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Montag, 20. November 2017 7

Politik

Baugebiet sorgt für Diskussionsstoff

Die Wenzenbacher Gemeinderäte wollen sich die Entscheidung für das Baugebiet Raubberg nicht leicht machen.
Von Ralf Strasser, MZ

Der Raubberg sollte nach dem Willen der Firma Schmack bebaut werden. In der Gemeinde gibt es Widerstand. Foto: Strasser

Wenzenbach.Die jüngste Gemeinderatssitzung hatte ein überaus großes Aufmerksamkeitspotenzial. Bürgermeister Sebastian Koch eröffnete mit der These, dass Grünthal „vorübergehend unbesetzt“ sei. In der Tat waren im Sitzungssaal des Rathauses kaum mehr Stehplätze zu bekommen.

Um was geht es? Die Firma Schmack plant derzeit ein Baugebiet am Raubberg in Grünthal-Süd. Entlang der Keilbergstraße zwischen dem Ortsteil Grünthal und dem Stadtteil Keilberg soll auf fünf Hektar Wohnbauland entstehen, 102 Bauparzellen, jeweils ein Drittel Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser. Ein entsprechender Antrag wurde von der Firma Schmack am 12. Oktober gestellt. Soweit der Sachverhalt, doch die Emotionen in Grünthal schlagen hoch, eine Interessengemeinschaft organisierte 400 Unterschriften gegen das geplante Baugebiet, brachte mit der Abwasser- und Verkehrsproblematik Bedenken vor.

Koch weist die Vorwürfe zurück

Geschäftsführer Martin Schmack versuchte, mit Informationen zu beruhigen. Thema Hangwasser: Lehmig sei der Boden, darunter Fels, das Wasser könne nicht versickern. Das Baugebiet weist eine Hanglage von bis zu 13 Prozent auf, das aus der Natur abfließende Wasser bereite schon seit Jahrzehnten Probleme. „Das Hangwasser werden wir an den Grenzen abgefangen und Rückhaltebecken zuführen, Retentionsflächen stehen ausreichend zur Verfügung.“ Auch für den nötigen Wasserdruck habe man zwei Lösungsmöglichkeiten bereits erarbeitet. Thema Zersiedelung: Die Grundstücke, aufgeteilt in vier Terrassen, sollen bedarfsgerecht klein ausfallen. Den Einwand von Gemeinderat Dr. Helmut Ulrich (Die Buerger), im Vergleich zur bestehenden Bebauung sei die Planung zu dicht, ließ Schmack nicht gelten. „Sie ist mit dem Roitherberg nahezu identisch und im Vergleich zum Schindlfeld in Grünthal ergibt sich sogar eine nachgewiesen geringere Dichte.“

Die Ortsdurchfahrt von Grünthal. Foto: Strasser

Thema Anbindung: Den Verkehr wolle man über die Raubbergstraße abfließen lassen. Zudem wurde vom Bauinvestor eine Verkehrszählung durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass an der Kreuzung Keilberg- und Brandlbergstraße eine Verkehrsbelastung von unter 5000 Fahrzeugen pro 24 Stunden herrscht. Aus Richtung Keilbergstraße kommen dort ca. 100 Fahrzeuge zur morgendlichen Spitzenstunde an. Wie sich der Quellverkehr aus dem Baugebiet auswirke, könne man noch nicht sagen. „Wir haben Lösungsmöglichkeiten“, erklärte Schmack, bat aber um Verständnis, dass er detaillierte Pläne noch nicht offenlegen könne. „Hier sind Interessen Dritter involviert.“ Konkret könne man in einem Bauleitverfahren werden.

„Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde, es wird kein Hauruckverfahren geben und es gibt keinen Anspruch auf Baurecht.“

Bürgermeister Sebastian Koch

Dieses Verfahren will die Firma Schmack nach dem neuen Paragraphen 13b BauGB durchführen. Die Regelung sieht vor, ein beschleunigtes Verfahren zuzulassen, wenn es sich um einen Bebauungsplan mit einer Grundfläche von bis zu 10 000 Quadratmeter Wohnnutzung handelt. Eine weitere Voraussetzung ist die Anbindung an einen bestehenden Ortsteil. Im Gegenzug könne man auf eine Änderung des Flächennutzungsplanes verzichten, auch eine frühe öffentliche Beteiligung könnte entfallen. Letzteres werde aber dennoch durchgeführt, versicherte Schmack. Katrin Eberwein von der Verwaltung der Gemeinde gab zu bedenken, dass das neue Gesetz noch sehr viel Interpretationsspielraum zulässt, „es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht sicher, ob der Paragraph 13b bei uns überhaupt greifen kann.“

Bevor Bürgermeister Koch die anschließende Debatte unter die Zielfrage „beschleunigtes Verfahren, ja oder nein“ und der „grundsätzlichen Haltung zum Bauantrag“ stellte, ging er auf diverse Vorwürfe ein. Einen davon betrifft die bisherige Rolle der Gemeinde. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Firma mit Grundsicherung und Grunderwerb bereits in Vorleistung gegangen ist, auch eine geologische Untersuchung und eine Verkehrszählung gehört ins Portfolio der Vorbereitungen des Unternehmens.

Gemeinde hat die Hoheit

Es sei erstaunlich, so Koch, mit welcher Transparenz die Firma hier auftrete, „das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Dennoch: „Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde, es wird kein Hauruckverfahren geben und es gibt keinen Anspruch auf Baurecht.“ Dr. Gerhard Waldherr (SPD) sprach sich gegen den „Paragraphen 13b“ aus, es gehe um das Ortsbild und um Strukturen, „das verträgt sich nicht mit einem beschleunigten Verfahren.“ Für Dr. Rudolf Ebneth (CSU) stellt sich die Frage, wie man das Wachstum der Gemeinde organisiere. „Bevor wir um neue Baugebiete diskutieren, sollten wir klären wo, wie und in welchem Umfang unsere Gemeinde wachsen soll.“

„Wir sollten in Klausur gehen und uns mit diesem Thema beschäftigen.“

Gerhard Bäumler (Freie Wähler)

„Wir sollten in Klausur gehen und uns mit diesem Thema beschäftigen“, sagte Gerhard Bäumler (Freie Wähler), während Fraktionskollege Günther Glötzl auf den enormen Zuwachs verwies. „Wenn wir von etwa 300 neuen Bürgern in Grünthal Süd ausgehen und das Baugebiet am Steinert mitrechnen, dann wächst der Ortsteil um ein Viertel. Das geht eindeutig zu schnell“, auch Martin Unger (SPD) sieht die Bevölkerungsentwicklung problematisch. Der Gemeinderat einigte sich darauf, zeitnah in Klausur zu gehen, um klären zu können, ob das von der Firma Schmack angedachte Baugebiet Grünthal Süd in die Entwicklungspläne der Gemeinde passt. Erst dann werde man sich konkret mit einem Aufstellungsbeschluss befassen.

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Das Areal

  • Baugebiet:

    Die Firma Schmack plant derzeit ein Baugebiet am Raubberg in Grünthal-Süd. Nach den Vorstellungen dieses bekannten Immobilienunternehmens sollen entlang der Keilbergstraße zwischen dem Ortsteil Grünthal und dem Stadtteil Keilberg landwirtschaftlich genutzte Flächen von insgesamt ca. fünf Hektar in Wohnbauland umgewandelt werden.

  • Investoren:

    Geht es nach den Vorstellungen der Investoren, soll dieses angedachte Entwicklungsgebiet in 102 Bauparzellen aufgeteilt werden, die dann mit Einfamilien-, Doppel- oder Reihenhäuser zu bebauen wären.

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