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Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Engagement

Dorfgemeinschaft packt selbst mit an

Eine aktive Gruppe will Kürn aufwecken. Ideen sind gesammelt, erste Aktionen waren erfolgreich, ein Verein ist das Ziel.
Von Ralf Strasser, MZ

Beim „Renovieren“ der Linden-Allee half die neu gegründete Dorfgemeinschaft engagiert zusammen. Foto: Kaiser/msr

Bernhardswald.Es sind die offenen Arme, die stilisiert auf den Betrachter einwirken. Und es sind helfende Hände, die im Miteinander wirken. Das Logo ist Programm und gehört einer Initiative, die sich „Dorfgemeinschaft Kürn“ nennt und mit dem Slogan „Komm, mach mit, wir machen Kürn gemeinsam“ auf ihrem Flyer wirbt.

Georg Eisenhut, Alexander Ernst, Christian Kalesse, Herbert Kaiser und Ludwig Erl sind das, was man den „harten Kern“ nennt. Ein Kern, der Ideen aufstellt, einsammelt, bündelt. „Wir sind nicht nur wir fünf, unsere Gruppe ist mittlerweile schon bei 15 Gleichgesinnten angelangt“, stellt Kaiser richtig. Tendenz: „Hoffentlich steigend“. „Mittlerweile“, das sind inzwischen etwa sechs Monate seit der Gründung der Initiative. Ihr Ziel: Stärkung der Dorfgemeinschaft. „Wir wollen eine große Klammer um die Gemeinde und die Vereine sein“, sagt Georg Eisenhut. Will heißen: Helfen, und wo es geht im Verbund. Die Initialzündung für die Gründung von „Dorfgemeinschaft Kürn“ war die Interessensgruppe „Agenda 2.0 Bernhardswald“, die im Februar mit einer Versammlung in Kürn für das aktive Mitwirken in der Gemeinde warb.

Keinesfalls eine Konkurrenz

Braucht es in der Gemeinde Bernhardswald zwei Bürgerplattformen? „Das ist nicht das Thema“, sagt Alexander Ernst, der sich als „ehemaliges Mitglied von Agenda 2.0“ vorstellt. „Wir wollen keinesfalls als Konkurrent oder Gegenbewegung auftreten, doch wir sind der Meinung, dass man hier in Kürn etwas reißen kann. Hier ist der Zusammenhalt viel intensiver.“ Eine Meinung, die offenbar auf offene Ohren stieß, denn nach der Vorstellung von Agenda 2.0 hat sich spontan die vielköpfige Arbeitsgruppe „Dorfgemeinschaft Kürn“ zusammengefunden, Ideen und Vorstellungen inklusive. Von der Pflege von Wanderwegen bis zum Mai- und Kirtabaumaufstellen reicht die lose Blattsammlung. Die Ideen hat man in einem Prioritätenpapier formuliert. Rama-Dama-Aktionen, Instandsetzungen, Renovierung der Sitzbänke, ein Dorfladen. Die Wirtshausproblematik möchte man ebenso anpacken wie Loipen spuren oder den Sportplatz reanimieren.

Dazu gehören auch Traditionen, mit denen man den Ortsteil Kürn wieder zu einem „Bündnis“ zwischen Jung und Alt machen möchte. „Kürn ist im Schlafmodus“, betont Kalesse, „wir wollen es wieder aufwecken“. „Zurück zu den Wurzeln“, nennt er das Ansinnen und erinnert an 1983. Damals hat es eine Dorfgemeinschaft zum Titel „Schönstes Dorf in Bayern“ geschafft.

Es gilt auch, Rückschläge zu verkraften: Eine Versammlung am 18. Mai, in der man über Wünsche und Verbesserungen mit möglichst vielen Kürnern sprechen wollte, hatte „Luft nach oben“, wie Kaiser konstatierte. „Viele sind nicht gekommen, aber das muss sich auch erst einspielen.“

Inzwischen ist das Pflichtenheft bei den regelmäßigen Treffen der Gruppe mit aktiver Whats-App-Verbindung gewachsen, mit Themen, die man eben gemeinsam anpacken will. „Wir geben die Aufgaben und Wünsche nicht einfach an die Gemeinde weiter, sondern packen selber mit an.“ Als Beispiel nennt Erl ein Bushäuschen in Kürn. Die Auffrischung mit Manpower übernimmt die Gruppe, Materialkosten steuert die Gemeinde bei. „Eine Win-win-Situation“, ergänzt Kalesse.

Für mehr erfolgreiches Helfen

Das gilt auch für einen Seniorennachmittag, der im Juli auf Initiative der Gruppe im Pfarrheim abgehalten wurde. „Eine Veranstaltung, die wir aufgrund des großen Erfolgs auf jeden Fall wiederholen“, meint Kaiser. Auch hier gilt das Element der Zusammenarbeit, in diesem Fall mit dem gemeindlichen Seniorenbeauftragten.

Etwaigen Vorwürfen, man sei eh nur ein Ableger der Initiative Agenda 2.0 oder gar eine politische Gruppe, erteilt die „Dorfgemeinschaft Kürn“ eine klare Rote Karte. Langfristig, so Kalesse, will man auf eigenen Füßen stehen, auch finanziell, dann im Konstrukt eines Vereins für mehr Initiative und für mehr erfolgreiches Helfen.

Voraussetzungen und Ideen

  • Historie:

    Eines der Ziele ist, die Geschichte des Dorfs wieder präsent zu machen. „Ich könnte mir eine Art Dorfmausführung durch Kürn vorstellen“, meint Christian Kalesse in Anspielung auf die Stadtmaus in Regensburg, „damit auch die jüngere Generation weiß, in welchem Umfeld sie groß wird“.

  • Ziele:

    „Wir sind auf gutem Weg“, betont Georg Eisenhut. „Doch wir lassen uns Zeit und überstürzen nichts.“

  • Natur:

    Kürn mit seinen etwa 900 Einwohnern habe das Glück, in einer wunderbaren Natur eingebettet zu sein. „Mit diesem Pfund will die Dorfgemeinschaft punkten“, sagt Herbert Kaiser.

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