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Donnerstag, 21. September 2017 19° 2

Flucht

Jetzt ziehen die Asylbewerber ein

Regierungspräsident Bartelt spricht von einer „GU fünf Sterne plus“. Im Innerern erweist sich die Ausstattung als zweckmäßig.
Von Sabine Norgall, MZ

Als „Vorbild für andere“ bezeichnete Regierungspräsident Axel Bartelt (rechts) die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Regenstauf und dankte der Kirche als Bauherren, Vertreten durch Generalvikar Michael Fuchs (links). Foto: Norgall

Regenstauf.Regierungspräsident Axel Bartelt zeigte sich am Mittwoch bei der offiziellen Einweihung der Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Asylbewerber begeistert von der Architektur: „Da sieht man, wie eine Gemeinschaftsunterkunft ausschauen kann, wenn man mit Liebe baut.“ Bartelt vergab für den Neubau die Note „fünf Sterne plus“. Die Diskussion über den Bau sei in Regenstauf sehr sachlich geführt worden. Als Bürgermeister Siegfried Böhringer an der Stelle abwägend mit den Schultern zuckte, konterte Bartelt. „Sie waren nicht in Alteglofsheim dabei.“ Der Regierungspräsident bedankte sich bei den Regenstaufer Bürgern, den Anwohnern und besonders der Kirche als Bauherren für die „Unterstützung in schwierigen Zeiten“ und versicherte: „Sie haben uns nicht im Regens stehen lassen. Das vergessen wir nicht. Das Leben ist immer ein Geben und Nehmen.“

„Das hier ist ein schöner Platz, an dem in Zukunft auch oberpfälzer Familien wohnen können.“

Regierungspräsident Axel Bartelt

Die GU, so Bartelt weiter, sei nicht für immer als Unterkunft für Asylbewerber gedacht. Nach zehn Jahren erlösche der Mietvertrag der Regierung: „Das hier ist ein schöner Platz, an dem in Zukunft auch oberpfälzer Familien wohnen können.“ Gebaut wurde die GU zu Zeiten, als die Flüchtlingszahlen bereits rückläufig waren. Man wisse aber nicht, wie sich die Zahlen in Zukunft entwickeln, sagte Bartelt. Die Regierung wolle aus Kostengründen weg von vielen dezentralen Unterkünften, hin zu den wesentlich günstigeren Gemeinschaftsunterkünften. 1350 Asylsuchende gebe es derzeit im Landkreis. Davon lebten bisher 1200 in dezentralen Einrichtungen, die in absehbarer Zeit schließen sollen. Neben den Gemeinschaftsunterkünften in Regenstauf und Hemau sollen bis zum Jahresende auch Einrichtungen in Wörth, Pfatter und Undorf Asylsuchende aufnehmen. In diesen fünf Gemeinschaftsunterkünften biete die Regierung dann 500 Plätze an.

Eine großzügige, lichtdurchflutete Architektur mit einer einfachen, zweckmäßigen Einrichtung. So präsentierte sich die Regenstaufer Gemeinschaftsunterkunft den Gästen der Einweihung bei einem ersten Rundgang. Foto: Norgall

„Wir müssen den Asylbewerbern Wohnungen und Arbeitsplätze, Plätze in Kindergärten und Schulen geben, damit sie sich als Teil der Gemeinschaft fühlen.“

Regierungspräsident Axel Bartelt

Mit dem Bau von Gemeinschaftsunterkünften sei die Aufgabe aber nicht beendet. Um die Menschen schnell zu integrieren, forderte Bartelt, müsse man ihnen Wohnungen und Arbeitsplätze, Plätze in Kindergärten und Schulen geben, damit sie sich als Teil der Gemeinschaft fühlen: „ Tun wir das nicht, haben wir in ein paar Jahren ein riesiges Problem.“

Sehen Sie im Video: In Regenstauf wurde am Mittwoch die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende eingeweiht.

In Regenstauf wurde am Mittwoch die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende eingeweiht. Foto: Norgall

Bürgermeister Siegfried Böhringer erinnerte an die Entstehungsgeschichte der GU und bedankte sich bei der Regierung auch für die Bereitschaft, zwei Gemeinschaftsunterkünfte mit je 75 Plätzen zu schaffen. Allerdings sei es ihm als Bürgermeister nicht gelungen, einen zweiten Grundstückbesitzer zu finden, der, so wie Schloss Spindlhof, bereit war Grund abzugeben.

„Die Not der Menschen ist kein Politikum.“

Bürgermeister Siegfried Böhringer

Mit der Aussage, „die Not der Menschen ist kein Politikum“, verwies Böhringer auf die Entscheidung der CSU im Bauausschuss gegen eine GU mit 150 Plätzen. Schließlich habe man sich mit der Regierung auf eine Unterkunft mit 100 Plätzen geeinigt. Das Ziel, die Asylbewerber im Markt zu integrieren, nannte Böhringer als Gemeinschaftsaufgabe. Dabei dankte er auch den Mitgliedern des Arbeitskreises Asyl, die auch zur Einweihung gekommen waren.

Einweihung der Gemeinschaftsunterkunft Regenstauf

„Es gilt die Menschen durch die Fluten zu tragen, im ganz wörtlichen und im übertragenen Sinn.“

Generalvikar Michael Fuchs

Generalvikar Michael Fuchs gab der Einrichtung den kirchlichen Segen. Er erinnerte in seiner Ansprache an den Heiligen Christopherus. Wie er einst das Jesuskind trug, gelte es auch heute Menschen durch die Fluten zu tragen, im ganz wörtlichen und im übertragenen Sinn. Aus Gesprächen mit Asylbewerbern wisse er, wie sehr die Fluten oft immer noch tobten, auch wenn sie schon lange da wären. Generalvikar Fuchs wünschte der Gemeinschaft der Asylbewerber, die demnächst in Regenstauf leben wird, dass sie eingebettet sein möge in die Gemeinschaft der Bürger und Christen am Ort.

Generalvikar Michael Fuchs gab der Gemeinschaftsunterkunft, die die Kirche gebaut hat, den Segen. Foto: Norgall

Zum kirchlichen Segen hatte Fuchs ein kleines Holzkreuz mitgebracht, dessen Korpus aus den Händen von Menschen aller Hautfarben gebildet wird. Er dankte allen Anwohnern der Gemeinschaftsunterkunft: Denen, die sie begrüßen, denen, die sie tolerieren und denen, die sagten, wenn es nicht anders geht, nehmen wir es auf uns.“

Generalvikar Michael Fuchs, Regierungspräsident Axel Bartelt und Bürgermeister Siegfried Böhringer beim Rundgang durch die neue Gemeinschaftsunterkunft. Foto: Norgall

„Es ist nicht das Hilton, aber es ist eine gute Unterkunft.“

Ludwig Scheuerer, Regierung der Oberpfalz

Ludwig Scheuerer, bei der Regierung der Oberpfalz für alle Asylbewerberunterkünfte zuständig, führte die Besucher der Einweihung durch die Gebäude. Dabei fiel besonders die zweckmäßige Einrichtung auf. Rund sieben Quadratmeter Wohnraum stehen jedem Asylbewerber ohne Nebenräume wie Duschen oder Gemeinschaftsküche zu. Jeder hat ein Bett und einen Spind. Dazu kommen einfache Tische und Stühle. Ludwig Scheuerer: „Es ist nicht das Hilton, aber es ist eine gute Unterkunft.“

Daten zur Gemeinschaftsunterkunft

  • Gebäude

  • Die Gemeinschaftsunterkunft umschließt mit vier Gebäuden einen Innenhof. Auf die vier Häuser verteilen sich 36 Zimmer mit Duschen und WC. Gekocht wird in zwei Gemeinschaftsküchen. Es gibt einen Besprechungsraum und Räume für die Asylsozialberatung und die Hausverwaltung. Bauherr ist das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk. Mieter für zehn Jahre ist die Regierung der Oberpfalz.

  • Platz

  • Rund 100 Personen können Platz finden. Die Asylbewerber werden aber nur nach und nach einziehen. Erste Bewohnerin wird ab Montag eine Frau aus Aserbaidschan mit Kind sein.

  • Herkunftsländer

  • Entsprechend der Zuständigkeit der Regierung der Oberpfalz werden die Bewohner hauptsächlich aus dem Irak, Eritrea und Mali, vereinzelt auch aus Syrien und dem Iran stammen. Es ist eine Mischbelegung aus Familien und Alleinstehenden geplant.

  • Asylbewerber

  • Im Markt Regenstauf sind außer in der GU derzeit 80 Asylbewerber dezentral in acht Häusern untergebracht. Diese Mietverträge laufen bis 2020 ab. Der Mietvertrag für die GU hat eine Laufzeit von zehn Jahren.

Wenn ab kommendem Montag eine erste Asylbewerberin aus Aserbaidschan mit ihrem Kind in der Gemeinschaftsunterkunft einzieht, wird auch der Unterkunftsleiter Werner Robold regelmäßig vor Ort sein. Zwischen 7 und 16 Uhr wird an jedem Wochentag er oder ein anderer Mitarbeiter der Regierung als Ansprechpartner vor Ort sein. Robold ist in erster Linie Ansprechpartner für die Asylsuchenden.

Werner Robold wird die Gemeinschaftsunterkunft als Unterkunftsleiter betreuen. Foto: Norgall

Sollte es auch Gesprächsbedarf bei den Anwohnern geben, sagt er, „hoffe ich, dass sie den kürzesten Weg wählen und gleich zu mir kommen.“

Laut Ludwig Scheuere wird sich die Gemeinschaftsunterkunft nur langsam füllen, „der Druck ist derzeit nicht so groß.“ Ob eher Familien oder junge Männer untergebracht werden, lasse sich jetzt noch nicht sagen. „Wir werden versuchen auf eine gute Mischung zu achten, aber Singles sind auch Menschen.“

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