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Verkehr

Staurisiko: Ostbayerns größte Baustellen

2016 werden bei Fahrten auf vielen Autobahnen wieder Nerven strapaziert. Die größte Geduldsprobe wartet auf der A 9.
Von Christine Schröpf, MZ

Die A3 bei Deggendorf: Schon ohne Baustellen staut es sich hier regelmäßig. Foto: dpa

Regensburg.Staus sind vorprogrammiert. Auf Bayerns Autobahnen müssen Autofahrer in den kommenden Monaten mit einer Kette von Großbaustellen rechnen, die für Verkehrsbehinderungen sorgen werden. Die Größte gibt es auf der A9, einer Hauptverkehrsader im Freistaat. Dort werden in Richtung München bis Oktober 17 Kilometer Fahrbahn erneuert. Auch Pendler aus Ostbayern brauchen eine stabiles Nervenkostüm, denn auf A93, A3 und A6 werden viele Trassenabschnitte und Autobahnbrücken saniert. Betroffen sind immer beide Fahrtrichtungen, auch wenn nur auf einer Seite gebaut wird, weil vom Gegenverkehr oft eine Fahrbahn abgeknapst werden muss. Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion Süd, weiß, dass die Geduld der Pendler schon jetzt stark strapaziert ist. Knackpunkt bei überfälligen Straßenreparaturen seien nicht fehlende Finanzen. „Engpass bei der Erneuerung der Infrastruktur ist die Leidensfähigkeit der Autofahrer.“ Im Moment stehen besonders viele Arbeiten an, weil Straßen und Brücken in die Jahre gekommen sind. Eine Fahrbahn hält im Schnitt 15 bis 20 Jahre, eine Brücke 70 Jahre. „In den vergangenen Jahren wurde viel zu wenig gemacht“, sagt Seebacher.

B15 neu und A 92 als Bypass

Innenminister Joachim Herrmann mahnt zur Vorsicht und Rücksicht im Baustellenbereich. Foto: dpa

Wenn auf Autobahnen gewerkelt wird, führen die Autobahndirektionen Süd und Nord im Hintergrund Regie, die sich die Zuständigkeiten im Freistaat geografisch aufgeteilt haben. Zu ihrer ausgeklügelten Choreographie gehört, dass die geplante komplette Sanierung der A 92 zwischen Neufahrn und Dingolfing – immerhin eine Strecke von rund 80 Kilometern – erst im nächsten Jahr beginnt. In Kombination mit der B 15 neu dient die A 92 vielen Pendlern aus Ostbayern als Bypass – an Tagen, an denen es sich auf der A 9 besonders staut. Ein Bypass, der dann allerdings ab 2017 für sechs bis sieben Jahre ausfällt, wie es aus dem bayerischen Innenministerium heißt. Es dauert so lange, weil das Projekt mit Rücksicht auf die Autofahrer gestückelt wird. „Wir können nicht die ganze Länge auf einmal erneuern. Baustellen, die länger als zehn Kilometer sind, führen zu Konzentrationsverlust bei den Autofahrern und sind deshalb unfallgeneigt“, sagt Minister Joachim Herrmann.

Vieles was die Autobahndirektionen planen, bemerken die Autofahrer gar nicht. Kleinere Schäden werden über Nacht repariert oder in anderen Randzeiten mit wenig Verkehr, sagt Seebacher. Allein im Bereich der Autobahndirektion Südbayern gibt es pro Jahr rund 20 000 Baustellen – dabei geht es um Reparaturen nach Unfällen, Markierungsarbeiten, das Instandhalten von Leitplanken oder den Einbau von Schwerlastwaagen, mit denen die Polizei bei rollendem Verkehr überladende Lkw herausfiltern kann. Auf der A93 und der A 92 wird dieses Jahr auch weiter die Blowup-Gefahr entschärft – Entspannungsschnitte in der Fahrbahn sollen verhindern, dass die Betondecke bei großer Hitze reißt und sprunghaft nach oben wölbt. Gerade für Motorradfahrer kann das zur Todesfalle werden. Auf der A 3 wurden diese Arbeiten übrigens bereits im vergangenen Jahr komplett abgeschlossen. Dort war die Gefahr am größten. „90 Prozent der Blow ups waren auf der A3“, sagt Seebacher.

Innenminister Herrmann rät Autofahrern in Baustellen dringend zur Vorsicht und Rücksicht. Dort kommt es immer wieder zu Unfällen, die Anfahrt der Rettungskräfte bereitet dann oft unnötige Probleme. Es sei auffällig, „dass es Autofahrer gibt, die nicht wissen, wie man eine Rettungsgasse bildet“, sagt er. Im Notfall zähle jede Sekunde, um Menschenleben zu retten. „Das ist vielen gar nicht so bewusst. Alles, was blaues oder gelbes Licht hat, muss durchkommen. Ob Krankenwagen, Polizei oder die Straßenmeister.“

Hier die Listen mit den größten Baustellen, die Pendler aus Ostbayern betreffen:

A9 – Holledau bis Allershausen:

Auf der größten Autobahnbaustelle Bayerns im Jahr 2016 wird seit April gearbeitet. Zwischen Holedau und Allershausen werden bis Oktober 17 Kilometer Fahrbahn in Richtung München erneuert und der Seitenstreifen stabilisiert, damit er künftig bei viel Verkehr regulär genutzt werden kann. „Die wichtigste Hauptachse Bayern. Wenn diese Achse nicht funktioniert, hat Bayern ein wirtschaftliches Großproblem“, sagt Seebacher. Die Kosten des Projekts liegen bei 60 Millionen Euro.

A3 Metten bis Autobahnkreuz Deggendorf

Hier wird schon seit März gebaut. Bis Mitte November wird in beiden Fahrtrichtungen auf einer Strecke von fünf Kilometern die Fahrbahn erneuert. Kosten: rund 16 Millionen Euro.

A3 Schwarzach bis Parkplatz Offenberg

In Richtung Nürnberg werden von Anfang Mai bis Anfang August sechs Kilometer Fahrbahn erneuert. Kosten: rund sieben Millionen Euro.

A3 Neumarkt bis Neumarkt Ost

Dort wird eine neue Autobahnbrücke gebaut und gleichzeitig auf vier Kilometern die Fahrbahn erneuert. Baubeginn war im März, bis Oktober 2017 soll alles fertig sein. Kostenpunkt: 5,5 Millionen Euro.

A 3 Velburg-Parsberg

Hier wird auf einer Länge von fünf Kilometern die Fahrbahn saniert und zudem die Talbrücke Geigerhaid erneuert. Bauzeit: März bis Juni für die Straßendecke, die Brücke ist im August 2018 fertig. Gesamtkosten: etwa 16,5 Millionen Euro.

A93 Nabburg-Schwarzenfeld

Auf einer Länge von sechs Kilometern wird im Juni die Fahrbahn in Richtung Hof erneuert. Im August wird dann dann auf der Gegenfahrbahn in Richtung Regensburg gewerkelt. Gesamtkosten: rund 5,5 Millionen Euro.

A93 Pechbrunn-Mitterteich Nord

Von Mai bis Juni wird dort die Talbrücke Seibertsbach saniert. Die Baustelle erstreckt sich über eine Länge von einem Kilometer. Kosten: 1,2 Millionen Euro.

A 93 Pechbrunn bis Falkenberg

Auf einer Strecke von sieben Kilometern wird von Juni bis August in Richtung Hof die Fahrbahn erneuert, im gleichen Zug werden weitere Sanierungsarbeiten erledigt. Kosten: 4,5 Millionen Euro. In Richtung Weiden bleibt während der Bauarbeiten nur noch eine Fahrspur.

A93 Falkenberg-Neustadt/WN

Hier werden in Richtung Hof acht Kilometer Autobahn saniert. Bauzeit: April und Mai. Kosten: 3,9 Millionen Euro. In Richtung Weiden bleibt während der Bauarbeiten nur ein Fahrstreifen.

A 93 Windischeschenbach-Neustadt/WN

Die Baustelle umfasst fünf Kilometer. Hier wird von Mai bis Juni die Fahrbahn in Richtung Weiden saniert. Die Kosten summieren sich auf 2,7 Millionen Euro. In Richtung Weiden bleibt nur eine Spur.

A6 Autobahnkreuz Altdorf

Hier wird eine neue Autobahnbrücke errichtet. Die Arbeiten begannen im März und sollen im Oktober 2017 abgeschlossen sein. Auf der ein Kilometer langen Baustelle bleiben aber während dieser Zeit die Hauptfahrbahnen erhalten. Kosten: 16,4 Millionen Euro.

A6 Alfeld bis Sulzbach-Rosenberg

Auf vier Kilometern Länge wird im Juni in Richtung Nürnberg die Fahrbahn erneuert. Auf der Gegenfahrbahn vollzieht sich das gleiche Spiel im Juni und Juli. Gesamtkosten: 1,2 Millionen Euro.

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