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Feuerwehr in Regensburg
Donnerstag, 14. Dezember 2017 7

Ehrenamt

Wenn es brennt – und keiner löscht

Auch im Landkreis Regensburg müssen die Feuerwehren um freiwillige Helfer kämpfen. Eine Wehr ist schon akut bedroht.
Von Bettina Mehltretter, MZ

  • Knapp 7000 Feuerwehrleute engagieren sich im Landkreis Regensburg. Für ihren Einsatz erhalten sie selten ein Dankeschön. „Im Schnitt fünf Mal pro 1000 Einsätze“, schätzt Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer. Foto: Stefan Gruber
  • Wolfgang Scheuerer, der Kreisbrandrat im Landkreis Regensburg. Foto: Thomas Kreissl

Regensburg.Wer sich weigert, in einer Freiwilligen Feuerwehr Dienst zu tun, sollte eine Zwangsabgabe für den Feuerschutz zahlen müssen – mindestens 400 Euro pro Jahr. Das findet Regensburgs Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer.

Er ist Chef von knapp 7000 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten im Landkreis Regensburg. Als solcher plagt ihn die Sorge um die Tagesalarmbereitschaft der Einsatzkräfte und die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist von zehn Minuten. Viele derer, die ausrücken könnten, sind tagsüber nicht zu Hause. Aus dem Kreis Regensburg pendelt ein Großteil der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer zur Arbeit – allein jeder zweite nach Regensburg.

„Wenn drei Mal pro Woche gegrillt wird, hat mancher drei Mal Zeit. Wenn aber der Kommandant einmal pro Monat eine Übung ansetzt, passt es da nicht.“

Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer

Die Menschen werden bequemer

An diesem Samstag beginnt in Bayern die Feuerwehraktionswoche. Im Kreis Regensburg nutzen die Wehren diese Zeit, um verstärkt für ihre Belange zu trommeln. Die Aktiven trainieren auf großen Übungen für den Ernstfall. Aber es geht auch darum, neue Mitglieder zu werben. „Man schimpft oft auf die Neubürger“, sagt Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer, „die Eingesessenen sind auch nicht besser.“ Er beobachtet im Landkreis, dass immer mehr Menschen bequem werden und nicht bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das bestätigen ihm auch die Kommandanten: „Wenn drei Mal pro Woche gegrillt wird, hat mancher drei Mal Zeit. Wenn aber der Kommandant einmal pro Monat eine Übung ansetzt, passt es da nicht“, sagt Scheuerer. Erwachsene leben ihren Kindern dieses Verhalten vor. Deshalb ist für den Kreisbrandrat das Schreckensszenario, dass Wehren mangels aktiver Mitglieder schließen müssen, nicht abwegig.

Leben auf dem Dorf verpflichtet

Scheuerer ist seit 2013 Kreisbrandrat. Kaum ein Jahr später hat sich mit der Feuerwehr aus dem Dorf Eich die erste aktive Truppe seines Zuständigkeitsbereichs für immer bei der Integrierten Leitstelle abgemeldet. Ulrich Hirschmann, Kommandant der Feuerwehr Kallmünz, die den Brandschutz für Eich übernommen hat, sagt: „Von den verbliebenen Eicher Feuerwehrdienstleistenden hatte keiner Interesse, Feuerwehrdienst in Kallmünz zu leisten.“ Denn in Eich sei zwar jeder bei der Wehr, aber nicht wegen Übungen und Einsätzen, sondern wegen der gesellschaftlichen Verpflichtung auf dem Land. Einsätze habe es ebenso nicht gegeben wie Nachwuchs für die Wehr. „Den Leuten ging mit der Auflösung der aktiven Truppe nichts verloren“, erklärt Hirschmann. Obendrein hätte die Integration in die Kallmünzer Wehr einen großen Lern- und Zeitaufwand bedeutet. Denn die Kallmünzer haben eine weit umfangreichere Ausrüstung – und um die 60 Einsätze pro Jahr.

Die wichtigsten Fakten zu den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis:

Video: Sarah Estor und Philipp Breu

Kreisbrandrat Scheuerer prognostiziert: „Die eine oder andere weitere Feuerwehr im Landkreis wird noch fusionieren müssen.“ Zurzeit sei eine der 176 Wehren akut bedroht. Grundsätzlich gäbe es dort zwar Potenzial für eine Löschgruppe, doch unter den Bewohnern in dem Dorf im südöstlichen Landkreis herrsche Streit. Daher könne die Mindestzahl von 18 Aktiven nicht mehr sichergestellt werden.

Den größten Teil der Einsätze im vergangenen Jahr machten technische Hilfeleistungen aus. Dazu zählt etwa der Einsatz bei Unfällen. Foto: Ratisbona Media

Die Mitarbeiter in der Integrierten Leitstelle in Regensburg, von wo aus die Feuerwehren zu Einsätzen gerufen werden, müssen wissen, in welchen Gebieten Personal fehlt. In Bereichen um Bernhardswald im nördlichen Landkreis und um Thalmassing im südlichen Landkreis alarmiert die Leitstelle inzwischen häufig mehrere Feuerwehren, wenn zwischen 7 und 17 Uhr ein Notruf eingeht. Sonst ist etwa nicht gewährleistet, dass genügend Atemschutzgeräteträger ausrücken.

Doch das löst das Grundproblem nicht. Die Motivation der Kameraden ist ein wichtiger Faktor: „Der größte Fehler ist, wenn Kommandanten bei Übungen immer das Gleiche machen: im Feuerwehrhaus zusammenkehren oder das Auto anschauen“, sagt der Kreisbrandrat. Er empfiehlt stattdessen Digitalfunk-Übungen oder die Ausbildung an Defibrillatoren.

Dass sich Aufwand auszahlt, zeigt das Beispiel der Kinderfeuerwehren. 15 gibt es mittlerweile im Landkreis, rund 260 Mädchen und Buben sind dabei. In manchen Orten gibt es sogar Wartelisten. Scheuerer ist sich sicher: Wer schon als Kind vom Feuerwehrdienst begeistert ist, wechselt eher in die Erwachsenentruppe als Mitglieder, die erst als Jugendliche hinzustoßen. Nur ein Drittel der Jugendlichen wird als Erwachsener noch Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau.

Kein Flüchtling in Landkreisfeuerwehr aktiv

Flüchtlinge als neue Zielgruppe erschließen die Wehren im Landkreis dennoch noch nicht. In Hemau etwa, wo es eine große Asylbewerberunterkunft gibt, habe man argumentiert, „wir haben noch genügend Leute“, erinnert sich Scheuerer. Regensburgs Stadtbrandrat Johann Schmidbauer widerspricht dieser Aussage: „Man kann es sich nicht mehr leisten, auszulesen.“ Aktuell führt er Gespräche mit Pflegeeltern, um drei junge Syrer zu integrieren. Einer von ihnen, fast 18 Jahre alt, wird wohl schon bald sein erstes Jugendabzeichen machen. Denn Schmidbauer ist froh über jeden, der Lust auf das Ehrenamt hat.

Wie sich die Einsätze und Einsatzkräfte im Landkreis Regensburg entwickelt haben, sehen Sie hier:

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