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Sonntag, 24. September 2017 21° 3

Handarbeit

Stricken ist nicht Böhringers Ding

Die Mädchen zeigten mehr Begeisterung für den ersten „Handmade-Day“ im Jugendtreff Regenstauf. Die Jungen wären eher für das Laubsägen zu gewinnen.
Von Martina Schaeffer, MZ

Jugendpflegerin Iris Kirchschlager müht sich umsonst, Bürgermeister Siegfried Böhringer das Stricken beibringen zu wollen. Jugendbeauftragter Andreas Deml (rechts) ist um einiges lernwilliger.Foto: Schaeffer

Regenstauf.Der Jugendbeauftragte des Markts, Andreas Deml, ziert sich nicht lange, sondern packt an. Er nimmt die dicken Stricknadeln, lässt sich von Jugendpflegerin Iris Kirchschlager ein Fädchen Wolle um die Finger schlingen und los geht’s: Deml sticht in die Schlaufe und – strickt seine allererste Masche. „Super“, lobt Kirchschlager, während sie selbst weiter an ihrem Stirnband strickt.

Im Jugendtreff Kult geht der erste „Handmade-Day“ über die Bühne. Einer von einer ganzen Reihe, die in loser Folge hier stattfinden soll. Bei dem ersten werden Stirnbänder gestrickt. Damit soll das Selbermachen wieder einen neuen Stellenwert bekommen. Kreativität und Eigenleistung statt schnellen Konsums ist Devise dieser Aktion, die die Jugendpflegerin des Markts initiiert hat. Und neudeutsch „Handmade“ heißt er, weil das irgendwie cooler klingt, erklärt sie.

Neben zahlreichen Jugendlichen ist auch Bürgermeister Siegfried Böhringer vorbeigekommen. Doch das Stricken ist irgendwie nicht sein Ding. „Früher bist’ als Bub ausgelacht worden, wenn du so ein Knäuel Wolle in die Hand genommen hast“, sagt er. Und er versucht es auch gar nicht, flachst lieber rum: „Naaa, und dann a schwarze Farb’ a no“, krittelt der Bürgermeister, selber politisch ein Roter, angesichts des wollweichen Knäuels vor ihm auf dem Tisch.

„Kann’s nicht um Laubsägearbeiten gehen?“ fragt er alternativ in die Runde. „Des dat mir besser g’fall’n.“ Als Bub hat er seiner Mutter mal einen Schlüsselanhänger gesägt, einen mit Tieren, mit Rehen und Hirschen. Bei den Jungs am Tisch, die alle auch nicht zu den Stricknadeln greifen wollen – zu „uncool“ –, stößt Böhringers Vorschlag sofort auf Resonanz. „Stricken ist langweilig“, meint der zehnjährige Samin und ergänzt: Ja, doch, Laubsägen oder Töpfern, irgendwas Handwerkliches, wäre auch für ihn eher etwas. Und seine Kumpels nicken dazu.

Der 18-jährige Dennis bricht, selbstbewusst, aus der männlichen Verweigerer-Front aus, schert sich wenig um cool oder uncool und macht sich, genauso wie Gymnasiallehrer Deml, mit den dicken Stricknadeln ans Werk. Einen Tisch weiter sitzt Kristina, neun Jahre, und strickt. „Das geht voll schwer bei mir“, sagt sie und seufzt leise. Diese Handarbeit ist für sie fast eine Premiere. Nur einmal habe sie vorher gestrickt, mit ihrer Oma. „Es hat ja nie einer Zeit“, gibt das Kind der inzwischen grassierenden Volkskrankheit Nummer 1 einen Namen. Dabei macht das Stricken Kristina total viel Spaß. Sie strickt ihrem Brüderchen Nikita ein Stirnband. Das will sie ihm zu Weihnachten schenken. Und Kristina sagt: „Das ist schön, wenn man was selber machen kann.“

Die Integrationsbeauftragte des Landkreises Lydia Keil lobt ihre kleine Nebensitzerin: „Kristina hat voll viel Geduld.“ Sie sitze schon seit zwei Stunden still am Stricken. Auch Keil hat zum Strickwerk gegriffen, zum ersten Mal seit zehn Jahren. Früher, in Kasachstan, habe sie viele solcher Sachen gemacht, auch sie mit der Oma. Sie hätten dafür sogar selbst Wolle gesponnen, die von eigenen Schafen. „Und jetzt freu’ ich mich riesig, dass ich wieder stricken kann“, sagt Keil.

Jugendbeauftragter Andreas Deml ist in seinen handwerklichen Fertigkeiten inzwischen schon so weit fortgeschritten, dass er der neben ihm jammernden Streetworkerin Doris Brandl – „ich kann’s nicht, ich check’s nicht“ – Hilfestellung geben kann. Bürgermeister Böhringer sitzt daneben und macht heiter Wortspiele: „Die Streetworkerin ist eine Strickworkerin“, sagt er in Pumuckl-Manier. Beim nächsten Handmade-Day darf er dann selber zupacken und zeigen, wie Selbermachen geht. Denn dann wird mit der Laubsäge gesägt.

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