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Sonntag, 24. September 2017 20° 4

Konzert

Mystische Klangwelten im Waldbad Hemau

Klangzauberer Heinz Grobmeier verband die weite Welt und den heimischen Badeweiher. „Global Water Project“ für alle Sinne.
Von Peter Pavlas, MZ

  • Der Klangzauberer Heinz Grobmeier schuf beim „Global Water Project“ im Hemauer Waldbad eine mystische Atmosphäre. Bilder: Peter Pavlas
  • Der Dudelsackspieler glitt aus dem Nebel über das Wasser.

Hemau.Aus der unermesslichen Tiefe eines Meeres kroch bekanntlich vor Millionen von Jahren irgendwo ein Wesen an Land, aus dem sehr viel später der Mensch werden sollte. Der Kuhweiher bei Hemau war für das Leben der Bewohner des Tangrintels und ihrer Tiere von ebenso grundsätzlicher Bedeutung. Garantierte das jetzige Waldbad doch seit jeher einen fast immer verfügbaren Vorrat an Wasser. Das sei im durchlöcherten Jura-Karst ein unschätzbarer Vorteil gewesen und habe die Ansiedlung der Stadt Hemau begünstigt, berichtet Heinz Grobmeier, der Klangzauberer aus Haag.

Konzert mit Lightshow

Die weite Welt und den heimischen Badeweiher zu verbinden, hatte sich der Kulturpreisträger des Landkreises Regensburg 2016 vorgenommen. „Global Water Project“ hieß demzufolge sein Konzert mit Lightshow, das er im Rahmen der landkreisweiten Veranstaltungsreihe KULTUR.LANDSCHAFTEN 2017 mit seinen Musikerkollegen gab. So viel erstmal zum Wasser.

Was die globale Dimension angeht, so hauchten und trommelten die Musiker dem Waldsee in der Neumond-Nacht ein unglaublich dichtes, klangvolles und farbiges Leben ein: Fette Beats lieferten die Perkussionisten Helmut C. Kaiser und Frank Wendeberg an der Doppeltrommel, an der blechernen Badewanne oder am Cajun. Bertl Wenzl und Heinz Grobmeier entlockten ihren Saxophonen sephardische Töne, packende Solos und Zweistimmiges.

Ein jahrhundertealtes Thema bekam plötzlich eine balkanesische Schlagseite, in melancholische Weisen mischten sich stimmige Jazz-Akzente. Mitreißende und groovige Rhythmen aus Afrika, Südamerika, dem Balkan und ganz Europa verzaubern die Zuhörer. Fredy Granzer am Akkordeon vereinte souverän die musikalischen Elemente. Mit seinem virtuosen Spiel rundet er das Zusammenspiel perfekt ab.

Dudelsackpfeifer aus dem Nebel

Aus dem Nebel am Ostufer löste sich ein Kahn, schob sich sehr langsam ins magische Licht. Der japanische Dudelsackspieler und -bauer Toru Sonoda verwandelte darauf mit seinem schottischen Instrument den Kuhweiher in einen Bergsee in den Highlands oder einen beliebigen anderen Sehnsuchtsort.

Kunst im gesellschaftlichen Dienst

  • Anstoß

  • Den Anstoß zu dieser außergewöhnlichen Vorstellung in der Neumondnacht gaben die beiden Ortsheimatpfleger Ernst Böhm und Dr. Thomas Feuerer. Die Stadt Hemau übernahm die Rolle des Veranstalters. Dr. Thomas Feuerer sah mit dem Konzert seine Absicht voll erfüllt, Kunst auch in den gesellschaftlichen Dienst zu stellen und auf das Wasser als zentralen Lebensspender hinzuweisen.

  • Fazit

  • „Der reinste Seelenschmaus war das“, resümiert eine Musikliebhaberin aus München. „Es war der Wahnsinn! Ich fühlte das Leben pur um mich herum. In die wechselnden Stimmungen, die sich beim Wandern rund um den Badesee ergaben, hätte ich mich am liebsten reingelegt!“, begeistert sich eine Zuhörerin aus dem Landkreis. Persönliche Empfindungen spiegelten sich im schwarzen Wasser des Kuhweihers.

Wolfgang Schmid vom Kelheimer Kanuclub hatte bei einer Probefahrt am Nachmittag mit dem Musiker ausprobiert, wie sich der Klang des archaischen Instruments durch langsame Drehung seines Bootes in berückende Wah-wah-Effekte differenzieren lässt. In schwarzer Kapuzenjacke erinnert er an Charon, den Fährmann über den Fluss, der in der griechischen Sage die Welt der Lebenden von der Unterwelt trennt.

„Project“ klingt ja schließlich nach „projizieren“: Die Regensburger Firma Dams Fahrner (bekannt auch durch ihre Arbeit vor kurzem beim „Fliegenden Holländer“ des Theaters Regensburg im Hafen) illuminierte die Bäume rings um den Teich von unten. Grün und lila changierend leuchtet das Laub, die sparsam platzierten Effekte verdichteten das Erlebnis von Natur, Musik und individueller Stimmung eindrucksvoll. Die Idee, diesen außergewöhnlichen Klangraum optisch als Märchenlandschaft zu gestalten, hatte Grobmeier im Urlaub bekommen – naheliegenderweise unter Palmen auf einer kleinen Insel im Indischen Ozean.

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