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Dienstag, 17. Oktober 2017 20° 2

Protest

Kraftwerk: Die Gegner zeigen Flagge

Die Donau-Naab-Regen-Allianz übergibt 2500 Unterschriften gegen die geplante Anlage am Pielmühler Wehr. Das Planfeststellungsverfahren ist eröffnet.

Großer Bahnhof zur Übergabe der Unterschriften gegen das Kraftwerk Pielmühle im Landratsamt: Tanja Schweiger (vorne rechts) mit den Unterschriften und den Vertretern der beteiligten Firmen und Verbände Foto: Roth

Regensburg.Mehr als 2500 Bürger aus Stadt und Landkreis haben mit ihrer Unterschrift gegen das geplante Kraftwerksprojekt am Pielmühler Wehr protestiert. Als Sprecher der Donau-Naab-Regen-Allianz übergaben Dr. Josef Paukner, Gerhard Härtl, Michael Maly und Günther Riepl jetzt die Unterschriften-Listen an Landrätin Tanja Schweiger. Anlass dafür ist die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für das umstrittene Projekt durch das Regensburger Landratsamt. Gut einen Monat lang läuft jetzt die Einwendungsfrist gegen das Vorhaben.

Wie die Landrätin erläuterte, beabsichtigt die Bayerische Landeskraftwerke GmbH den Bau und den Betrieb einer #Wasserkraftanlage sowie den Umbau der vorhandenen Fischaufstiegsanlage. Schweiger wies darauf hin, dass die Gemeinden und auch die Donau-Naab-Regen-Allianz vorab über den bevorstehenden Start des Verfahrens unterrichtet worden seien. Rewag-Vorstandsvorsitzender Olaf Hermes stellte fest, dass es keine Erzeugungsart und keinen Erzeugungsort gebe, der „Spaß mache“. Seinen eigenen Worten zufolge war er vor allem deshalb der Einladung gefolgt, weil er die Argumente der Kraftwerksgegner hören und verstehen wolle.

Paukner: Kein Pilotprojekt

Die zentralen Kritikpunkte formulierte Dr. Josef Paukner, dem zufolge die vorgesehene Kraftwerksturbine bereits seit etlichen Jahren an anderen Standorten eingesetzt werde. Insofern sei die Angabe der Landeskraftwerke GmbH, es handle sich um ein Pilotprojekt für einen neuen Turbinentyp, unzutreffend. Es sei deshalb mehr als naheliegend, die bereits bestehenden Erfahrungen zu diesem Turbinentyp gewässerökologisch auszuwerten.

Ein weiteres wichtiges Argument gegen den Kraftwerksbau ist für Paukner die Tatsache, dass der betroffene Flussabschnitt ein „Hotspot“ der Fischarten in Bayern sei. Zudem liege der räumliche Umgriff der Wehranlage in einem ausgewiesenen FFH-Gebiet. Unbestritten sei desweiteren die herausragende Funktion dieses Bereichs als der wichtiger Naherholungsraum nicht nur für den nördlichen Landkreis, sondern auch für die Stadt Regensburg.

Dr. Paukner wies zudem darauf hin, dass durch den im Vergleich zur jetzigen Situation beabsichtigten zusätzlichen Anstau von 35 Zentimetern das Grundwasser in den umliegenden Gemeinden steigen werde. „Vor diesem Hintergrund muss eingehend geprüft werden, ob der Sallerner Brunnen durch diesen Bau gefährdet wird“, forderte der Kraftwerksgegner.

Der frühere Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Unterer Regen, Helmut Woppmann, der mit dem aktuellen Vorsitzenden Albert Karl gekommen war, verwies auf die Einmaligkeit des Fischbestands in diesem Flussabschnitt. Im Übrigen sei er der Meinung, dass „die Energiewende dieses kleine Kraftwerk nicht braucht“. Denn seinen Angaben zufolge stammen 92 Prozent der Stromproduktion aus Wasserkraftnutzung aus Anlagen über 1000 Kilowatt. Zudem würde durch den Aufstau die Fallhöhe am Kraftwerk in Regendorf gesenkt und so der Ertrag der dortigen Anlage gemindert. Michael Maly verwies darauf, dass das Bundesamt für Naturschutz davon abrate, Wasserkraftanlagen unter einem Megawatt zu bauen. Durch den Anstau würden zudem große Teile des Flusses verschlammen, was auch aus Naherholungsgründen nachteilig sei.

Die Einwendungsfrist läuft

Nach Auskunft von Julia Gallert, der Leiterin der Umweltabteilung am Landratsamt, hat die Einwendungsfrist gegen das Projekt am Pielmühler Wehr mit der Auslegung in den Gemeinden bereits begonnen. Ein Monat plus zwei Wochen lang kann jetzt jeder Betroffene, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, Einwendungen gegen das Vorhaben erheben.

Gleichzeitig werden die Fachstellen, deren Aufgabenbereich durch das Vorhaben betroffen wird, gehört, darunter das Wasserwirtschaftsamt, die Untere Naturschutzbehörde, die Fischereifachberatung, die anerkannten Naturschutzverbände, die Rewag und viele andere. Nach Ablauf der Einwendungsfrist und nach der Stellungnahme der zuständigen Fachstellen kommt es zu einem Erörtungstermin. Hier bespricht das Landratsamt die Einwendungen und die Stellungnahmen mit der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH, den Fachstellen und den betroffenen Einwendungsführern.

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