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Sonntag, 19. November 2017 7

Unterstützung

Bald kann in Tansania Wasser fließen

In Österreich und Wenzenbach haben drei Pfarreien Geld für eine Wasserleitung gesammelt. Nach vier Jahren kann mit dem Bau begonnen werden.
Von Ralf Strasser, MZ

Momentan müssen sich die Bewohner eines ganzen Ortes über dieses Wasserloch versorgen. Fotos: Freundeskreis

WENZENBACH.Die Zahl liest sich astronomisch: 175829428,20. So viel kosten 6,7 Kilometer, die in der Tansanianischen Wüste für eine Wasserleitung gegraben werden. „Das sind Schillinge und ist die Landeswährung“, beruhigt der ehemalige Pastoralreferent Josef Einweg. „Umgerechnet sind das etwa 67000 Euro.“ Immer noch viel Geld, das für das Wasserprojekt Tansania von drei Pfarreien grenzüberschreitend gesammelt und jetzt zur Verfügung gestellt wird.

24000 Euro davon kommen vom Freundeskreis Tansania in Wenzenbach mit Sybille Gassner und Josef Einweg an der Spitze. Vier Jahre lang wurde das Geld gesammelt mit Aktionen, Spendenaufrufen und medialer Öffentlichkeitsarbeit auf Märkten, Festen und in der Mittelbayerischen.

Dabei fing alles mit einer Willkommensparty an, die Sybille Gassner für den Aushilfspfarrer Sylvester Nitunga in Wenzenbach veranstaltet hatte. „Wir sind ins Gespräch gekommen und er hat uns von seinem Heimatort in der Nähe von Mbuyani Village in der Tanga-Region erzählt“, erinnert sich Einweg. Der Pfarrer wollte in seiner Heimat ein dringend notwendiges Wasserprojekt auf die Beine stellen.

Keine Brunnen, keine Straßen

Dort – rund 10000 Kilometer von Deutschland entfernt – herrschen extreme Temperaturen und Wassermangel. Der Ort verfügt über keine Wasserleitung, keinen Brunnen und keine befestigten Straßen. Man habe schon mehrere Bohrversuche für Brunnen unternommen, „leider alles vergeblich“, hatte Nitunga damals gesagt. Bis in neun Meter Tiefe hatten die Dorfbewohner gegraben, doch der felsige Boden versperrte den Weg zum Wasser.

Übrig geblieben sind nur Sandlöcher, die in der Stunde gerade mal einen Eimer Wasser freigeben. Zu wenig für die 2000 Einwohner. „Wasser muss von Händlern gekauft werden oder wird zu Fuß oder mit dem Rad aus einer zehn Kilometer entfernten Wasserstation geholt.“

Doch es gab eine Option: Nitunga wollte eine Wasserleitung vom Nachbarort Mapatano-Village in sein Dorf bauen. Das Hindernis: die Finanzierung. Die geplanten Kosten in Höhe von bis zu 80000 Euro hat die arme Region nicht, lediglich 1500 Euro kann die Bezirksregierung zur Verfügung stellen. Mit im Boot waren damals zwei Pfarreien im österreichischen Gemeindeverbund Feldkirchen. Dort engagierten sich Dr. Manfred Fiel und Horst Böhler – gerade Fiel zeichnete sich als Ingenieur aus, da er bereits Schulen, Krankenhäuser und Wasserprojekte auf den Weg gebracht hatte.

Freundeskreis gründete sich

„Da machen wir mit“, hatte Gassner vor vier Jahren spontan gesagt. Und die ehemalige Mesnerin ist bekannt dafür, dass sie zu ihrem Wort steht. Ein Freundeskreis wurde gegründet, in dem sich auch Bürgermeister Sebastian Koch, sein Vorgänger Josef Schmid und Pfarrer Josef Babel engagieren. Mit dem „Motor“ Gassner und Einweg wurde für das Vorhaben getrommelt und es wurden Spenden gesammelt. Nach vier Jahren sind in Wenzenbach und Österreich knapp 65000 Euro zusammengekommen, genug, um mit dem Bau zu beginnen.

Inzwischen liegt auch ein Vertrag zwischen den beiden Dörfern in Afrika vor – Dank Dr. Fiel und Horst Böhler, wie Einweg berichtet, der als „Finanzmanager“ ebenfalls unterzeichnete. Der Vertrag sieht vor, dass die Menschen selber graben und dafür Wassergutscheine bekommen. „Wer sich nicht beteiligt, muss für das Wasser zahlen“, sagt Einweg. „Aber kommod, niemand braucht Angst zu haben, dass er kein Wasser bekommt.“ Das Geld wird in Teilbeträgen von 10000 Euro ausbezahlt, je nach Erfolgsmeldung der Bauabschnitte.

In zwei Jahren soll das Wasser fließen. Aber ein Schatten liegt über der Erfolgsgeschichte: Dr. Manfred Fiel ist auf dem Rückweg von Afrika an einem Herzanfall gestorben. Der Freundeskreis in Wenzenbach bleibt bestehen – falls Folgekosten entstehen.

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