mz_logo

Gemeinden
Samstag, 18. November 2017 5

Abenteuer

Harter Sommer für die Hüttenwirte

Ein Pielenhofener Paar lebt seinen Traum im Hochgebirge – und kämpft gegen Wetterkapriolen, Stromausfälle und Wassermangel.
Von Claudia Kreissl, MZ

Bergidylle auf der Sudetendeutschen Hütte Foto: Freisleben

PIELENHOFEN.Carol Freisleben atmet am Telefon hörbar durch. „Es ist hart“, sagt die junge Hüttenwirtin aus Pielenhofen. Seit mehr als elf Wochen ist die 2650 Meter hoch gelegene Alpenvereinshütte nicht weit vom Großglockner für Carol Freisleben und Felix Meier zur vorübergehenden Heimat geworden. Das junge Paar aus Pielenhofen hat sich einen Traum erfüllt und bewirtschaftet mitten in überwältigender Bergkulisse die Schutzhütte, die Unterschlupf für bis zu 55 Bergsteiger bietet.

Doch die herrliche Natur ist eben nur eine Seite. Die andere sind die Klima- und Wetterkapriolen, mit denen das junge Paar in den vergangenen Wochen zu kämpfen hatte. Denn wenn das Wetter nicht so recht mitspielen mag, ist es alles andere als ein Zuckerschlecken, im Hochgebirge eine Bergsteiger-Hütte zu betreiben. Das mussten die beiden Pielenhofener seit Juni zur Genüge erfahren. Denn ausgerechnet in ihrer ersten Saison im südlichen Teil der Granatspitzgruppe hat sich der Sommer nicht immer von seiner schönsten Seite gezeigt.

Der Sommer brachte Schnee

Mehrmals hat er sogar Schnee gebracht und verwandelte die Gebirgslandschaft rund um die Hütte zumindest kurzzeitig in eine Winterwunderwelt. Ihrem Mut und ihrer positiven Einstellung konnte das alles zunächst nichts anhaben. „So ist das Leben eben in den Bergen“, schrieb Carol Freisleben Ende Juli in einer Mail und hoffte da noch, dass die Sonne nochmal volle Kraft aufnimmt.

Schließlich hat sich das junge Paar einen Traum erfüllt.

Eineinhalb Jahre lang haben sie sich beworben, bevor sie den Zuschlag für die Sudetendeutsche Hütte bekamen. Sie gehört der DAV-Sektion Schwaben. Die siebthöchste Hütte in den österreichischen Alpen gehört zu den kleineren Unterkünften für Bergsteiger. Zu erreichen ist sie nur zu Fuß – nach vier bis fünf Stunden Gehzeit, je nachdem, welche Route man wählt.

Dass im Hochgebirge nicht alles so klappt wie geplant, lernten die beiden jungen Hüttenpioniere sehr schnell. Denn trotz beinahe generalstabsmäßiger Vorarbeiten, für die die beiden zunächst einmal rund 30 000 Euro vorfinanzieren mussten, gestaltete sich schon die Inbetriebnahme der Hütte nicht so einfach, wie sie sich das vorgestellt hatten. Mussten sie doch Anfang Juni eineinhalb Meter tief schaufeln, um an die Wasserquelle zu kommen, die noch zugefroren war.

Das Video von Carol Freisleben zeigt Eindrücke von der Sudetendeutschen Hütte

Ankunft an der Sudetendeutschen Hütte

Da auch die Rohre noch vereist waren, musste eine provisorische Zuleitung zu den Wasserhochbehältern gelegt werden. Von dort läuft das kostbare Nass dann in eine UV-Filteranlage, in der es von Keimen und Bakterien gereinigt wird, bevor es als Trinkwasser verwendet werden kann. In Betrieb genommen werden musste zudem das Blockheizkraftwerk, das für die Stromversorgung zuständig ist und die kleine Materialseilbahn. Nicht zuletzt musste für Brennholz gesorgt werden, denn auch im Sommer kann es ziemlich kühl werden auf der Hütte.

Das Bier fliegt ein. Foto Freisleben

Die nächste Hiobsbotschaft erreichte die Hüttenwirte aus Pielenhofen dann kurz vor dem entscheidenden Termin vor dem Saisonauftakt. Denn alles, was für vier Monate Hüttenbetrieb benötigt wird, muss mithilfe eines Hubschraubers hinaufgebracht werden. Das sind etwa zehn Tonnen Material in großen Säcken verpackt. Rund 20 Mal muss der Helikopter dafür hin- und herfliegen. Zum anvisierten Termin am 16. Juni war das aber nicht möglich.

Denn die Wettervorhersagen waren für diesen Tag zu schlecht. Kurzerhand wurde der Termin um zwei Tage vorverlegt. Alle Lieferanten und Helfer mussten also früher als geplant am Start sein. Was zunächst fast für Chaos sorgte, lief schließlich wie am Schnürchen. Das Wetter war perfekt, alle Helfer waren vor Ort und die Lieferanten hatten fast alles pünktlich angeliefert.

Eine Hütte hoch in den Bergen

Erleichtert feierten Carol Freisleben und Felix Meier daraufhin die Hütteneröffnung, nur um wenige Tage danach gleich mit dem nächsten Schlag konfrontiert zu werden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn ein Blitz schlug in der Hütte ein und zerstörte fast alle Geräte, die für einen laufenden Betrieb nötig sind. Jetzt ging es erst richtig ans Eingemachte: Telefon, Internet, Kaffeemaschine, Warmhaltebecken, Waschmaschine – alles musste neu besorgt werden, und das ohne Hubschrauber. Das heißt: Nach einem mehrstündigen Abstieg ins Tal mussten die Geräte gekauft und schließlich mit der Seilbahn und dem Bulldog auf die Hütte geschafft und montiert werden. Zwei Wochen dauerte es letztlich, bis alle Gerätschaften wieder voll funktionsfähig waren.

Wanderer brachten Eier mit

Doch wer eine Hütte auf mehr als 2500 Metern betreibt, die einen gut vierstündigen Aufstieg erfordert, der muss auch mit viel profaneren Problemen umgehen – und findige Lösungen parat haben. Das gilt beispielsweise für die Frage, wie man mal an frische Eier kommt. Als sich bei Carol Freisleben Bergsteiger-Freunde aus Regensburg anmeldeten, fragte die Hüttenwirtin kurzerhand, ob ihr die Gruppe nicht Eier mit heraufbringen kann.

Gefragt, getan: Die Truppe deckte sich in Regensburg mit frischen Eiern ein, packte jede freie Lücke in den Rucksäcken damit voll und transportierte sie ohne Verluste nach oben. Zur Belohnung gab es am Abend hoch oben in den Ostiroler Alpen einen stärkenden Kaiserschmarrn - zubereitet aus Regensburger Eiern.

Der Hubschrauber liefert Material an. Foto: Freisleben

Doch trotz dieser kleinen Erfolgserlebnisse haben die harten Wochen im Hochgebirge mittlerweile an den beiden Pielenhofenern genagt. Denn immer wieder mussten sie mit Stromausfällen fertig werden – und jetzt geht ihnen auch noch das Wasser aus. „Der Winter war zu warm“, erzählt Carol Freisleben. Das, was vom benachbarten Gletscher noch übrig ist, liefert kaum noch Wasser für die Quelle. Deshalb wird das Abenteuer des jungen Paares im Osttiroler Hochgebirge wohl schon in wenigen Wochen zu Ende gehen. Die Bilanz fällt schon jetzt nicht positiv aus. „Es wird wohl gerade mal kostendeckend gewesen sein“, vermutet Carol Freisleben.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht