mz_logo

Landkreis
Montag, 18. Dezember 2017 5

Mobilität

Rezepte gegen den Stau gesucht

ÖPNV aufpeppen, Bypässe bauen, Flaschenhälse weiten: Im Regensburger Kreistag ging die Lösungssuche bis zu Selbstvorwürfen.
Von Heinz Klein

Der Stau ist auf der A 3 längst Alltag, doch inzwischen droht das Verkehrschaos im Raum Regensburg. Foto: dpa/Carsten Rehder

Regensburg.Was werde man den Bürgern sagen, wenn sie dauernd im Stau stehen? Diese Frage bewegte bei der jüngsten Sitzung viele Kreisräte. „An diesem Thema wird der Landkreis gemessen werden“, prophezeite Kreisrat Joseph Karl: Man arbeite jetzt an den Verkehrsproblemen von vor zehn Jahren. „Wenn künftig der Verkehr noch um 40 Prozent wächst, ist das der Wahnsinn, das schaffen wir ja gar nicht mehr“, schwante es Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer.

„Die Flaschenhälse werden bleiben“, sah Barbings Bürgermeister Hans Thiel schwarz und schlug vor: „Wir müssen den Individualverkehr von der Straße bringen.“ „Ein höherwertiger ÖPNV muss einen entscheidenden Anteil zur Lösung der Verkehrsprobleme leisten“, war Dr. Rudolf Ebneth überzeugt und fordert schnelle Zwischenlösungen: „Wir können nicht warten, bis die Stadtbahn kommt.“

Thiel: B 8 mit Bypass entlasten

Hintergrund der Debatte waren Irritationen, für die die Stadt gesorgt hatte. 2005 hätten sich Stadt und Landkreis mit der „Verkehrsuntersuchung Großraum Regensburg“ gemeinsam auf den Weg gemacht, Verkehrprobleme zu lösen. „Realisiert werden konnten bisher leider nur wenige Projekte“, steht in einem von Landrätin Tanja Schweiger zur Abstimmung gegebenen Antrag. Darin heißt es weiter: „Leider verfolgt die Stadt die Planungen aus den Ergebnissen des Gutachtens Regensburg-Ost jetzt in veränderter Form weiter.“

Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer reagierte umgehend mit einem Schreiben. Einer der Kritikpunkte betrifft ein Vorhaben, das dem Barbinger Bürgermeister am Herzen liegt: zur Entlastung der B 8, die von Barbing zum Osthafen und in den Stadtosten führt, einen Bypass zu schaffen, der den Verkehr an Ikea vorbei westlich des heutigen Globus-Baumarkts über die Autobahn Richtung Burgweinting leitet. „Diese Gewerbeflächen belasten unsere Straßen weiterhin, das betrifft alle Pendler von Osten. Die stehen von der Donaustaufer Brücke bis zur B 8, weil nichts weiter geht.“

Eine Brücke unmittelbar westlich des Baumarkts könne die Konflikte in absehbarer Zeit nicht lösen, entgegnete die Regensburger Bürgermeisterin in ihrem Schreiben. Zudem wären von der Trasse Grundstücke Dritter und Schutzgüter betroffen. Der Barbinger Rathauschef hält das für eine Ausrede. Geplant ist nun vonseiten der Stadt, die Brücke im Zuge der Kreuzhofstraße so auszubauen, dass sie Verkehr zwischen der Leibnitzstraße und der Straubinger Straße aufnehmen kann.

Selbstvorwürfe und ein Rüffel

Während der Landkreis vereinbarte Projekte vorantreibe, hapere es bei der Stadt, lautete der Vorwurf der Kreisräte. Kneitinger Brücke, Nahverkehrsbrücke bei Sinzing – „nichts tut sich“, klagte Hans Jeserer. „Die Stadt lebt in einer anderen Welt“, schimpfte Karl Söllner. CSU-Kreisrat Matthias Beer ging noch weiter und warf dem eigenen Haus Untätigkeit vor. Der Landkreis habe in drei Jahren nichts weiter geschafft, als das Problem zu erkennen. Man habe sich zu wenig gekümmert, das sei „ganz schön traurig“. Dafür gab es Kritik von allen Seiten und einen Rüffel von der Landrätin. „Herr Beer kapriziert sich, um im Mittelpunkt zu stehen.“ Solches Verhalten sei des Kreistags nicht würdig.

Der Kreistag will Sofortmaßnahmen starten und ein „Verkehrskonzept Raum Regensburg 2030“ mit der Stadt schmieden. Gemeinsame Sitzungen von Wirtschafts- und Stadtplanungsausschuss sollen erste Schritte sein.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Der neue Bauhof des Landkreises

  • An der Autobahnausfahrt

    Rosenhof wird zwischen der Autobahntrasse und der B 8 im geplanten interkommunalen Gewerbegebiet Barbing/Mintraching der neue Bauhof entstehen. Der Kreistag genehmigte die Vorplanung und Kostenschätzung, die sich auf 15,5 Millionen Euro beläuft. Voraussichtlich soll im Frühjahr 2018 Baurecht bestehen.

  • Die Planung

    sieht drei große Baukörper vor, die so angeordnet sind, dass die Lärmbelastung durch Autobahn und B 8 reduziert ist. Die Gebäude werden überwiegend mit dem Baustoff Holz in Form von Holrahmenelementen errichtet. Die Dächer sollen mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Heizung und Kühlung sollen primär über Grundwasserwärmepumpen erfolgen. Die Feuerwehren erhalten ein separates Übungsgebäude.

  • Für die Lagerung des Tausalzes

    sind Silos mit einer Kapazität von je 660 Tonnen vorgesehen. Landrätin Tanja Schweiger schlug vor, zunächst mit zwei Silos zu starten. Bei Bedarf könne später eine Erweiterung mit einem dritten Silo erfolgen. Auf eine Überdachung der Mitarbeiterparkplätze, wie sie die Personalvertretung angeregt hatte, wird verzichtet, was Kosten von 237 000 Euro spart.

  • Einstimmig

    beschloss der Kreistag, auf eine Betriebstankstelle zu verzichten, was Kosten von 340 000 Euro bedeutet hätte. Allerdings soll später eine E-Tankstelle errichtet werden.

  • Per Kreistagsbeschluss

    wurde die Landrätin zum Abschluss eines städtebaulichen Erschließungsvertrages für das Gewerbegebiet Barbing/Mintraching ermächtigt.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

  • FH
    Franz Huber
    06.12.2017 11:51

    Lösungsvorschlag: Über sieben Brücken musst du geh'n, sieben dunkle Jahre übersteh'n, siebenmal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein. (Peter Maffay) All denen gewidmet, die nicht die hellsten Kerzen am Baum sind. MfG. Franz Huber Sinzing

    Missbrauch melden

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht