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Kultur

Aurelium: Der Glanz kommt auch von innen

Das Kulturzentrum in Lappersdorf mausert sich langsam, aber stetig. Besucher und Künstler nehmen es an und sind beeindruckt.
Von Thomas Kreissl, MZ

Das Aurelium in Lappersdorf: Die kühne Architektur ist ein Alleinstellungsmerkmal. Foto: Kreissl

Lappersdorf.Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Im Fall des Lappersdorfer Aureliums stimmt dieses Sprichwort auf alle Fälle. Denn die goldfarbene Fassade ist aus Kupfer, dazu ein wenig Zinn und Aluminium. Doch wichtig ist der Glanz. In dem sonnt sich das Kultur- und Begegnungszentrum auch acht Monate nach der Eröffnung – und das nicht nur äußerlich. Das Haus gleich jenseits der Stadtgrenze mausert sich, langsam, aber stetig. Es ist auf dem Weg zu der Kulturinstitution im nördlichen Landkreis, ist Klaus Wenk überzeugt. Der Leiter des Aureliums hat jetzt sein neues Halbjahresprogramm vorgestellt.

Kulturprogramm im neuen Jahr

  • Am 12. Januar

    bringt der Kabarettist, Regisseur, Schauspieler und Intendant der Luisenburg-Festspiele Michael Lerchenberg einen Klassiker der bayrischen Literatur mit: „Josef Filsers Briefwexel“. In den legendären Filser-Briefen steht ätzende Satire neben komischer Naivität. Stimmungsvoll-passende Live-Musik garantiert dazu der „Niederbayerische Musikantenstammtisch“.

  • Am 28. Januar

    nimmt der Münchner Spitzenchor „VoicesInTime“ seine Zuhörer mit in „himmlische Sphären“. Denn zum Programm des preisgekrönten Ensembles gehören berühmte Songs wie „Angels“ von Robbie Williams und „Engel“ von Rammstein. Das Repertoire reicht von aktuellen Hits über Jazzstandards bis zu einer Chor-Version von Schuberts Erlkönig.

  • Am 10. Februar

    ist Bruno Jonas mit seinem aktuellen Programm „Nur mal angenommen...“ im Aurelium zu Gast. Der Kabarettist analysiert dabei knallhart jede Menge tiefgründige Annahmen auf seine ganz blitzgescheite

  • und wortgewaltige Art.

  • Informationen

    gibt es im Internet unter www.aurelium.de.

Druckfrisch ist das kleine Heftchen, in dem 19 Veranstaltungen vorgestellt werden, die bis in den Juli hinein geplant sind. Bunt soll es sein, sagt Wenk, klein, aber fein, und vor allem ein breites Kulturspektrum abbilden. Der Schwerpunkt liegt auf der Musik, aber auch Lesungen und Kabarett gibt es und natürlich ein Kinderprogramm. „Das ist mir sehr wichtig“, betont Klaus Wenk, der weiß, dass er bei Publikum und Künstlern mit einem enormen Pfund wuchern kann. Er nennt das ein „gnadenloses Alleinstellungsmerkmal“. Schließlich sei so ein Gebäude in der Region weit und breit nicht zu finden.

Freilich ist es genau diese kühne Architektur, die dem Aurelium lange Zeit nicht nur Freunde eingebracht hat. Bürgermeister Christian Hauner hat den viel diskutierten Bau 2014 von seinem Vorgänger „geerbt“ – und von Anfang an pragmatisch gedacht. „Wir müssen das Projekt gemeinsam voranbringen“, appelliert er damals wie heute an die Kritiker, nicht zuletzt auch im Lappersdorfer Marktrat.

Im Frühjahr wird Bilanz gezogen

Dass das nicht leicht ist, und sowohl personell als auch finanziell für Belastungen sorgt, will Hauner gar nicht verschweigen. „Solche Gebäude bringen Defizite“, weiß er. Wie groß sie sind, soll sich im Frühjahr zeigen, wenn nach einem Jahr Betrieb Bilanz gezogen wird. Doch unabhängig davon brauche das Aurelium Zeit, um sich zu entwickeln. „Wir sind auf einem guten Weg“, ist der Bürgermeister überzeugt.

Das sieht auch Klaus Wenk so. Er muss das Haus mit Leben erfüllen und tut das nach wie vor mit großer Leidenschaft. „Es ist wahnsinnig spannend, so ein Gebäude auf Kurs zu bringen“, verrät er. Kein Wunder, dass er das Kulturzentrum schon jetzt als Erfolgsgeschichte bezeichnet. Doch Wenk hat schon einiges vorzuweisen.

Aus dem Nichts hat sich das Kulturzentrum zu einem durchaus bereits anerkannten Veranstaltungsort gemausert, der immer mehr Publikum anlockt und auch beeindruckt. Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Denn nicht jede Vorstellung ist gut besucht und so manchem sagt das neue Haus im Landkreis noch gar nichts. Es gilt, die richtige Balance zu finden zwischen Kulturveranstaltungen, die sich meist gerade so rechnen, Vereinsveranstaltungen, die Geld kosten und der Nutzung als Tagungsstätte für Firmen oder Parteien, durch die Geld hereinkommt. Grundsätzlich wäre hier noch mehr möglich, ist Wenk überzeugt. Doch personell stößt das zweieinhalbköpfige Team an Grenzen.

Dazu kommen Kinderkrankheiten, Bürokratie, Abstimmungsprobleme. „Wir lernen jeden Tag dazu“, erklärt Wenk. Da passiert es, dass bei einer Gro´ßveranstaltung das Wlan-Netz nicht eingerichtet ist, dass die Gebührenordnung zu sehr ins Detail geht oder dass es zum Streit darüber kommt, wie viel Miete für eine Hobbykünstler-Ausstellung anfällt.

Künstler ist jetzt Verwalter

All das landet auf dem Schreibtisch in Wenks gläsernem Büro auf der Galerie des lichtdurchfluteten Foyers. „Das ist manchmal ein Stück weit ernüchternd“, sagt er. Denn der Chef des Aureliums ist Quereinsteiger, ein Künstler, der in die Rolle des Verwalters geschlüpft ist. Nur der weitaus kleinere Teil bleibt für echte Kulturarbeit. Meist geht es um Organisation, Bürokratie und Vermarktung, die nötig sind, um aus dem goldenen Haus auch eine glänzende Kulturstätte zu machen.

Das Aurelium im Blick

Dass das Aurelium hier auf einem guten Weg ist, glaubt der Regensburger Kulturmanager Alex Bolland, der das Zeltfestival in Lappersdorf veranstaltet und selbst schon eifrig das Aurelium nutzt. Bolland hatte damit gerechnet, dass das Haus mehr Zeit braucht, um sich zu etablieren. „Aber die mausern sich“, sagt er. Für ihn sind die Architektur, die Akustik und die Größe des Saals besondere Pluspunkte. Da gebe es im Landkreis fast nicht Vergleichbares.

Ähnlich sieht es Dr. Thomas Feuerer, der Kulturreferent des Landkreises. Für ihn ist das Aurelium ein enormer Gewinn für das Kulturangebot im Landkreis – „gerade auch, was die Qualität betrifft“. Einen großen Effekt habe das Lappersdorfer Projekt zudem für die Anstrengungen, den Stellenwert der Kultur im Landkreis voranzubringen. „Das Aurelium hat da große Symbolkraft und zeigt, dass die Kultur auch im ländlichen Raum ihren Platz hat“, betont Feuerer.

Hier befindet sich das Kulturzentrum in Lappersdorf:

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