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Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Hobby

Im bunten Paradies ist die Ernte vorbei

In der Gartenanlage am südlichen Ortsrand von Laaber wandert in diesen Wochen der letzte Lauch in die Erntekörbe.
Von Peter Pavlas, MZ

Elf Freizeitgärtner verbringen viel Zeit in der kleinen Gemeinschaft am südöstlichen Siedlungsrand des Markts Laaber. Fotos: Peter Pavlas

Laaber.Die Früchte seiner Arbeit zu genießen tut bekanntlich jedem gut. Umso mehr aber, wenn man in sie reinbeißen oder daran riechen kann.

Der Garten zeigt sich im Herbst in bunten Farben.

Das ist das Ziel einer kleinen Gemeinschaft von elf Freizeitgärtnern, die in einer stillen Idylle ihrem Hobby nachgehen. Man tauscht überkommenes Gärtnerwissen aus und neben dem Know-how natürlich auch Pflanzen oder Obst und Gemüse. Am südöstlichen Siedlungsrand des Markts liegt ihre farbenfrohe Oase in Sichtweite des Kirchturms. Nebenan gluckert die Laber. Und nur ein schmaler Weg trennt sie vom landwirtschaftlich genutzten Feld im Osten.

Beete werden winterfest gemacht

Helmut Keller hält eine Zucchini in der Hand

Hier liegt noch ein Kürbis unter riesigen Blättern, dort wiegt sich der dunkelrote Fuchsschwanz im Herbstwind, und gelbe Blüten leuchten dazwischen. Der letzte Lauch, die letzten Zucchini wandern in die Erntekörbe. Die Erde wird gelockert, die Beete werden allmählich winterfest gemacht. Ein Gerätehaus, an dem die Baumärkte nicht viel verdient haben, zeugt vom Improvisationstalent seines Besitzers.

„Vor etwa 50 Jahren wurden Pflanzgärten angelegt für diejenigen Anwohner im südlichen Teil des Markts, die keinen eigenen Garten besaßen“, berichtet Birgit. „Alois Glas suchte damals mit der Wünschelrute nach Wasser, und er war sicher, auf eine Quelle gestoßen zu sein, die von Wasser vom Kalvarienberg gespeist wird. Darüber wurde eine Schwengelpumpe gebaut, die bis heute funktioniert“, erzählt Birgit weiter.

Mit ihrem Partner Michael erlebe sie seit fünf Jahren einen Umbruch in den Laaberer Schrebergärten. Viele ältere Nutzer hatten zuvor ihre Parzellen aufgegeben, weil ihnen die Gartenarbeit zu mühsam geworden war. Doch dann habe bei Jüngeren eine neue Lust am Garteln eingesetzt.

Der Boden sei „gigantisch“, viel besser als der am Kronbügl. Dort sei zwar die Sonneneinstrahlung stärker, aber auf die alleine komme es eben nicht an. Die Kartoffelernte hier unten im Tal sei heuer sehr gut gewesen, und vom Grünkohl im Beet hätten sie noch im Winter etwas.

Ein Refugium für Insekten

Mit ihrem Kollegen Helmut Keller zusammen weist sie darauf hin, wie wichtig Ringelblumen, Tagetes und Borretsch für den Boden seien. „Wir haben hier ein Refugium für Insekten und andere Tiere. Sogar die paar Brennnesseln am Rand unserer Anlage sind wichtig, nämlich für die Schmetterlinge“, erklärt der graubärtige Latzhosenträger.

Erntezeit im bunten Paradies

„In meiner Parzelle baue ich unter anderem Zucchini, Kürbisse, Bohnen, Salat und Gurken an. Dazu kommen Johannis-, Stachel- und Himbeeren. Was uns allen hier so gefällt: Hier macht kein Rasenmäher Grasflächen nieder, und unser kleinteiliger Anbau unterscheidet sich wohltuend von monotonen landwirtschaftlich bestellten Flächen“, freut sich Keller.

Eines hat sich in all den Jahren nicht geändert: Blumen und anderes Zubehör für die Kräuterbuschen, die zum 15. August gebunden werden, kommen nach wie vor aus dem kleinen Paradies an der Laber.

Schrebergärten

  • Der Name:

    Eine Entwicklungslinie dieser Gärten lässt sich auf den für die späteren Anlagen namensgebenden Leipziger Arzt Moritz Schreber zurückführen. Dieser war jedoch nicht der Erfinder der Schrebergartenbewegung, sondern nur deren Namensgeber. Es war sein Mitstreiter, der Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild, auf dessen Initiative der erste Schreberverein zurückgeht. Einen Schulverein, in Zusammenarbeit von Eltern und Schülern entstanden, wollte man aber weder Schul- noch Erziehungsverein taufen. So benannte man ihn zu Ehren des verstorbenen Schreber.

  • Zur Geschichte:

    1865 feierte man die Einweihung des ersten „Schreberplatzes“ am Johannapark in Leipzig, einer Spielwiese, auf der Kinder von Fabrikarbeitern unter Betreuung eines Pädagogen spielen und turnen konnten. Erst der Lehrer Heinrich Karl Gesell legte an diesem Platz Gärten an. Zunächst als weitere Beschäftigungsmöglichkeit für Kinder gedacht, entwickelten sich die Gärten rasch zu Refugien der ganzen Familie. Aus den „Kinderbeeten“ am Rand des Schreberplatzes wurden „Familienbeete“, die man später umzäunte. Ab jetzt nannte man sie „Schrebergärten“. (las)

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