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Dienstag, 21. November 2017 5

Jubiläum

Festakt: Nur Söder parkte kostenlos

Die Gäste in der Walhalla in Donaustauf mussten zahlen. Die Parkwächterin kassierte Gebühren, weil Anweisungen fehlten.
Von Christof Seidl, MZ

Der Pächterin des Walhalla-Parkplatzes war die Situation bei dem Festakt peinlich. „Ich wusste einfach nicht, ob ich kassieren soll oder nicht“, sagte die Parkwächterin. Foto: Seidl

Donaustauf.An dieser Schranke kommt keiner vorbei, ohne zu bezahlen: Der Parkplatz, den Besucher der Walhalla über eine schmale Zufahrtsstraße erreichen, ist gebührenpflichtig. 2,50 Euro sind fällig, wenn man dort stehenbleiben will, um über einen bequemen Fußweg zum Ruhmestempel zu gelangen.

175 Jahre ist es her, dass die Walhalla auf dem Bräuberg über Donaustauf eröffnet worden ist, Anlass für einen großen Festakt am Montagabend. Die Parkgebühr mussten aber auch die handverlesenen Gäste zahlen, die Finanz- und Heimatminister Markus Söder als Hausherr in den monumentalen Prachtbau eingeladen hatte. „Die Walhalla ist ein Symbol für die nationale Einheit Deutschlands“, sagte Söder in seiner Ansprache, „für gemeinsame Identität, Sprache und Kultur“.

Auch der Chauffeur musste zahlen

Ob der Heimatminister gewusst hat, dass die Walhalla auch für gemeinsame Parkgebühren steht? Zumindest er selbst musste ja nicht zahlen. Die Dienstlimousinen des Ministers und seines Anhangs durften direkt neben der Walhalla parken. Die „normalen“ Gäste mussten dagegen mit dem regulären Besucherparkplatz vorliebnehmen. Und nicht wenige von ihnen runzelten die Stirn ob des Szenarios vor der Parkfläche. Am Eingang musste jedes Fahrzeug stehenbleiben, dann waren 2,50 Euro fällig, im Gegenzug gab es das offizielle nummerierte Parkticket und eventuelles Wechselgeld.

Eine MZ-Serie zum Thema 175 Jahre Walhalla finden Sie hier!

Selbst der Chauffeur von Landrätin Tanja Schweiger blieb nicht verschont. Er habe die Landrätin zwar oben an der Walhalla absetzen dürfen, erklärte der Pressesprecher des Landratsamts, Hans Fichtl, am Dienstag auf Anfrage der Mittelbayerischen. Anschließend habe der Chauffeur aber das Dienstfahrzeug auf dem Besucherparkplatz abstellen – und die 2,50 Euro bezahlen müssen.

Unter einigen der geladenen Gäste von Minister Söder hatte die Parkgebühr für Verwunderung gesorgt. Den meisten ging es aber gar nicht um die Parkgebühr selbst, sondern um die Zeitverzögerung, die dadurch entstand. Ab 17.30 Uhr bildete sich eine lange Schlange vor der Schranke, weil jeder Fahrer erst die Gebühr bezahlen musste, bevor er einfahren durfte. Nachdem dann auch noch der Fußmarsch zur Walhalla hinzukam, wären etliche Gäste deutlich zu spät zum Festakt gekommen.

Der Festakt zum Walhalla-Jubiläum begann mit Verspätung, weil das Abkassieren der Parkgebühren für Verzögerungen sorgte. Foto: Jens Niering

Um dies zu verhindern, starteten die Feierlichkeiten mit einiger Verzögerung. Auch die Pressesprecherin der Stadt Regensburg, Juliane von Roenne-Styra, hatte von Kollegen erfahren, dass bei der Anfahrt ein „totales Durcheinander“ geherrschthabe.

Der Ruhmestempel, zu dem der Parkplatz gehört, ist seit 2016 in der Obhut der Bayerischen Schlösserverwaltung, die dem Finanz- und Heimatministerium untersteht. Die Parkfläche ist seit 30 Jahren an Annemarie Neßlauer verpachtet, die die Gebühren kassiert und für Ordnung sorgt.

Parkwächterin: „Blöde Situation“

Sie sprach gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung von „einer blöden Situation“. „Ich wusste einfach nicht, ob ich kassieren soll oder nicht.“ Von der Schlösserverwaltung sei ihr nur mitgeteilt worden, dass der Parkplatz ab 18 Uhr frei zu halten sei und dass 200 Gäste erwartet werden. In dem Schreiben verweist die Schlösserverwaltung auf weitere Instruktionen. Die habe sie aber nie erhalten.

Heimatminister Markus Söder bei seiner Ansprache in der Walhalla Foto: Jens Niering

Die Musiker und die ersten Gäste hat Neßlauer noch kostenlos parken lassen, dann seien aber Fahrzeuge aus Regensburg gekommen und dann wieder Gäste mit Einladung. „Viele haben gesagt, kassieren Sie ruhig, das passt schon.“ Andere beschwerten sich, sie hätten schließlich eine Einladung. Eine Frau habe sogar gedroht, dass „das ein Nachspiel haben wird“.

Neßlauer war die Situation peinlich. Die Autos seien zeitweise den ganzen Hang hinunter gestanden. „Bei früheren Büsteneinweihungen war das klar geregelt“, sagte die Parkwächterin. Sie habe noch den ganzen Montagnachmittag auf eine Anweisung gehofft, weil Mitarbeiter der Schlösserverwaltung vor Ort gewesen seien, aber es sei niemand gekommen.

„Ich wusste einfach nicht, ob ich kassieren soll oder nicht.“

Parkwächterin Annemarie Neßlauer

Das bayerische Finanz- und Heimatministerium teilte auf Anfrage mit, dass die Pächterin gebeten worden sei, am Tag des Festakts ab 17 Uhr kein Parkentgelt zu erheben. Scheinbar sei es bei den Absprachen zu einem Missverständnis gekommen, so dass bedauerlicherweise doch ein Entgelt kassiert worden sei.

Kritik an den Gebühren gab es vereinzelt auch am Dienstag. Der Grund: Die ganze Woche über gilt auf der Walhalla freier Eintritt. Das müsse dann auch für den Parkplatz gelten, meinten einige Fahrer. Einen Vorteil hat die Aktion nach Neßlauers Ansicht aber: „So viele Besucher haben wir um diese Jahreszeit sonst nicht“.

Lesen Sie mehr:

Nach 14 Jahren wird die Walhalla am Samstag, 21. Oktober, erstmals wieder Schauplatz eines musikalischen Feuerwerks.

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Das Walhalla-Jubiläum

  • Festwoche:

    In der Festwoche erhalten alle Besucher der Walhalla freien Eintritt. Höhepunkt der Festlichkeiten wird ein musikalisches Prachtfeuerwerk am Samstagabend sein.

  • Sperrung:

    Aus Sicherheitsgründen werden die Zufahrten zur Walhalla dann weiträumig abgesperrt. Besucher sollen das südliche Donauufer nutzen.

  • Zuständigkeit:

    Seit 2016 ist der Ruhmestempel in der Obhut der Bayerischen Schlösserverwaltung, die dem Finanz- und Heimatministerium untersteht.

  • Auswahl:

    Das bayerische Kultusministerium ist zuständig für die Auswahlverfahren der Büsten. Jüngster Neuzugang war Heinrich Heine (2010).

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