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Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Geschichte

Wenn das Mittelalter zum Anfassen ist

Martin Müller vom Verein „Arma Georgii“ zeigte Sechsklässlern der Mittelschule die Ausrüstung der Ritter und Söldner.
Von Felix Jung, MZ

So fühlt sich also das Mittelalter an – Martin Müller vom Verein „Arma Georgii“ (Bildmitte) hatte Waffen, Schilde und Rüstzeug mitgebracht. Lehrerin Simone Stadler zog sich einen Beinschutz an.

Neutraubling. Lehramtsstudent Martin Müller, der gerade ein Praktikum in der Mittelschule absolviert, ist gestern zum Unterricht nicht in Jeans und Sakko erschienen. Er hatte nicht nur eine Filzkappe auf und eine Jacke aus Wollstoff ohne Knöpfe an, sondern stand vor den Schülern in einer ziemlich unvorteilhaft geschnittenen Hose. Man konnte ganz deutlich die lange weiße Unterhose unten drunter sehen.

Kein Wunder, dass sich der eine oder andere das Lachen nicht verkneifen kann. Später stellte sich heraus, dass es sich zum einen um sogenannte Beinlinge gehandelt hatte, die durch Bändchen an einem Gürtel befestigt waren, zum anderen tatsächlich um eine Art von mittelalterlichen Boxershorts aus ungefärbten Leinen, die „Bruche“. Die beiden sechsten Klassen der Ganztagsschule erlebten zwei ungewöhnliche Unterrichtsstunden. Sie lernten Geschichte dieses Mal nicht aus Büchern, sondern machten eine kleine Reise ins Mittelalter. Martin Müller, Mitglied eines Mittelalter-Vereins namens „Arma Georgii“, hatte nicht nur jede Menge Waffen, Schilde und anderes Rüstzeug mitgebracht, sondern er wusste, zu jedem Helm, zu jeder Hellebarte die Geschichte dahinter zu erzählen.

Die Schüler erfuhren etwa, dass Hosen für Frauen im Mittelalter tabu gewesen seien und nur Mädchen mit Heiratsabsichten die Haare lang und offen tragen durften. Außerdem, dass Kinder ab sieben Jahren bereits arbeiten und etwa einem Handwerker zu Hand gehen mussten – und es normal war, mit Fünf Dünnbier zu trinken.

Wie teuer denn so ein Pferd eines Ritter gewesen sei, fragte jemand. Die Antwort des Fachmanns versetzte die jungen Zuhörer wiederholt zum Staunen. Es sei so viel Wert wie ein ganzer Bauernhof gewesen. Ob man denn ein so schönes und teures Pferd im Schlachtgetümmel überhaupt verletzten durfte, vergewisserte sich ein Mädchen und bekam den traurige Hinweis, darauf sei keine Rücksicht genommen worden.

Die Buben wollten freilich haarklein über die diversen Waffengattungen informiert werden. Doch lief wohl so manchem jungen Recken beim bloßen Darandenken, welche Verletzungen Mordwerkzeuge wie der „Morgenstern“ verursachen konnte, der kalte Schauer über den Rücken. Wer war eigentlich der Heilige Georg?“, fragte der mittelalterkundige Lehramtsstudent die Schüler. „Das ist der, der einen Drachen erschlagen hat“, sagt jemand. Er sei der Schutzpatron aller Ritter, fügte Müller hinzu und deutete auf sein Schild. Darauf war unter anderem ein Drache zu sehen. Es ist das Wappen von Furth im Wald. Arma ist Latein und heißt Waffe. Und so klärte sich am Ende auf, was „Arma Georgii“ heißt: die Waffenbrüder des Heiligen Georg.

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