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Fußball

Alle tanzen nach seiner Pfeife

Seit 30 Jahren ist Franz Vögerl aus Hemau als Schiedsrichter tätig. In seiner Laufbahn zückte er nur viermal die Rote Karte.
Von David Santl, MZ

Franz Vögerl, Schiedsrichter Foto: Santl

Hemau.Wer das Grundstück von Franz Vögerl betritt, wird freudig von dessen Border Collie „Bello“ begrüßt. „Der tut nix“, lacht der gut gelaunte 70-Jährige, der nach wie vor als Schiedsrichter aktiv ist. Da es draußen zum Sitzen zu heiß ist, schlägt Vögerl vor, sich in sein „Schafkopf-Haisl“ zu setzen. „Hier gibt es jeden Montag mit vier Mann eine Schafkopfrunde“, erzählt er, während er den Tisch freiräumt.

In seiner 30-jährigen Karriere als Schiedsrichter hat Vögerl, der für den TV Hemau auch lange als Spieler und Jugendtrainer tätig war, einiges erlebt. „Klar gab es unschöne Situationen, aber insgesamt habe ich viel mehr positive Erinnerungen“, erzählt er.

„Du winkst weiter, ich spiel weiter“

An lustigen Begebenheiten mangelt es ebenfalls nicht. So hätte bei einem Spiel in der Landesliga ein afrikanischer Spieler im Abseits gestanden. Vögerl hob als Linienrichter sofort die Fahne. Der ertappte Spieler fragte verärgert: „Winkst du gerne?“ Vögerls schlagfertige Gegenfrage lautete nur: „Und du, spielst du gerne?“ Nach dem Spiel habe es aber ein versöhnliches Ende gegeben. „Wir saßen zusammen, als er mit zwei Flaschen Bier auftauchte“, lacht Vögerl. „Weißt du was, du winkst weiter, ich spiel weiter. Trinken wir ein Bier und vergessen die Sache“, meinte der Spieler damals.

Wenn Vögerl diese und andere Geschichten aus seiner Schiedsrichter- und Spielerzeit erzählt, blüht er richtig auf. In seiner aktiven Spielerzeit für den TV Hemau vereitelte er als Libero auf seine ganz eigene Art eine Chance der gegnerischen Mannschaft. Er fragte den Angreifer einfach, ob er denn den (nicht erfolgten) Abseitspfiff des Schiedsrichters nicht gehört habe. Daraufhin schoss dieser den Ball zu seinem eigenen Torwart zurück, der über die Leichtgläubigkeit seines Kameraden natürlich nicht erfreut war.

Doch wie ist Franz Vögerl – in Hemau besser bekannt als „Vechal Franz“ – überhaupt auf den Schiedsrichterjob gekommen? „Ein älterer Schiri-Kollege hat mich draufgebracht“, erinnert er sich, „der TV Hemau hatte ja mal zwölf Schiedsrichter.“ Auch, dass der „Schiri“ damals eine echte Respektsperson war, hat ihn gereizt.

Seine Frau erfuhr nichts

Mit 40 Jahren hat Vögerl schließlich seine Schiedsrichterprüfung absolviert. Seiner Frau hat er zunächst nichts davon erzählt. „Sie hat es erst erfahren, als sie irgendeinen Zettel liegen sah. Ich wollte nicht, dass sie mich auslacht, wenn ich durch die Prüfung falle“, schmunzelt er. Als Linienrichter hat er es sogar bis in die Landesliga geschafft, die weiten Fahrwege hat er gerne auf sich genommen. „Ich bekam den Auftrag, mir anzuschauen, ob der Schiedsrichter Hans-Peter Winkler aus Deuerling für die Landesliga geeignet ist“, erinnert er sich. „Nachdem ich gesagt habe, der pfeift gut genug, hat er mich aus Freude zu seinem Assistenten gemacht“, erzählt der ehemalige Lastwagenfahrer.

Besonders stolz ist Vögerl auf die Tatsache, dass er in seinen 30 Jahren nur vier Rote Karten verteilt hat. „Ein jüngerer Schiri hat mir erzählt, dass er alleine im Monat schon vier Platzverweise ausspricht. Heute wird außerdem viel zu schnell die Gelbe Karte gezeigt“, kritisiert er, „beim ersten Foul rede ich mit dem Spieler zunächst ein ernstes Wörtchen. Wenn er sich dann nicht zusammenreißt, dann wird er eben mit Gelb verwarnt“, erklärt Vögerl seine Vorgehensweise. „Deshalb pfeife ich am liebsten im Jugendbereich, mit denen kann man noch reden“, lobt er.

Dass der Respekt vor den Schiedsrichtern abnimmt, ärgert ihn: „Früher hat der Schiri gepfiffen und alle haben es akzeptiert.“ Bei der Frage, was er an den Fußballregeln ändern würde, muss Vögerl nicht lange überlegen: „Ich würde die Zehn-Minuten-Zeitstrafe wieder einführen. Dann können sie sich am Spielfeldrand beruhigen“, erklärt er. Auch Schwalben, also das Vortäuschen eines Fouls, würde er härter bestrafen. „Das ist unsportlich“, moniert er. „Beim Frauenfußball ist das viel weniger ausgeprägt. Die stehen wieder auf. Männer wälzen sich ewig am Boden“, stellt der Schiri fest.

Für seinen Humor geschätzt

Während er noch ein bisschen über seinen Umgang mit Spielern erzählt, kommt sein Hund, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen. „Mein Hund ist auch mein persönlicher Fitnesstrainer. Jeden Morgen drehen wir unsere Runde. Er läuft voran und ich fahre mit dem Rad im ersten Gang hinterher. So hält man sich fit“, lacht der 70-Jährige, der besonders für seinen Humor geschätzt wird. „Früher bin ich immer gerne beim Faschingszug mitgegangen und habe irgendwelche bekannte Persönlichkeiten aufs Korn genommen“, erinnert sich Vögerl.

Für das Foto schlüpft er extra in sein Schiedsrichter-Outfit. Wie lange er den Job an der Pfeife noch machen will? „Bis auf dem Platz jemand sagt, jetzt beweg dich halt mal“, schmunzelt er.

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