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Denkmal

Neue Stiege für den alten Bergfried

In der Locher Höhlenburg wird eine 20 Meter hohe Wartungstreppe errichtet. Die Notsanierung soll 2016 abgeschlossen werden.
Von Dietmar Krenz, MZ

Im Bergfried schiebt Matthias Wiendl die einzelnen Stufen über das stabile Mittelrohr. Knapp 20 Meter müssen so bewältigt werden. Fotos: Krenz

Eichhofen.Sinn und Zweck des im Dezember 2008 gegründeten Fördervereins „Burgruine Loch“ ist die Erforschung, Instandsetzung und Erhaltung des denkmalgeschützten Wahrzeichens hoch über dem Labertal. Dass dies alles nur etappenweise geht und zeitaufwendig ist, mussten die Mitglieder um Vorsitzenden Michel-Andreas Schönharting in den vergangenen Jahren mehr als einmal erfahren.

Das mit der Erforschung und Instandsetzung hat schon mal geklappt. Der Regensburger Architekt Dr. Stefan Ebeling nahm die außergewöhnliche Burgruine im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege im vergangenen Jahr ausführlich unter die Lupe. Bei einem Ortstermin im Sommer präsentierte Ebeling das Ergebnis seiner Forschungsarbeiten den Behördenvertretern. Dabei wurde zugleich ein Maßnahmenkatalog für die weitere Vorgehensweise festgelegt.

Die ersten Stufen der Wartungstreppe passen optimal.

Flachdach für den Bergfried

In der Auflistung ist unter anderem schriftlich fixiert, dass zur Sicherung und Erhaltung des Bergfrieds eine Wartungstreppe sowie ein Flachdach errichtet werden. „Mit dem Einbau der Spindeltreppe wurde vor kurzem begonnen“, erläutert Architekt Günter Naumann aus Regensburg. Er zeichnet für die Sanierung der herrenlosen Höhlenburg verantwortlich.

Mittels eines kleinen Ladekrans samt Seilwinde müssen die verzinkten Metallteile rund sechs Meter hoch auf die Gerüstplattform gehievt werden. Innerhalb der meterdicken Mauern des Turms klettert Matthias Wiendl nochmals auf eine Leiter in schwindelnder Höhe und schiebt die einzelnen Segmente der Stahltreppe über das verzinkte Mittelrohr. 18 solcher Stufen werden auf der untersten Ebene über dem Gitterfundament fixiert.

„Erst dann kommt das nächste von drei Stockwerken dran“, erklärt Wiendl. Denn der runde Bergfried verjüngt sich nach oben – will heißen, je höher die Arbeiter kommen, um so schmäler werden die Wände. „Und da müssen wir Meter für Meter exakt ausmessen und die Bauteile anpassen.“

In der Werkstatt in Pertolzhofen werden die weiteren Stufen und Podeste gefertigt, verzinkt und dann wieder eingebaut. Rund einen Monat veranschlagt Wiendl für eine Etage in dem alten Gemäuer. Wenn die Arbeiter oben ankommen, erhält das 22 Meter hohe Wahrzeichen zusätzlich ein flaches Blechdach verpasst.

Michel-Andreas Schönharting überzeugt sich vom Fortgang der Arbeiten.

Untere Wehrmauer wird repariert

Mit der Sicherung des Bergfrieds ist aber die Maßnahme noch nicht abgeschlossen. Nachdem im vergangenen Jahr die Mauerwerksanierung in den angrenzenden Höhlen abgeschlossen und auch die brüchige Verzahnung der ehemaligen Palasmauer mit der steil aufragenden Felswand stabilisiert wurde, kommt jetzt noch eine kleine talseitige Wand an die Reihe. „Befestigen und ertüchtigen“ nennt Architekt Naumann dies. Außerdem stehen noch kleine Reparaturen an der unteren Wehrmauer auf dem Plan. „Dann wären wir mit dem ganzen Paket durch“, ergänzt der Experte. Das sollte einige Zeit halten. Bis Oktober dieses Jahres sollte laut Naumann alles fertig. Der Erhalt und die Nachvollziehbarkeit des Ist-Zustands waren die Zielsetzung. Darunter versteht er die Sicherung der bestehenden Substanz vor Verschleiß und die Ablesbarkeit gegenüber dem Original-Zustand.

„Eine gute Sache“, freut sich Michel-Andreas Schönharting, der sich beim Einbau der ersten Stufen im Bergfried ein Bild vor Ort machte. Trotz der ablehnenden Haltung und der Notsicherung durch das Landesamt für Denkmalpflege gibt er die Hoffnung nicht auf, dass die Locher Burg irgendwann einmal touristisch erschlossen werden kann – trotz der leidigen Frage der Eigentumsübernahme.

Die einsturzgefährdete Palaswand über Eichhofen ist bereits gesichert.

Für Architekt Naumann steht dagegen nach wie vor fest: „Ohne Eigentümer keine Nutzung.“ Wie berichtet, ist die Ruine seit dem Jahr 1988 herrenlos und für die Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen gesperrt. Für das Landesamt für Denkmalpflege spielt eine Öffnung der Burganlage für die Öffentlichkeit keine Rolle. Der imposante Turm bekommt ein Flachdach als Schutz gegen Wind und Wetter. Und auch die Wartungstreppe wird für die Allgemeinheit unzugänglich sein. Eine schwere Gittertür soll verhindern, dass der Turm von Unbefugten bestiegen werden kann.

Bei der Jahresversammlung des Förderkreises am Mittwoch, 20. Juli, im Brauereigasthof Eichhofen wollen die Mitglieder noch einmal darüber berate, wie man weiter vorgehen will. Schließlich will das historische Bauwerk auch in Zukunft erhalten werden – wie dies in den Zielsetzungen des Vereins formuliert ist.

Bedeutende Höhlenburg

  • Höhlenburg:

    Majestätisch thront die Burgruine Loch über dem Tal der Schwarzen Laber bei Eichhofen. Sie ist eine der seltenen Höhlenburgen Bayerns und besteht zum Teil aus Höhlen in der senkrecht aufsteigenden Felswand. In den Höhlen wohnten die Burgherren und nutzten diese zu Wehrzwecken.

  • Geschichte:

    Die Historiker vermuten, dass das Rittergeschlecht der Rammelsteiner die alte Höhlenburg zu einer repräsentativen Anlage im späten Mittelalter ausbaute. Die Burg bekam einen doppelten Mauerring, einen Bergfried, ein an die Felswand angebautes Palasgebäude und ein befestigtes Eingangstor. Es diente zum Schutz des Eisenhammers, aber auch zur Machtdemonstration der Burgbesitzer.

  • Burgruine:

    Bis heute sind der 22 Meter hohe Bergfried, Reste der Ringmauer sowie eine zwei Wände des ehemaligen Wohngebäudes erhalten. Der Bergfried erreicht mit seiner Mauerkrone knapp die Höhe der Felswand. Das verzweigte Höhlensystem erinnert mit seinen Gängen an die alte Höhlenburg. Seit 1988 ist die Burgruine Loch herrenlos. Leider ist das Betreten der Burg aus Sicherheitsgründen derzeit nicht gestattet.

  • Förderverein:

    Im Dezember 2008 wurde der Förderkreis Burgruine Loch gegründet. Vorsitzender des Vereins ist Michel-Andreas Schönharting. (wd)

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