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Samstag, 18. November 2017 5

Technik

Brückenbau stoppt den Zugverkehr

Binnen vier Stunden heben Fachleute mit einem schweren Kran die Träger für die neue Überführung bei Hagelstadt ein.
Von Christof Seidl, MZ

Binnen vier Stunden hoben die Spezialisten die fünf Metallträger der neuen Brücke über die Bahnstrecke bei Hagelstadt ein. Foto: Daniel Steffen

Hagelstadt.Um 1.30 Uhr rollt in der Nacht zum Sonntag noch ein „Alex“-Zug über die zweigleisige Bahnstrecke nach München. 15 Minuten später sind die Gleise komplett gesperrt, die Deutsche Bahn schaltet den Strom in den Oberleitungen ab. Es ist der Startschuss für ein minuziös geplantes Unternehmen: Binnen vier Stunden müssen die Mitarbeiter der Firma Berger Bau fünf schwere Stahlträger für die neue Brücke der Bundesstraße 15 über die Eisenbahntrasse einheben.

Die fünf Träger, jeder wiegt 27 Tonnen, liegen neben der Bahnstrecke bereit, der erste hängt bereits an dem 300 Tonnen schweren Autokran, als der Bahn-Mitarbeiter grünes Licht gibt. Langsam schwebt das 25 Meter lange Teil in Richtung Brücke, Flutscheinwerfer leuchteten die Baustelle aus. Langsam senkt der Kranführer den Stahlträger zwischen den beiden Betonwiderlagern der künftigen Bahnbrücke ab.

Die Mitarbeiter von Berger Bau müssen jeden der fünf Stahlträger millimetergenau in seine endgültige Position bugsieren. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes keine leichte Aufgabe: Jeder Träger ist 25 Meter lang und wiegt 27 Tonnen. Foto: Daniel Steffen

Jetzt muss jede Bewegung, jeder Handgriff sitzen. Der Stahlträger muss möglichst auf Anhieb an der richtigen Stelle auf den Widerlagern aufsitzen, für zeitraubende Korrekturarbeiten fehlt die Zeit, die Uhr tickt unerbittlich. Die Fachleute von Berger lassen sich durch den Zeitdruck nicht aus der Ruhe bringen. Routiniert weisen sie den Kranführer an, binnen 15 Minuten ist der erste Stahlträger an Ort und Stelle.

Schweißer fixieren die Träger

Die Fachleute kontrollieren die Position jedes Stahlträgers. Die gebogenen Eisendrähte gehören zu der Betonplatte, die später die Fahrbahn bildet. Foto: Daniel Steffen

Nachdem der zweite Stahlriese auf den Widerlagern aufsitzt und klar ist, dass er sich in der richtigen Position befindet, machen sich die Schweißer ans Werk. Die Träger müssen lagegesichert werden, wie das Michael Breu, der Abteilungsleiter Brückenbau beim Staatlichen Bauamt, nennt. Außerdem müssen die einzelnen Stahlträger geerdet werden. Die Bahn fordert diese Sicherheitsmaßnahme, falls einmal ein Draht der stromführenden Oberleitung reißen sollte. Außerdem bauen die Mitarbeiter einen Holzsteg ab, der nicht mehr benötigt wird und bei der Montage der Träger zum Hindernis wurde.

Sobald klar ist, dass ein Träger exakt richtig auf den Widerlagern aufliegt, ist das Schweißgerät an der Reihe. Der Träger wird lagegesichert und geerdet. Foto: Daniel Steffen

Um 5.30 ist die Aktion beendet. Alle Träger sind an Ort und Stelle, gesichert und die Baustelle soweit geräumt, dass die Bahn ihren Betrieb wieder aufnehmen kann. Der Ausweichtermin in der Nacht zum Montag ist damit überflüssig geworden. Allerdings haben die Mannen von Berger Bau von der guten Vorarbeit der Bahn profitiert. Offiziell war der Beginn der Bauarbeiten nämlich erst für 2.20 Uhr terminiert. Die gute halbe Stunde, die sie früher anfangen konnten, haben die Brückenbauer gut brauchen können. Ohne diese zusätzliche Zeit wäre es knapp ausgegangen, denn spätestens um 5.50 Uhr hätte die Bahn die Gleissperre aufgehoben. „Als Nächstes erhält die Stahlkonstruktion eine Schalung, um die Betondecke gießen zu können“, sagt Breu. Eine zehn Zentimeter dicke Betonschicht und die Armierung wurden bereits im Werk aufgebracht, die restlichen 20 Zentimeter Beton folgen nun vor Ort.

Flüsterbelag soll Lärm reduzieren

Abbau: Der Holzsteg, der notwendig war, um den Einbau der Stahlträger vorzubereiten, hat seinen Dienst getan. Er wird abgebaut. Foto: Daniel Steffen

Die neue Bahnüberführung ist Bestandteil der Verlegung der Bundesstraße 15 südlich von Hagelstadt. Insgesamt wird sie auf einer Länge von etwa 1,6 Kilometer neu gebaut. Die Kosten dafür betragen nach Breus Angaben voraussichtlich 7,5 Millionen Euro. Seit August laufen auch die Arbeiten an der Straße selbst. Als Erstes wird ein 500 Meter langes Teilstück zwischen Hagelstadt und der neuen Brücke fertiggestellt. Dort soll ein lärmreduzierender Flüsterbelag zum Einsatz kommen.

Mit der Maßnahme beseitigt das Staatliche Bauamt südlich von Hagelstadt ein Nadelöhr. Bisher führt die B15 durch eine schmale Bahnunterführung, durch die kein Lkw und Pkw gleichzeitig passen. Da die Unterführung wegen der engen Kurven auch schlecht einsehbar ist, bieten der Brückenneubau über die Bahnlinie und die deutlich weiteren Kurvenradien zur Brücke künftig mehr Übersichtlichkeit und Sicherheit.

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