraubling. Je grausiger, desto toller! Insbesondere bei Krimiautorinnen ist die Neigung weit verbreitet, sich immer neue Qualen auszudenken, mit denen Opfer in ihren Büchern traktiert werden. Manchen Autorinnen geht es darum, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, andere wollen eher unverwechselbar sein.

Zu letzteren lässt sich Martina Schmid mit ihrem Roman „Feed me“ zählen. „Ich wollte ein Thema, zu dem es noch kein Buch gibt“, erzählt die nebenberufliche Autorin über die Themensuche für ihren „Romantic-Psycho-Thriller“. Entdeckt hat die Unternehmerin „Feeding“, eine psychische Störung, bei der ein Mensch einen anderen richtiggehend anfüttert, bis dieser ein deutliches Übergewicht erreicht hat. Der Fütterer verspürt dabei sexuelle Erregung, während dies beim Gefütterten nicht unbedingt der Fall sein muss.

Frauen systematisch gemästet

Francis Cronenberg, ein attraktiver Tierarzt, ist der Schurke, der in „Feed me“ seinen Drang auslebt, Frauen bis an die Grenze des Erträglichen zu mästen. Die von Selbstzweifeln geplagte Bea fühlt sich geehrt, als sich Francis für sie interessiert. Nur zu gerne erfüllt sie seine sexuellen Wünsche, lässt sich systematisch füttern und nimmt immer mehr zu, woraufhin das Verlangen von Francis noch mehr zunimmt. Schließlich entdeckt Bea, dass es nicht nur um sexuelle Erregung geht. Sie stößt auf ein Geheimnis und entdeckt, was mit den Frauen vor ihr passiert ist ... Mehr wird nicht verraten.

Spannung, Liebesgeschichte, Psychologie – das alles spiele in ihren Roman mit hinein, berichtet Schmid, die im Hauptberuf in Neutraubling ein Nachhilfestudio betreibt. Ihr sei es darum gegangen, zu erforschen, wie es dazu kommt, dass Menschen Dinge mit sich machen lassen, die sie eigentlich gar nicht wollen können. Missbrauch, Selbstzweifel, Kindheitserlebnisse – das alles spielt eine Rolle, damit Bea eine Grenze überschreitet und alle anderen sozialen Bindungen hinter sich lässt. Sie habe das Thema Feeding monatelang im Internet recherchiert und einschlägige Foren besucht, um die Story und die seelischen Dimensionen glaubwürdig rüberzubringen.

Das Thema sei keineswegs autobigrafisch zu sehen, wehrt Martina Schmid beim Gespräch in ihrem Büro ab. Sie habe zu Feeding keinerlei Neigung, betont sie. Wenn dieses Thema schon mit ihr selbst zu tun haben soll, dann allenfalls mit einer Kritik am herkömmlichen Schönheitsideal. „Es muss nicht jeder schlank sein, um sich schön finden zu können“, sagt sie.

Von Hannibal Lecter fasziniert

Vorbilder habe sie beim Schreiben keine, erklärt die Autorin. Ihr Francis ähnelne vielleicht ein wenig Hannibal Lecter aus dem „Schweigen der Lämmer“ – ein Thriller, den Martina Schmid sehr schätzt. Fasziniert zeigt sie sich auch von „Shades of Grey“. Nicht vom Inhalt, sagt sie, sondern davon, wie man mit Erotik hunderte von Seiten vollbringen könne. Erotik komme zwar auch bei „Feed me“ vor. Der Thriller sei aber kein Erotikbuch“, „sondern eine kompakte Geschichte.

Mit ihrem Krimi hat die Autorin eine Grenze überschritten. Ihre ersten Bücher „Pasqua – im Kreis der Cavallos“ und „Pasqua –Das Geheimnis von Baobab“ waren Mädchenbücher, die sie ab 2002 für ihre Töchter Marina und Christine geschrieben hatte. Auch „Girls only – Ein total verrücktes Schuljahr“ stammt aus dieser Frühzeit des Schaffens, als sie noch bei der IHK gearbeitet hat. In den vergangenen Jahren hat sich Martina Schmid dem Unternehmen „Lernzeit“ gewidmet, das sie 2008 in Neutraubling übernommen hat.

„Feed me“ ist bereits vor zwei Jahren entstanden. An die 30, 40 Anfragen hat sie gestartet, ehe es mit dem Medu-Verlag in Frankfurt geklappt hat. „Man muss zäh und ausdauernd sein“, sagt die Autorin über die Verlagssuche. Weil diese Suche nicht zu kalkulieren ist, wird im Oktober bereits im emons Verlag ihr nächstes Buch erscheinen – „Herrschaftszeiten!“ – ein in Wörth spielender Bayernkrimi. Den hat Martina Schmid bereits 2011 geschrieben. Zusammen mit ihrem Mann, der sie bei der Recherche unterstützt, sitzt sie im Moment schon wieder über dem nächsten Roman. Auch dieser ist wieder ein Krimi, diesmal aber mit einem Historienstoff.

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