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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Polizeiermittlungen

Tierquäler erschießt Kater Paulchen

Die Main-Coon-Katze war der Liebling von Familie Liebl aus Seebreiten. Nachbarn konnten das verletzte Tier nicht mehr retten.
Von Daniel Steffen

Ein Bild aus besseren Tagen: Paulchen hatte Streicheleinheiten gern. Foto: Barbara Liebl

Pettendorf.Sonntagmorgen, 7 Uhr: Der bis dato unbekannte Täter feuert den tödlichen Schuss ab. Ein fünf bis sechs Millimeter dickes Projektil durchlöchert Kater Paulchen knapp unterhalb der Brust. Vergeblich ringt der schwarze Maine-Coon-Kater um sein Leben. Er stirbt in der Nähe eines Feldrandes, unweit des Pettendorfer Ortsteils Seebreiten.

Manfred Büttner war Zeuge des tragischen Vorfalls: „Ich habe ihn am Gartenzaun gefunden, als ich gerade mit meinem Hund vom Gassi gehen zurückgekommen bin“, sagt der Anwohner aus der Neudorfer Straße. Zu dem Zeitpunkt hatte das schwer verletzte Tier noch gelebt. „Es hechelte und miaute bitter“, schildert Manfred Büttner. So zog er sich gepolsterte Arbeitshandschuhe über und nahm ein Handtuch mit, um dem Kater in der schweren Not zu helfen, ohne sich dabei selbst zu verletzen.

„Es hechelte und miaute bitter.“

Manfred Büttner

„Ich kenne mich im Umgang mit Katzen gut aus und wusste, dass das Tier sich wehren wird“, erklärt der Mann, der zunächst feststellen wollte, um was für eine Verletzung es sich handelte. „Anfangs habe ich ja gedacht, dass das Tier angefahren worden ist. Doch dann habe ich das Einschussloch gesehen“, sagt Manfred Büttner.

Der Kater starb in der Tierklinik in Haslbach. Foto: Liebl

Inzwischen kam auch seine Frau Michaela herbei. In einer Styroporkiste, die Manfred Büttner aus der Garage geholt hatte, wollten beide den Kater in die Tierklinik nach Haslbach bringen. „Gerade, als wir losfahren wollten, ist das Tier vor unseren Augen gestorben“, berichtet Michaela Büttner.

Zeuge hört Schuss

Noch kurz vor seinem Spaziergang mit Hund „Lucky“ hatte Manfred Büttner einen Schuss vernommen. Auch der Polizei gegenüber berichtete er, dass dieser gegen sieben Uhr fiel. „Ich bin gerade am Küchenfenster gestanden und habe eine geraucht“, erinnert er sich an den Zeitpunkt.

Manfred Büttner aus der Neudorfer Straße deutet auf den Ort, wo er den angeschossen Kater gefunden hat. Zunächst ging er davon aus, dass der Kater angefahren wurde. Bei Besitzerin Barbara Liebl (rechts, hinten) und ihrer Familie ist nun die Trauer um „Paulchen“ groß. Foto: Steffen)

Polizeikommissar Bernd Dürschinger, der am Sonntag der verantwortliche Dienstgruppenleiter in Nittendorf war, sagt unter anderem zu dem Fall: Es sei kein Groß-, sondern ein kleineres Kaliber benutzt worden. Und: Es werde in alle Richtungen ermittelt.

„Anfangs habe ich ja gedacht, dass das Tier angefahren worden ist. Doch dann habe ich das Einschussloch gesehen.“

Manfred Büttner

Am Montag Früh machte sich Michaela Büttner mit dem Kater auf zum Tierheim in der Pettendorfer Straße. „Im Tierheim haben sie bei der Organisation Tasso angerufen, die sich um vermisste Tiere kümmert“, berichtet Michaela Büttner. „Dank des Chips, den der Kater am Hals hatte, hat Tasso die Besitzerin ausfindig machen können“, sagt sie. Als klar war, um wen es sich handelt, machte sich Michaela Büttner mit Kater Paulchen auf zur Besitzerin.

Diese, Barbara Liebl, war geschockt und wütend zugleich. „Wir haben Paulchen schon vermisst gehabt. Unsere Befürchtung war, dass er überfahren wurde.“ Schließlich sei das die häufigste Todesursache bei vermissten Katzen, sagt Liebl, die in der Straße „Seebreiten“– und somit rund 200 Meter vom Fundort entfernt wohnt. Dass ihr Kater aber erschossen wurde, sei eine „Unverschämtheit“. Besonders stark unter dem Verlust von Paulchen leiden nun die Töchter von Barbara Liebl. Die beiden Mädchen im Alter von fünf und sieben Jahren hatten den Kater fest in ihr Herz geschlossen.

„Wir haben Paulchen schon vermisst gehabt.“

Barbara Liebl

Noch am selben Tag beerdigten die Liebls das tote Tier in ihrem Vorgarten. „Bei der Beerdigung haben wir noch ein Gebet gesprochen – und die Kinder haben ein gemaltes Bild mit in das Grab gelegt.“ In einem Körbchen befindlich, ruht Paulchen nun in Frieden. Vor zwei Jahren hatte die Familie die zugelaufene Main-Coon-Katze, die damals noch ein Baby war, bei sich aufgenommen.

Unsicherheit und Angst bleiben

Was bleibt, ist die Erinnerung und die große Unsicherheit. „Man kann seine Katzen doch nicht im Haus einsperren, wenn sie den Freigang gewohnt sind“, sagt Barbara Liebl. „Wenn eine Woche Regenwetter ist, gehen die Katzen sprichwörtlich die Tapeten hoch.“ Die Büttners können als Besitzer zweier Freigänger-Katzen davon ebenfalls ein Lied singen.

„Was, wenn auf Lucky oder sogar mich geschossen wird?“

Manfred Büttner

Und fürchten auch um ihren Hund. „Was, wenn auf Lucky oder sogar mich geschossen wird?“, fragt sich Manfred Büttner. Schließlich gehe er auch im Dunkeln mit seinem Bordercollie durch den Wald spazieren. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben wir uns eigentlich sehr sicher gefühlt“, betont er. Die Hoffnungen beruhen nun darauf, dass kein Tierhasser sein Unwesen treibt. Schließlich gebe es viele Hunde, Katzen, Kühe und Pferde in der Nachbarschaft.

Bürgermeister Eduard Obermeier findet den Vorfall „höchst mysteriös“ und „nicht nachvollziehbar“. Er könne sich kaum vorstellen, dass jemand um sieben Uhr früh Jagd auf eine Katze macht. Obermeier hofft, dass der Vorfall schon bald näher eingeordnet werden kann. Besorgniserregend sei, dass „in Wohnbau-Nähe von einer Schusswaffe Gebrauch gemacht“ werde.

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Täter gesucht

  • Via Facebook:

    Michaela Büttner, die Frau von Manfred Büttner, der den Kater angeschossen vorgefunden hatte, wandte sich mit einem Tätergesuch via Facebook an die Öffentlichkeit. Ihr Beitrag wurde inzwischen über 200mal geteilt. Auch eine Strafanzeige wurde bereits gestellt.

  • Polizei:

    Die Polizeiinspektion Nittendorf bittet um Tathinweise. Wer den Schuss gehört hat oder ihn näher lokalisieren kann, wird gebeten, sich telefonisch unter (09404) 9514-0 bei der Nittendorfer Polizei zu melden.

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