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Samstag, 18. November 2017 5

Gesellschaft

Für seine Überzeugungen einstehen

Für Schüler der Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule ist Widerstand aktuell. Axel Smend motiviert mit seiner Geschichte.
Von Sabine Norgall, MZ

Widerstand fängt mit der Haltung jedes Einzelnen an. Darüber waren sich Ludwig Erl, Ferdinand Graf von Drechsel, Luisa Kirschmann, Patricia Spreizer, Geschichtslehrerin Barbara Richt-Niklas, Nikolai Motzel und Maxi Neßlauer (von links) einig. Foto. Norgall

Regenstauf.Den Namen eines Widerstandskämpfers gegen die NS-Diktatur, Graf Stauffenberg, oder die Geschwister Scholl, tragen viele Schulen im Namen. An der Realschule in Regenstauf ist die Beziehung zwischen Namensgeber und Schule ein viel engere. Hier ist der Bezug zu dem Namensgeber, Max-Ulrich von Drechsel aus Karlstein, der zu den Attentätern des 20. Juli gehörte, eine persönliche. Der Namensgeber ist präsent durch die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, dem Förderkreis der Schule unter Leitung des ehemaligen Rektors Ludwig Erl und Ferdinand Graf von Drechsel, dem Neffen des Widerstandskämpfers. Bereits in der fünften Klasse werden die Schüler erstmals an den Namensgeber der Schule herangeführt, es gibt jährlich einen Graf-Drechsel-Preis, der für soziales Engagement vergeben wird. Die Button-Aktion „Sei ein Max“ ermahnt zur Zivilcourage im Alltag.

Bezug zum Namen ist wichtig

Patricia Spreizer: „Widerstand fängt bei mir an. Es ist wichtig, den eigenen Standpunkt deutlich zu machen, nein zu sagen zu Dingen, die ich nicht will, ohne andere zu unterdrücken. Günther Smend hat in das Büchlein „Gedanken sind Kräfte“ viele aufmunternde Worte geschrieben. Ich weiß nicht, ob ich das in der Situation könnte.“ Foto: Norgall

Ludwig Erl, Vorsitzender des Förderkreises der Schule, betont: „Es ist uns wichtig, dass Schulalltag und Name einen Bezug haben.“ Auf Vermittlung von Graf Drechsel wird am Donnerstag, 26. Oktober, um 19 Uhr, Dr. Axel Smend aus seinen ganz persönlichen Erinnerungen an seinen Vater berichten. Axel Smend ist Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944. In seinem Vortrag „Gedanken sind Kräfte“ nähert er sich mit der Geschichte seiner Familie an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus an.

Luisa Kirschmann: „Ich finde es wahnsinnig, welche Hoffnung, welch optimistischer Blick in die Zukunft in dem Büchlein von Günther Smend vermittelt wird. Axel Smend schreibt so über seinen Vater, dass junge Menschen auch heute die Hoffnung nicht verlieren und merken, Aufgeben ist nie eine Alternative.“ Foto: Norgall

Im Vorfeld des Vortrags hatte unser Medienhaus die Gelegenheit, sich mit vier Schülerinnen und Schülern der Abschlussklasse 10e zu unterhalten. Sie hatten das kleine Büchlein, das zu dem Vortrag von Axel Smend vorliegt, schon im Vorfeld gelesen und waren sich einig: Solche Vorträge sind wichtig. Eine persönliche Schilderung eines Zeitzeugen, sind sie überzeugt, könne über das Gefühl viel mehr in den Zuhörern auslösen, als das durch die reine Lektüre möglich sei. So würden auf emotionaler Ebene auch die erreicht, die mit dem Lesen nicht viel am Hut hätten. Beim reinen Lesen, sagt eine der Schülerinnen, könne es vorkommen, dass man aus heutiger Sicht falsche Dinge in den Text hineininterpretiere, „weil wir es uns gar nicht mehr vorstellen können, wie es damals war“.

Nikolai Motzel: Seine eigene Meinung zu vertreten, das ist das, was uns ausmacht. Heute muss keiner dafür, was er sagt, mit Konsequenzen rechnen. Das ist ein wichtiger Schritt, den wir in der Bundesrepublik erreicht haben. Die Kunst dabei, Widerstand zu leisten, ist die, es so zu tun, dass nicht wieder neue Konflikte entstehen.“.“ Foto: Norgall

Die Schülerinnen und Schüler haben den Vortrag nicht nur als Zeitdokument gelesen. Angeregt von ihrer Geschichtslehrerin Barbara Richt-Niklas, haben sie versucht, den Widerstand in der NS-Diktatur auf die heutige Zeit zu reflektieren.

„Es ist erschreckend, wie aktuell vieles heute wieder ist“, sagen sie und spannen auch den Bogen zur Flüchtlingsfrage. Sie sind überzeugt: „Man kann stolz auf sein Land sein und trotzdem andere willkommen heißen.“ Mit den aktuellen Parolen von Rechtspopulisten, befürchten sie, könne es leicht sein, „dass der gute Ruf, den sich Deutschland in der Welt erarbeitet hat, bald wieder auf der Kippe steht“.

Maxi Neßlauer: „Widerstand ist ein aktuelles Thema. Erdogan stempelt uns alle als Nazis ab. Wir sollen nicht bestreiten, was alles passiert ist, aber wir dürfen daran erinnern, dass es auch Widerstand gab. Wer heute in den sozialen Medien die Gräuel von damals ins Lächerliche zieht, das können nur Leute sein, die sich damit nie beschäftigt haben.“.“ Foto: Norgall

Die Schüler der Max-Ulrich-von Drechsel-Realschule wissen, dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist. Ihre Lehrerin Richt-Niklas berichtet schmunzelnd über die „Drohung“, die sie ihren Schülern für die Zukunft mitgibt: „Geht bloß zur Wahl, sonst verfolge ich euch im Traum.“

Einladung an alle

Der Vortrag am 26. Oktober ist ein Pflichttermin für alle zehnten Klassen. Auch alle Angehörigen der Schüler und alle Interessierte an dem Thema sind eingeladen. Alle Zehntklässler bekommen, finanziert von Förderkreis und Schule, das Büchlein mit dem Vortrag von Axel Smend als Geschenk. Interessierte können es nach dem Vortrag in der Realschule erwerben.

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