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Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

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Kultur und Historie statt Stromtrasse

Klosterfreunde und Gemeinde zeigen die Schönheit des Himmeltals. Ein Eisen-Wochende erzählt von einstiger Verhüttung.
Von Resi Beiderbeck, MZ

Ortsheimatpfleger Robert Böck (rechts) und Dr. Oliver Metz werden am 3. September ein Praxisbeispiel historischer Eisenherstellung geben und den Rennofen beheizen – wie einst die Kelten.

FRAUENZELL.Im Jahr 2015 haben Brennberg und Altenthann die Idee geboren, die Kulturlandschaft des Himmeltals zum Mittelpunkt einer „Kulturachse Ost“ zu machen. Beflügelt von diesem Vorhaben gründete sich ein Jahr später der Verein „Freundeskreis des ehemaligen Benediktinerklosters Frauenzell“, um dabei mit anzuschieben. Im Vereinszweck wurde festgeschrieben, sich „um den Erhalt des Klosters in seinem landschaftlichen Zusammenhang“ zu kümmern.

Aber jetzt kam der Schock: „Bisher wurde uns gesagt, es würden sieben Varianten der Trassenführung für den Süd-Ost-Link geprüft“, berichtete Bürgermeisterin Irmgard Sauerer bei der Jahresversammlung der „Klosterfreunde“, „aber jetzt ist das Himmeltal plötzlich Vorzugstrasse im Landkreis“. Darüber zeigten sich die Versammlungsteilnehmer entsetzt. „Wir haben das Himmeltal wegen seines unschätzbaren Potenzials in das Kulturachsen-Konzept eingebunden, das derzeit im Auftrag von drei Gemeinden fertig gestellt wird“, betonte Dr. Thomas Feuerer. Der Kulturreferent des Landkreises appellierte an die Versammelten, gegen die drohende Zerstörung des Himmeltals anzukämpfen.

Als wichtigen Baustein innerhalb der Bildungsregion Stadt und Land sieht Bürgermeisterin Irmgard Sauerer die historisch gewachsene Landschaft. Energisch tritt sie dem gelegentlich erhobenen Vorwurf entgegen, man würde sich mit dem Nein zur Stromtrasse der Energiewende verschließen. „Das Höllbachtal wird seit Jahrzehnten zur Stromgewinnung genutzt. Daraus resultiert, dass auf dem Gebiet der Gemeinde Brennberg 170 Prozent des Stroms erzeugt werden, der hier verbraucht wird. Wenn das alle Gemeinden so machen, brauchen wir keinen Süd-Ost-Link.“

Parallel zum Kampf gegen diesen Link kümmern sich die Klosterfreunde um „das große Erbe, das wir hier geistig und materiell zu verwalten haben“, wie es Vorsitzender Dr. Hermann Reidel respektvoll formuliert. Er meint damit die Klosteranlage, die heuer im August mit einer besonderen Ausstellung gewürdigt wird. Mit dem Titel „Frauenzell zur Zeit der Reformation“ will Hans Rudolph der Tatsache Rechnung tragen, dass das klösterliche Leben zwischen 1522 und 1582 zum Erliegen kam. „Die Herrschaft auf Burg Brennberg hatte nämlich den protestantischen Glauben angenommen.“ Seltene Exponate aus dieser Zeit werden im Bibliothekssaal gezeigt. Parallel dazu will man die renommierte Regensburger Künstlerin Maria Maier für eine Ausstellung ihrer Gemälde gewinnen.

„Vielfalt der Kulturlandschaft im Himmeltal“, so heißt der Titel einer dreistündigen Wanderung mit Franz Löffl am Sonntag, 18. Juni, um 17 Uhr. Geplant ist, das Natur-Erlebnis mit einer musikalischen Einlage und einem Umtrunk zu bereichern. Veranstalter sind die Gemeinde Brennberg und die Klosterfreunde.

Was kaum jemand weiß: Es gibt Beweise dafür, dass die Gegend einst stark vom Montanwesen geprägt war. Tatsächlich hat das Eisen den wirtschaftlichen Aufschwung im ausgehenden Mittelalter erst ermöglicht. „Spuren von Köhlerei bereichern das Tal und machen es zusätzlich interessant“, weiß Franz Löffl. Zeigen wird er dies allen Interessierten am 1. Oktober bei einer Exkursion zu Plätzen ehemaliger Kohlenmeiler. Zum Ende der Exkursion gegen 17 Uhr wird Ortsheimatpfleger Robert Böck mit Dr. Oliver Metz am Brennberger Spital wie zur Zeit der Kelten in einem Schachtofen Eisenerz ausschmelzen. Zum Start in das historische Eisen-Wochenende veranstalten die „Klosterfreunde“ am 29. September einen Abendvortrag im Kloster. Dabei geht es um „Eisenverhüttung im Mittelalter“. Robert Böck möchte dazu historische eiserne Geräte ausstellen.

Gemeinde, Klosterfreunde und Spital eG gestalten so zusammen mit dem Landkreis im Rahmen der Regionaltage ein rundes Veranstaltungswochenende, um aufzuzeigen, welchen Stellenwert das Eisen für die hiesige Kulturentwicklung einst hatte.

Konzert im Himmeltal

  • Musik und Natur

    Mit einem anspruchsvollen Konzert in wildromantischer Umgebung würdigt der Kulturausschuss der Gemeinde Brennberg am 21. Mai die Schönheit des Himmeltals. Beginn ist um 16 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, Kinder und Jugendliche sind frei.

  • Kammermusik am Bach

    Drei ausgewiesene Virtuosen der Kammermusik aus München präsentieren ein anspruchsvolles Programm mit musikalischen Schmuckstücken des Barock und der Romantik. (lbi)

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