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Freitag, 19. Januar 2018 3

Justiz

Lange Haftstrafen für Sinzinger Räuber

Vier Täter hatten einen brutalen Überfall auf ein Ehepaar in Kleinprüfening verübt. Nun ist das Urteil gegen sie gefallen.
Von Marion von Boeselager

Zwei der Männer, die nun verurteilt worden sind, waren für einen Einbruch in Landshut verantwortlich. Vier überfielen ein Paar in Sinzing.Foto: von Boeselager

Sinzing.Im Prozess um einen brutalen Raubüberfall auf ein Ehepaar in dessen Haus im Sinzinger Ortsteil Kleinprüfening sind vier der fünf Angeklagten aus Niederbayern im Alter zwischen 25 und 48 Jahren zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Den Initiator der Tat (29), der zudem einen Einbruch in Landshut mit rund 11000 Euro Beute begangen hatte, verurteilte die Strafkammer am Landgericht unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl zu sieben Jahren und drei Monaten Gefängnis, unter anderem wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Wohnungseinbruchsdiebstahls.

Seine drei Mittäter, die nach Überzeugung des Gerichts von dem 29-Jährigen für den Raubüberfall angeheuert wurden, erhielten Haftstrafen zwischen sechs Jahren und neun Monaten und acht Jahren. Da alle drei drogenabhängig sind, werden sie nach etlichen Monaten „Vorwegvollzug“ im Gefängnis in eine Entziehungsanstalt eingewiesen, ordnete das Gericht an.

Der fünfte Mann auf der Anklagebank, der den Räubern angeblich Tipps gegeben haben sollte, wo etwas „zu holen“ sei, wurde freigesprochen. Ihm konnte eine Beteiligung an den Taten nicht nachgewiesen werden.

Pistolen wirkten täuschend echt

Tatort Kleinprüfening: Die Räuber hatten die Umgebung des Wohnhauses, in das sie später eindrangen, vorab mehrfach ausspioniert. Während der Tat parkte der Fahrer des Fluchtfahrzeugs am Feuerwehrhaus. Foto: Julia Weidner

Nach Überzeugung der Kammer hatten die Täter am Abend des 17. Septembers 2016 die Eheleute in ihrem Sinzinger Haus maskiert und mit gezückten Schreckschusspistolen überfallen. Wie der Vorsitzende Richter Kimmerl ausführte, hatte der Angeklagte Christian O. (29, Namen geändert) zuvor Wladimir E. (26), seinen Komplizen vom Landshuter Einbruch, angesprochen, um ihn für die neuerliche Tat zu gewinnen. Er erzählte, die Sinzinger Eheleute würden ihm „Geld schulden“. Das wolle er holen. Ob der andere ihm beim Überfall helfen wolle? Er brauche noch Leute. Der Komplize spannte zwei weitere Männer für die geplante Tat ein, so das Gericht.

Christian O. und seine Komplizen spähten zuvor das Objekt in Sinzing in einem geleasten BMW aus. Vor dem Überfall rüsteten sie sich mit täuschend echt wirkenden, ungeladenen Schreckschusspistolen und Masken aus und konsumierten Drogen und Bier. Nur der Fahrer, Christian O., blieb nüchtern. Er parkte den Wagen unter der Sinzinger Eisenbahnbrücke und blieb darin sitzen.

Einer drohte der Ehefrau, sie zu vergewaltigen

Zwei der Angeklagten klingelten am späten Abend an der Haustür der Eheleute. Sie überwältigten den Hausherrn mit Schlägen und Waffengewalt. Der dritte Täter drang über das Küchenfenster ins Haus ein und fesselte die Ehefrau, so der Vorsitzende Richter. Einer der Täter drohte der bäuchlings am Boden liegenden Frau mit Vergewaltigung und berührte sie über der Kleidung intim. Der 25-Jährige wurde zusätzlich wegen schwerer sexueller Nötigung verurteilt.

Einer der Täuber schlug dem Hausherrn die Waffe gegen den Kopf, hielt ihm die Mündung an die Schläfe und drückte ab. Die Eheleute litten Todesangst. Schließlich fanden die Täter den Tresor. Die Ehefrau verriet den Code. Bevor die Räuber mit über 32000 Euro Beute in Form von Bargeld und Münzen flüchteten, berieten sie sich in Gegenwart ihrer gefesselten Opfer: „Was machen wir jetzt mit ihnen? Bringen wir sie um?“

Mithilfe der Dashcam überführt

Dann türmten sie. Einer nahm noch den Mercedes des Hausherrn mit. Da darin eine Dashcam installiert war, die sich automatisch einschaltet, gelang den Ermittlern anhand der Aufnahmen rasch die Festnahme der Räuber.

Die Angeklagten hatten in dem Prozess die Taten weitgehend eingeräumt und sich persönlich bei den Geschädigten entschuldigt. Auch hatten die Angeklagten Christian O. und Wladimir E., die zuerst gefasst worden waren, den Ermittlern die Namen ihrer Komplizen genannt und damit Aufklärungshilfe geleistet. Dies kam ihnen bei der Strafzumessung zugute.

Opfer litten Todesängste

Schwer zu ihren Lasten wog jedoch nicht nur die Höhe der Sinzinger und der Landshuter Beute von insgesamt über 43000 Euro und der bei den Taten verursachte Sachschaden. Dafür wurde vom Gericht die Einziehung von Wertersatz bei den verantwortlichen Angeklagten angeordnet. Vor allem die schweren Folgen für das geschädigte Ehepaar lastete die Kammer den Angeklagten an: Die beiden Sinzinger, die damals Todesängste ausstanden, werden nach wie vor von der schrecklichen Tat verfolgt. Zwar sind die Hämatome und Prellungen des Hausherrn verheilt. „Doch ist die Angst im Haus geblieben, vor allem, wenn es dunkel wird. Nicht einmal das Glas Wein abends auf der Terrasse ist nun mehr möglich“, sagte der Richter.

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