mz_logo

Gemeinden
Samstag, 18. November 2017 5

Breitbandausbau

Das Schneckentempo bleibt bestehen

Das kleine Glapfenberg hat für ein schnelles Internet alle Hebel in Bewegung gesetzt. Doch es gibt wenig Hoffnungssignale.
Von Daniel Geradtz, MZ

  • Internet im Schneckentempo. Das ist für die Menschen in Glapfenberg immer noch Standard.
  • Im Kampf um eine gute Internetleitung sind die Glapfenberger unermüdlich.

Regenstauf. Sie fühlen sich abgehängt und im Stich gelassen: Seit einigen Jahren setzen sich die Glapfenberger für den Breitbandausbau in ihrem Ortsteil ein. In keinem der drei bayerischen Förderprogramme, die bislang auf den Weg gebracht wurden, kommt Glapfenberg zum Zuge.

Nachdem der Gemeinderat am 14. Februar über das dritte Förderverfahren abstimmte, bot die Gemeinde den Glapfenbergern zu Beginn des Monats ein Treffen an, um Klarheiten zu schaffen. Dem ist ein Briefwechsel zwischen den Bürgern und der Verwaltung vorangegangen. 22 Glapfenberger richteten einen Fragenkatalog an Bürgermeister Siegfried Böhringer und die Markträte.

Das Ergebnis des Treffens stellt die Glapfenberger wie Georg Sandner nicht zufrieden. „Das ganze Dorf war da. Aber es ist nichts Positives herausgekommen“, sagt er. Für ihn und seine Familie ist eine zuverlässige und schnelle Internetverbindung unabdingbar. Schließlich müssen die schulpflichtigen Kinder häufig im Netz recherchieren.

Hoffnung auf Höfebonus

Die Sachlage war ihnen bereits durch den Briefwechsel bekannt: Frühestens kommen die Glapfenberger beim vierten Förderprogramm zum Zuge. Die Mittel dafür stammen vom Bund. „Es ist ein Auswahlverfahren, bei dem nicht klar ist, ob Regenstauf überhaupt berücksichtigt wird“, so Sandner. Er sagt, dass es mindestens fünf Monate dauere, bis sie Klarheit darüber hätten. Erst dann würden die Bescheide verschickt.

Dazu heißt es im Schreiben, das Böhringer als Antwort auf die Fragen der Glapfenberger verfasste: Nach derzeitigem Stand stehen für die vierte Ausbaustufe noch etwa 30 Ortsteile mit etwa 100 Hausanschlüssen aus. „Für diese bereits eingeleitete Maßnahme beabsichtigt der Freistaat Bayern, die Bundesfördermittel (Förderquote 60 Prozent) für die ganz besonders unwirtschaftlichen Ortsteile auf 80 Prozent der Investitionskosten aufzustocken.“ Mit diesem sogenannten „Höfebonus“ will Finanzminister Markus Söder auch in Streusiedlungen eine schnelle Internetverbindung ermöglichen.

Zufriedenstellen kann die Glapfenberger auch die Zuschaltung des Kabelverzweigers (DSLAM) in St. Martin kaum. Damit würde ab dem Sommer zwar die Surfgeschwindigkeit von derzeit 365 kbit/s auf schätzungsweise 6000 Bit/s erheblich erhöht. Doch die 50 Mbit/s einer Breitbandleitung würden sie immer noch nicht ansatzweise erreichen.

Die Verwaltung spricht von einer vorübergehendeSchnelles Internet für (fast) allen Zwischenlöschung. „Wenn Glapfenberg in die dritte Ausbaumaßnahme mit hinein genommen worden wäre, hätten andere größere Ortsteile das Nachsehen. Die wären nicht minder unglücklich“, heißt es in dem Antwortbrief. Außerdem: „Da die Gemeinderäte auch die kommunale Finanzverantwortung tragen, wäre es nur schwer nachvollziehbar, wenn die besonders unwirtschaftlichen Maßnahmen zum geringen Fördersatz ausgebaut werden und die wirtschaftlicheren Maßnahmen nicht in den Genuss einer erhöhten Förderung kommen.“

Wegen des verantwortungsbewussten Umgangs mit Steuermitteln spreche einiges dafür, für die besonders aufwendigen Maßnahmen erhöhte Fördermittel in Anspruch zu nehmen, anstatt günstigere Arbeiten selber zu finanzieren und dabei nur eine geringere Förderung zu erhalten.

Weil für jeden Hausauschluss in Glapfenberg durchgehend über 10 000 Euro kalkuliert werden müssen, stuft die Verwaltung die Versorgung des Gemeindeteils als „besonders unwirtschaftlich“ ein und hofft darauf, den Förderhöchstsatz als Unterstützung zu erhalten.

Kabelverzweiger unwirtschaftlich

Als Erklärung, warum der Ausbau in Glapfenberg so kostspielig ist, führt Böhringer aus, dass der wirtschaftliche Betrieb eines Verzweigers erst ab einem Volumen von 20 Endkunden zu realisieren sei. In dünn besiedelten Gebieten wie Glapfenberg sei daher nur der Glasfaseranschluss bis in die Häuser zielführend. „Das ist die teuerste Lösung, die nach Entscheidung des Finanzausschusses erst abgearbeitet wird, wenn die wirtschaftlichen Anschlüsse realisiert sind.“ Selbst wenn ein sogenannter DSLAM eingerichtet würde, müsse er nach dem Auslaufen der Förderbindung wegen Unwirtschaftlichkeit wieder abgeschaltet werden.

Bei der am morgigen Mittwoch stattfindenden Bürgerversammlung in Karlstein wird die Internetversorgung wieder ein Thema werden. Schon vor einigen Wochen war der Bürgermeister davon überzeugt. Dies prognostizierte er im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Was bisher geschehen ist

  • Behördengänge nicht möglich

    Die Bewohner: Die Glapfenberger setzen sich schon lange für eine schnellere Internetverbindung in ihrem Gemeindeteil ein. Mit der jetzigen schwachen Bandbreite ist es für sie nicht möglich, Behördengänge oder täglich anfallende Recherchen über das Netz zu erledigen. Zudem ist der Mobilfunkempfang stark eingeschränkt. Im Dezember organisierte Familie Schmidt aus Glapfenberg eine Informationsveranstaltung. Damals berichtete Ingenieur Josef Ledermann über die Möglichkeiten, um das Problem zu lösen. Ledermann ist für die Planung des Breitbandausbaus zuständig.

  • Besuch bei der Landrätin

    Im Sommer 2015 blieb ein Besuch bei Landrätin Tanja Schweiger für die Glapfenberger unzufriedenstellend. Es hieß, sie müssten sich mit dem derzeitigen Stand zufriedengeben. Im September 2016 wandte sich der Glapfenberger Friedrich Spörl auch an das zuständige Ministerium.

  • Gemeinde: Nachdem Beschluss des Marktgemeinderats über die dritte Förderstufe richteten sich die Glapfenberger unlängst mit einem Fragenkatalog an den Bürgermeister. Im Anschluss an den Briefwechsel fand ein Treffen statt, um offene Fragen zu beantworten.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht