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Gericht

Kindstod: Jetzt wird die Stadt verklagt

Vor knapp einem Jahr war ein siebenjähriger Bub im Waldbad in Wörth ertrunken. Die bulgarische Familie will nun Schmerzensgeld von der Stadt.
Von Walter Schiessl, MZ

Hinweis zur Badeanlage „Wörther Waldbad“ Foto: Schießl

Wörth.Die Verhandlung um die Schadenersatzklage einer bulgarischen Familie, deren siebenjähriges Kind im Waldbad in Wörth ertrunken ist, gegen die Stadt Wörth wird am 16. Juni vor der 1. Zivilkammer stattfinden.

Der letzte Termin, der für den 8. Mai anberaumt worden war, wurde vom Gericht verworfen, weil die VG Wörth-Brennberg von der Familie beklagt worden war. Diese sei aber nicht zuständig, wurde beschieden (die MZ berichtete). Vielmehr sie die Stadt Wörth die Beklagte.

Auf 53 000 Euro erhöht

„Wir haben uns jetzt auf die Stadt konzentriert“, sagte die Münchner Rechtsanwältin Maria Milusheva, die die in Wörth wohnenden Eltern des am 13. Juni 2013 ums Leben gekommenen Buben vertritt. Wie das Regensburger Landgericht bestätigte, soll nun die Verhandlung am 16. Juni stattfinden. Zuvor hatte man die VG im Visier, denn auf deren Plänen soll das Waldbad eingezeichnet gewesen sein. Die Familie hat die Schadenersatzklage auf 53 000 Euro erhöht. Denn auch für den Stiefvater, der nach Angaben der Anwältin seit dem Tod des Kindes unter Schlafstörungen und Diabetes leidet, sollen 3000 Euro eingeklagt werden. Bislang wurden 50 000 Euro gefordert, von denen 5000 Euro für den toten Sohn, jeweils 10 000 Euro für die Mutter, die Schwester und einen Bruder eingefordert werden sollen. Mit dem restlichen Geld sollen die Anwalts- und Beerdigungskosten beglichen werden.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hatte nach dem Vorfall vom 13. Juni vergangenen Jahres das Verfahren eingestellt, weil weder bei den Eltern, noch bei den Verantwortlichen der Stadt ein Vorsatz festgestellt werden konnte. Somit wurde am 18. Juli der Fall von der Staatsanwaltschaft ohne Ergebnis abgeschlossen.

Die Eltern des Kindes beauftragten Maria Milusheva mit der Wahrung ihrer Interessen. „Die Stadt soll für ihre Verantwortung geradestehen“, sagte die Münchner Anwältin, die ebenfalls aus Bulgarien stammt und viele ihrer Landsleute vor bayerischen Gerichten vertritt. Denn das Waldbad sei kein naturbelassener Weiher, sondern ein betoniertes Becken, auf das Schilder hinweisen und das im TSV-Gelände liege. Weil es dort weder Rettungsgeräte, noch Rettungspersonal gebe. habe sie stadt eine gehörige Mitschuld am Tod von Mirov B., argumentiert die Anwältin.

In die Schuhe geschoben

Sie wirft den Verantwortlichen vor, grob gegen die Verkehrshaftungspflicht verstoßen zu haben. Man habe überhaupt keine Vorkehrungen getroffen, um Gefahren abwenden zu können, so Maria Milusheva. Die Verantwortung sei bisher allein auf die Familie angewälzt worden, sagt die Anwältin weiter. Die Schuld solle der Mutter des Buben in die Schuhe geschoben werden, die aber vom Fenster der Wohnung in der Schusshütte aus immer wieder in den Hof geschaut habe, wo der Bub und sein Schwesterchen gespielt hatten. Der Siebenjährige sei dann aber plötzlich in Richtung Waldbad gelaufen, wo er auf ein am Ufer liegendes Surfbrett gestiegen, nach wenigen Metern ins Wasser gefallen und ertrunken ist.

Geborgen wurde der Bub kurze Zeit später von Männern der FFW Wörth. Er wurde noch in das Regensburger Klinikum gebracht, wo er gegen 23 Uhr starb.

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