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Landkreis
Montag, 5. Dezember 2016 1

Entscheidung

„Muna“ soll im Oktober verkauft werden

Die BImA will das ehemalige Munitionshauptdepots in Schierling/Langquaid bis Oktober veräußern. Landrat Dr. Faltermeier droht mit der Beschlagnahmung.
Von Philipp Seitz und Beate Weigert

Das frühere Munitionsdepot in Schierling soll bald verkauft werden. Foto: Archiv

Langquaid.Der Verkauf des ehemaligen Munitionshauptdepots (Muna) in Schierling/Langquaid soll bis spätestens Ende Oktober abgeschlossen sein. Das teilte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auf Anfrage der MZ mit. „Der Verkauf erfolgt grundsätzlich an den Höchstbietenden“, erklärt Hans-Peter Fehr von der BImA-Hauptstelle in München.

Publik geworden war der bevorstehende Verkauf durch Kelheims Landrat Dr. Hubert Faltermeier. Er wisse aktuell kaum mehr wohin mit den Asylbewerbern, die dem Landkreis zugewiesen würden. Deshalb fordert er in einem Brief an Verteidigungsministerin von der Leyen, dass bundeseigene Gebäude für die Unterbringung herangezogen werden sollen. Im Notfall droht er sogar mit der Beschlagnahmung des „Muna“-Geländes.

Laut Thomas Wondra, der bei der BImA das operative Verkaufsgeschäft leitet, befinden sich „mehrere Bieter im Rennen“. Wer den Zuschlag für das frühere Munitionshauptdepot erhalten wird, könne er noch nicht sagen. Eines sei jedoch sicher: „Die Altlastenproblematik ist insoweit geklärt, als das von Seiten der Bundesanstalt keine weiteren Untersuchungen mehr durchgeführt werden müssen.“ Ziel der BImA sei es, die Muna spätestens Ende Oktober verkauft zu haben. „Da es sich um ein Verkaufsgeschäft handelt, sind natürlich kleinere Verzögerungen noch möglich“, räumt Wondra ein.

Dr. Faltermeier platzte förmlich der Kragen, als er jüngst vom geplanten Verkauf hörte. „Das ist unanständig“, wettert Faltermeier im MZ-Telefonat. Gegenwärtig seien die Zustände bei der Unterbringung von Asylbewerbern untragbar, schreibt der Kelheimer Landrat in seinem Brief an die Verteidigungsministerin. Um der ständig steigenden Zahl der Flüchtlinge Herr zu werden, droht Faltermeier die Beschlagnahmung an. Damit greift er zum selben Mittel wie vor wenigen Tagen sein SPD-Kollege Eckstein aus Roth.

Die Gebäude auf dem Muna-Gelände seien bis vor wenigen Jahren noch als Kindergarten oder Soldatenunterkunft genutzt worden. Sie hält der Landrat daher für „hoch geeignet“. Sie hätten Mittelgänge, abgeschlossene Zimmer, eine Kantine, seien trocken und beheizbar. Über Zahlen spekuliere er nur ungern. Aber 50 bis 100 Menschen ließen sich dort seiner Meinung nach sicher unterbringen.

Knapp 350 Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien oder Eritrea sind aktuell im Landkreis Kelheim untergebracht. 167 in den beiden Gemeinschaftsunterkünften in Mainburg und Riedenburg, der Rest dezentral in Kelheim, Ihrlerstein, Bad Abbach, Wildenberg, Langquaid und Rohr. Aktuell seien die Unterbringungen mit „größten Anstrengungen“ noch zu leisten. Doch am Montag stünden bereits die nächsten zehn Asylbewerber sprichwörtlich vor der Tür des Landratsamts. Die Muna-Gebäude seien da wesentlich geeigneter als Betten in Turnhallen, die keinerlei Privatsphäre ermöglichten. Die dezentrale Unterbringung im Landkreis stoße in absehbarer Zeit an ihre Grenzen, klagt Faltermeier.

Die Gemeindeverantwortlichen zeigten sich gegenüber der MZ von den Neuigkeiten überrascht. Dass das Munitionshauptdepot bereits Ende Oktober verkauft sein soll, war dem Bürgermeister von Lanquaid, Herbert Blascheck völlig neu: „Das habe ich noch nicht gewusst.“ Es habe sich allerdings abgezeichnet, dass „der Verkauf bis Ende diesen Jahres passiert sein soll“. Dem Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Schierling, Fritz Wallner, war der Termin ebenfalls noch nicht bekannt. „Dass der Prozess für den Verkauf läuft, war uns bereits bekannt. Ein angestrebtes Datum wussten wir noch nicht.“ Welcher Bieter den Zuschlag für die Muna erhalten werde, konnte auch Wallner noch nicht sagen. Er vermutete, dass mehrere Bieter im Rennen sein dürften – was die BImA der MZ bestätigte.

Landrat Faltermeiers Vorstoß erntet auch Kritik. Langquaids Bürgermeister Herbert Blascheck kann Faltermeiers Plänen nur wenig abgewinnen. Er stehe dem Vorschlag sehr skeptisch gegenüber, sagte Blaschek unserer Zeitung. „Ich halte nichts von Gemeinschaftsunterkünften, sondern favorisiere dezentrale Unterkünfte in und gemeinsam mit den Gemeinden.“ Hierzu sei es sinnvoll, die „prekäre Situation in gemeinsamer Solidarität“ zu lösen. Als Sprecher der Bürgermeister im Landkreis Kelheim habe er in der kommenden Woche am Donnerstag, 18. September, ein Treffen der Gemeindechefs angesetzt. Das Thema „Asylbewerber“ wird dabei ebenfalls auf der Tagesordnung stehen.

Neu in Sachen „Muna“ ist auch, dass keine weiteren Untersuchungen hinsichtlich der Altlastenproblematik auf dem Muna-Gelände stattfinden sollen. Der Schierlinger Bürgermeister Christian Kiendl sagte unserer Zeitung, dass er davon ausgehe, dass die BImA auf dem Muna-Gelände die Untersuchungen gründlich und nach bestem Gewissen vorgenommen habe: „In den letzten Jahren und Monaten hat die BImA hier viel gemacht.“

In den vergangenen Jahren hatte die Muna immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Am 15. November 2012 war auf dem Gelände bei einer Kampfmitteluntersuchung eine 250-Kilogramm-Mehrzweckbombe gefunden worden.

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