mz_logo

Landkreis-Nachrichten
Sonntag, 30. August 2015 32° 3

Energie

Windpark: Fronten bleiben hart

Das Projekt im Paintner Forst stößt bei Anwohnern auf Ablehnung. Daran änderte auch ein Treffen mit Landtagskandidat Jürgen Mistol (Grüne) nichts.
Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

  • Auch das Brüten über den Plänen brachte keine Annäherung: Jürgen Mistol, Rainer Donhauser, Claus Blesch, Ulrich Lenz, Stefan Schmidt, Maria Scharfenberg, Jan Schadwell (von links) bei dem Treffen von Unterstützern und Gegnern des Windparks Painten in Viergstetten Fotos: Hueber-Lutz
  • Das Gespräch von Unterstützern und Gegnern des Windparks Painten in Viergstetten brachte keine Annäherung. Beide Parteien beharrten auf ihren Argumenten.

VIERGSTETTEN.Eine Annäherung ist nicht in Sicht: Wegen der Differenzen über den geplanten Windpark Painten hatten sich am Mittwoch Vertreter der Bürgerinitiative Gegenwind und der Befürworter des Windparks im Ort Viergstetten (Gemeinde Nittendorf) getroffen.

Der Grüne Landtagskandidat Jürgen Mistol hatte zu dem Treffen geladen, um sich vor Ort zu informieren und als weitere Vertreter seiner Partei kamen Landtagsabgeordnete Maria Scharfenberg und Bundestagskandidat Stefan Schmidt. „Beim Reden kommen d’Leut zamm“, darauf hatte Mistol gehofft. An den bestehenden Meinungen und Positionen hatte sich jedoch am Ende nichts verändert.

Rainer Donhauser von der BI führte aus, dass man sich in Viergstetten und Haugenried von geplanten 17 Wind-Kraft-Anlagen umzingelt fühle. 14 dieser Anlagen werden von der Firma Ostwind im Paintner Forst (Landkreis Kelheim) geplant, drei auf dem Gemeindegebiet Sinzing.

„Wir wären doch bescheuert“

Lange Zeit drehte sich die Diskussion um das Thema Wirtschaftlichkeit. Die Vertreter der BI bezweifelten vehement, dass die geplanten Anlagen im Paintner Forst wirtschaftlich betrieben werden können. „Man muss die Physik betrachten, die lügt nicht“, so Donhauser. Er kritisierte, dass die Zwischenergebnisse, die am Windmast Painten gesammelt wurden, nicht herausgegeben werden. Ulrich Lenz, Vorstand der planenden Firma Ostwind entlockte diese Meinung ein Kopfschütteln: „Wir wären doch bescheuert, wenn wir das planen würden und nicht wüssten, dass das funktioniert.“ Außerdem würden auch die Banken ganz genau auf die Wirtschaftlichkeit schauen, denn sie finanzieren das Projekt zu 75 Prozent. „Zur Not springt der Steuerzahler wieder ein“, mutmaßte daraufhin Claus Blesch von der BI, was Maria Scharfenberg zu der Bemerkung veranlasste: „Ach hören Sie doch auf!“

Die Veröffentlichung der Ergebnisse des Windmastens lehnte Lenz explizit ab. Das sei „wertvolles Kapital“ auf dessen Veröffentlichung die Konkurrenz nur warten würde. Vonseiten der Politiker wurde nicht bezweifelt, dass Ostwind die Wirtschaftlichkeit der Anlage einzuschätzen vermag.

Claus Blesch brachte das Thema Infraschall zur Sprache. Die Gesetzgebung sei hier nicht korrekt, sagte er. Jan Schadwell, Vertreter der Sinzinger Anlage, erwiderte, man müsse von der bestehenden Gesetzeslage ausgehen, sonst komme man nie weiter.

Diskussionen entspannten sich auch um Fotosimulationen, die aufzeigen könnten, wie sichtbar die Windräder tatsächlich sind. Für die BI ist es nicht einsichtig, warum sich der Markt Nittendorf und damit der Steuerzahler zur Hälfte an den Kosten dafür beteiligen soll. Zunächst habe man doch vereinbart, dass Ostwind diese Kosten alleine trägt. Andrea Bayer von Ostwind sah das nicht so und sagte, der Markt Nittendorf müsse dies sowieso innerhalb der Aufstellung seines Flächennutzungsplanes machen. Ein Kriterium dabei sei nämlich die 180-Grad-Regelung, also der Blick in einem Radius von 180 Grad um die Wohnbebauung.

BI: Windräder konzentrieren

Die Vertreter der BI ließen sich von den Ausführungen der Firmenvertreter nicht überzeugen und umgekehrt. Der Standpunkt der BI ist nach wie vor: Um eine Kette von Windrädern über den Paintner Forst zu verhindern, schlagen sie eine Konzentration der Räder etwa in der Mitte vor mit einem Abstand zur Wohnbebauung von 2000 Metern sowie eine Reduzierung der Anzahl. Außerdem fordern sie ein unabhängiges Gutachten, das von den Projektanten bezahlt wird.

Bei den vorgeschlagenen Kriterien blieben laut Andrea Bayer von Ostwind vier Windräder übrig. Lenz lehnte dies ab: „Das ist wirtschaftlich nicht machbar!“ Mistol und Scharfenberg plädierten dafür, dass die Anträge für den Windpark nach geltender Rechtslage weiter bearbeitet werden. Stefan Schmid, Bundestagskandidat der Grünen, sagte, man solle den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen.

Aussagen zum Windpark Painten

Rainer Donhauser, BI: „Die Anlage muss so optimiert werden, dass für alle Beteiligten eine sinnvolle Planung kommt.“

Jan Schadwell, geplante Anlage Sinzing: „Die Anlage muss so optimiert werden, dass wir so viel Energie wie möglich für unsere Bürger herausholen.“

Maria Scharfenberg, MdL: „Wir wollen die Wertschöpfung hier vor Ort haben, deshalb sind wir immer positiv eingestellt gegenüber solchen Anlagen.“

Stefan Schmidt, Grüne: „Wenn wir die Energiewende ernst nehmen, müssen wir im ländlichen Raum mehr als hundert Prozent bringen, denn in die Städte bringen wir nichts hin.“

Claus Blesch, BI. „Nach Fukushima wird völlig unkoordiniert geplant. Das müsste bayernweit gemacht werden.“

Ulrich Lenz, Ostwind: „Dann kämen in den Paintner Forst drei Mal so viele Windräder.“

Andrea Bayer, Ostwind: „Es ist nicht sicher, dass alle 14 Windräder im Windpark Painten genehmigt werden.“

Kommentare (0) Regeln Unsere Community Regeln

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht