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Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Debatte

„Brennberger sind für Steinbruch“

Die lärmgeplagten Anwohner der Ortsdurchfahrt sind für das Vorhaben von Robert Fahrner. Die Situation ärgert sie.
von Walter Schiessl, MZ

Steinbruch bei Waldenbuch (Baden-Württemberg). Ein Teil der Brennberger ist für die Errichtung einer ähnlichen Anlage bei Ettersdorf. Foto: dpa

Brennberg.Josef Wartner (69) ist stocksauer. Der Pensionist sagt, die Fahrten der Kieslaster durch den Ort hätten in den letzten drei bis vier Jahren so zugenommen, in der Reimarstraße gebe kaum mehr Lebensqualität. „Es ist unter der Woche sehr laut und brandgefährlich“, sagt der frühere Techniker, der als letzten Ausweg die Schaffung des umstrittenen Steinbruchs bei Ettersdorf sieht. Zwar hätte der Brennberger Gemeinderat mehrheitlich gegen das Vorhaben gestimmt, das der Bauunternehmer Robert Fahrner im fürstlichen Thiergarten errichten will, jedoch seien seine Nachbarn und er gänzlich anderer Meinung.

Reimarstraße: „Was wir hier mitmachen, das glaubt uns kein Mensch“, sagt Josef Wartner. Der 69-Jährige lebt seit 1978 an der viel befahrenen Straße in Brennberg und ärgert sich unter der Woche über die vielen Lkws, die die enge Ortsdurchfahrt nutzen, um auf die Wiesenter Autobahnauffahrt zu gelangen. „Der Steinbruch bei Ettersdorf würde uns Erleichterung bringen“, sagt er.

Der Schwerlastverkehr zwischen Michelsneukrichen und dem Raum Regensburg, in dem derzeit etliche Baugebiet entstehen, bewegt sich ausgerechnet durch die Wohnstraßen der Brennberger. „Die Lkw-Fahrer biegen von der Staatsstraße ab und kurven eben über die Reimarstraße nach Frauenzell und von dort bei Wiesent auf die Autobahn zu ihren Bestimmungsorten“, sagt Wartner. Egal, ob die Lastwägen nach Barbing, Neutraubling oder Donaustauf müssten, alles bewege sich durch Brennberg, sagt der genervte Rentner.

Gegen den Steinbruch im Thiergarten gibt es Protest

„Das ist nachvollziehbar“

Landratsamt:Die Reimarstraße, die quer durch den Ort führt, ist als Kreisstraße gewidmet. Somit ist das Regensburger Landratsamt für sie zuständig. Tempo 30, das die Gemeinde gefordert hatte, wurde von der Behörde abgelehnt, weil dort keine erhebliche Gefahrenlage besteht. Ein Durchfahrtsverbot für Lkws über 12,5 Tonnen wurde ebenfalls als nicht sinnvoll erachtet.

Auch etliche Bauunternehmer im Raum Wörth sind überzeugt, dass der Steinbruch bei Ettersdorf kommen werde. „Die Regierung hat ja dem Vorhaben letztendlich zugestimmt“, sagen sie hinter vorgehaltener Hand und verweisen darauf, dass früher der später andere Vorkommen als die im Landkreis Cham gesucht werden müssen. Schließlich werde das Steinmaterial dort auch einmal zu Ende gehen. „Für uns ist das nur ein Vorteil, wenn Robert Fahrner den Granit aus Ettersdorf holen kann“, sagt Josef Wartner, der sich in seinem Haus schon Lärmschutzfenster einbauen lassen hat, um wenigstens bei Nacht richtig schlafen zu können.

Bürgerinitiative: Sie wurde von Paul Wiethaler und Christian Graf ins Leben gerufen, nachdem die Pläne des Bauunternehmers Rudolf Fahrner publik geworden waren. Die Initiative sammelte schon über 6000 Unterschriften gegen das Projekt, machte Protestaktionen vor dem fürstlichen Schloss und erläuterte Horst Seehofer die prekäre Situation. Gehört aber haben sie von ihm nichts,

Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer kann Forderungen aus ihrer Gemeinde, denen zufolge die Errichtung des Steinbruchs bei Wiesent eine Erleichterung für „ihren“ Ort bringen würde, durchaus verstehen. „Dieses Argument ist für mich natürlich nachvollziehbar“, sagt sie. Aber sie verweist auch darauf, dass der Gemeinderat dabei geblieben sei, dass das große Waldgebiet des fürstlichen Forsts in seiner jetzigen Form erhalten bleiben müsse. „Wir legen viel Wert auf sanften Tourismus“, sagt sie und aus diesem Gründen seien die Gemeinderäte eben gegen die Errichtung eines Steinbruchs bei Ettersdorf. Die betroffene Fläche sei im neuen Regionalplan als Vorrangfläche für den Abbau von Bodenschätzen vorgesehen. Sie sagt aber auch, dass im Falle eines Steinbruchs bei Wiesent auch keiner wisse, wie viele Lkws dann eben in die entgegengesetzte Richtung fahren würde. „Der Preis regelt die Nachfrage“, sagt sie im Hinblick darauf, dass eben dann vielleicht Schotter von Wiesent nach Cham gefahren würde – „und eben auch durch Brennberg“.

„Vergebliche Liebesmüh‘“

Protest: Die Wiesenter wollen keinen Steinbruch vor ihrer Haustüre. Das machten sie bei zwei Protestversammlungen und auch mit ihren Unterschriften kund. Jetzt wird gewartet, bis Robert Fahrner seinen Bauantrag mit den nötigen Gutachten beim Landratsamt eingereicht hat. Dann wird die Behörde am Zug sein und den Abbau nach dem Immissionsschutzrecht behandeln.

Josef Wartner hat schon viele Versuche unternommen, um den Schwerlastverkehr davon abzubringen, ausgerechnet durch Brennberg zu fahren. Allerdings, so sagt er, bislang sei alles „vergebliche Liebesmüh“ gewesen. So schrieb er an ein Schotterwerk, das bei Roding beheimatet ist die Strecke über Rettenbach sei doch für die Lkw-Lenker wesentlich besser zu fahren, sie wiese eine wesentlich geringere Unfallgefahr auf, denn es müssten da kaum Ortschaften durchfahren werden. „Den Bürgern von Brennberg wäre wesentlich mehr Lebensqualität gegeben“, schrieb er an das Unternehmen. Ihm will es nicht in den Kopf, dass die geringe Mautersparnis der Grund dafür sein soll, dass die Strecke über Brennberg und Frauenzell gewähltwird.
Aus diesem Grund hat sich Josef Wartner unlängst auch an Robert Fahrner gewandt. „Denn sein Antrag, der hoffentlich bald gestellt wird, könnte uns soviel Erleichterung bringen“, sagt der Brennberger. Er wirft der Wiesenter Bürgerinitiative gegen den Steinbruch vor, nur gegen den Fahrner-Plan zu sein, weil vor ihrer Haustüre Steine geholt werden. Man müsse eben auch mal Veränderungen hinnehmen, auch wenn sie sich nachteilig auf den Ort auswirken sollten. Es könne nicht über Jahrzehnte hinweg Brennberg sein, das vom Schwerlastverkehr permanent gequält werde, sagt er.

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