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Gemeinden
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Konzept

Der Verkehr in Tegernheim wird steigen

Die Gemeinde setzt etliche von Planern empfohlene Maßnahmen um. Gegen den Durchgangsverkehr lässt sich aber wenig ausrichten.
Von Michael Jaumann, MZ

Bis zu 14 000 Fahrzeuge – fast alles Pkw – sind täglich in der Tegernheimer Ortsdurchfahrt unterwegs. Fotos: Jaumann

Tegernheim.Die Stadtrandgemeinde hat schon zu Zeiten, als sich anderswo noch die Autos mühsam durch die Orte quälten, eine gut ausgebaute Ost-West-Verkehrsader bekommen. Recht glücklich wurde man damit aber nie: Die Trasse zerteilt die Gemeinde und macht das Überqueren schwierig. An ihr konzentriert sich wenig Gewerbe und dafür viel Wohnbebauung. Und auf ihr rollt unablässig der Verkehr.

Nach der 2015 erstellten Verkehrsuntersuchung des Büros Geo.ver.s.um sind beim Kreisverkehr am westlichen Ortseingang 13 550 Fahrzeuge unterwegs. Bis zur Einmündung der Ringstraße in der Ortsmitte steigt der Verkehr auf knapp 14 000 Fahrzeuge an, um anschließend bis zum östlichen Kreisverkehr auf 11 500 Fahrzeuge täglich abzusinken.

Der Schwerverkehr ist gering

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die über Lastwagen stöhnen, ist der Schwerverkehr mit vier bis fünf Prozent Anteil aber niedrig. Ein Drittel davon stammt sogar von den fünf Buslinien, die Tegernheim erschließen.

Zwei Drittel des Verkehrs werden der Verkehrsuntersuchung zufolge nicht von den Tegernheimern selbst verursacht. Der sogenannte Ziel- und Quellverkehr macht damit nur ein Drittel aus, der Rest ist Durchgangsverkehr. Weil in Richtung Vorwald die Gemeinden weiter Wohngebiete ausweisen, dürfte der Durchgangsverkehr weiter zunehmen. Aber auch Tegernheim wird weitere Wohngebiete ausweisen und im Ortskern über Nachverdichtung Bauen ermöglichen. Der motorisierte Individualverkehr wird in Tegernheim selbst somit ebenfalls steigen.

Um eine Ortsumfahrung als Lösung von Verkehrsproblemen war es still geworden, nachdem sich der Gemeinderat vor fast zehn Jahren parteiübergreifend gegen eine Südumgehung mit neuer Donaubrücke aussprach. Eine Nordumgehung ist zudem bereits seit über 30 Jahren aus der Bauleitplanung getilgt.

Die Vision der Ost-Süd-Spange

Kürzlich wurde diese Vision wieder lebendig, als sich die CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer mit Vertretern der CSU und dem Staatlichen Bauamt traf, um Verbesserungen der Verkehrssituation am Ort zu besprechen. Dabei wurde eine Ost-Süd-Spange als großes Ziel der Tegernheimer CSU bezeichnet. Der Bereichsleiter Straßenbau Alexander Bonfig und Abteilungsleiter Manfred Rieger vom Staatlichen Bauamt erklärten, diese Spange könne nur gebaut werden, wenn sie bei der Fortschreibung des Ausbauplans für die Staatsstraßen als dringlich eingestuft werde. Für die Einstufung spielten Nutzen und Kosten die entscheidende Rolle.

Tegernheim werde sich zu Wort melden, wenn es 2021 um die Fortschreibung des Ausbauplans gehe, versichert Bürgermeister Max Kollmannsberger (FW), der zu diesem Gespräch der Abgeordneten mit dem Bauamt nicht geladen war. Gleichwohl gibt er dem Projekt einer Donauüberquerung mit anschließender Süd-Ost-Umfahrung von Tegernheim wenig Realisierungs-Chancen. Die Trasse müsste auf ihrem Weg durch das Überschwemmungsgebiet aufgeständert werden und dürfte damit dem Staat zu teuer kommen, glaubt er.

Ab sofort wird in der Gemeinde das Ein-Euro-Ticket für den Bus angeboten. RVV-Geschäftsführer Josef Weigl, Bürgermeister Kollmannsberger und Seniorenbeauftragter Robert Mazzotta (von links) freuen sich. Foto: Jaumann

Anstelle einer – wenn überhaupt – in ferner Zukunft liegenden Entlastung durch eine Umgehung, will der Bürgermeister lieber den nichtmotorisierten Verkehr verbessern. Damit würden Anreize geschaffen, zu Fuß mit dem Bus oder dem Rad unterwegs zu sein. So hat der Gemeinderat das Ein-Euro-Ticket für den RVV beschlossen, das seit Anfang März gültig ist.

Straßen sicherer machen

Wie die Verkehrsuntersuchung vorgeschlagen hat, sollen die Geh- und Radwege entlang der Staatsstraße sicherer gestaltet werden. Mit der Sanierung der Ringstraße in den nächsten zwei Jahren soll im Zusammenwirken mit dem Bauamt Bürgersteige und Radwege an der Einmündung in die Hauptstraße sicherer gemacht werden. Die Gehwege in der Ringstraße sollen dabei ebenfalls verbreitert bzw. neue angelegt werden. Auch bei der Einmündung der Weinbergstraße in die Ortsdurchfahrt soll die Sicherheit für die nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer erhöht werden. Den Wust an Werbeanlagen an den Verkehrszeichen möchte die Gemeinde ebenfalls reduzieren, und damit die Sicherheit verbessern.

An der Einmündung des Kindlwegs in die Hauptstraße, wo Schulkinder die Staatsstraße überqueren, hat das Bauamt bisher eine Fußgängerampel abgelehnt. Beim Gespräch mit der CSU haben sich die Vertreter des Bauamts bereit erklärt, das Ampelthema mit Landratsamt und Polizei zu besprechen. Der Bürgermeister wird sich seitens der Gemeinde erneut nachdrücklich beim Bauamt um eine Ampel bemühen.

Was künftige Baugebiete betrifft, die im Südwesten und Südosten möglich sind, solle die Gemeinde dem Vorschlag der Verkehrsgutachter folgen, und diese jeweils unmittelbar an die Kreisverkehre anbinden. Diese Trassen würden nicht nur zusätzlichen Verkehr von der Ortsdurchfahrt nehmen, sondern sogar den Verkehr bestehender Wohnstraßen aufnehmen, glaubt der Bürgermeister.

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