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Dienstag, 21. November 2017 7

Freizeit

Pfarrgarten wurde zum Abenteuerland

30 Kinder hämmerten und schraubten beim Ferienprogramm des Frauenbunds in Hohenschambach ein Piratenschiff zusammen.
Von Agnes O. Eisenreich

  • „Wir sind die Piraten, wir schießen mit Tomaten und manchmal auch mit Gurken, denn wir sind fiese Schurken!“ Fotos: Eisenreich
  • Stefan Huber organisiert und leitet die Ferienprogramme.
  • Richard Preis und Franz arbeiten am Amboss.
  • Der Mast bekommt ein ganz neues Gesicht.

Hemau.Mit wilden Gesängen, aufrüttelnden Trommelklängen und selbstgeschmiedeten Enterhaken hat das einzigartige Ferienprogramm in Hohenschambach geendet. Knapp 30 Kinder zwischen sieben und elf Jahren machten mit Begeisterung bei der Ferienfreizeit des Katholischen Frauenbunds mit. Stefan Huber, versierter Sozialpädagoge, Musiker und Instrumentenbauer, hat mit seinem Team aus Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Holzexperten den Pfarrgarten Hohenschambachs drei Tage lang wieder zum Abenteuerland werden lassen.

Am ersten Tag hatte es nachts bis in die Morgenstunden hinein noch wahre Sturzbäche ergossen, sodass aus dem Piratenschiff fast eine Arche Noah hätte werden müssen. Aber glücklicherweise befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Pfarrgarten das als Pfarrheim genutzte ehemalige Schulhaus. Und dort brachte die wilde Truppe den Tag mit dem Bauen von Trommeln aus größeren Tontöpfen, mit einem Trommelkurs, Piratenliedern und selber Kochen schon rum. Zwei Riesentöpfe Spaghetti waren fast zu wenig, um die Meute sattzubekommen. Die tolle Hackfleisch-Tomaten-Soße dazu lieferte Catalina Sima-Pasin von der Hemauer italienischen Eisdiele.

Neue Herausforderungen

Tag zwei ließ nicht nur das Wetter wieder auf Sommermodus schalten, sondern brachte auch neue Herausforderungen für die Kinder. Richard Preis hatte die Esse in seiner Werkstatt geschürt und sich den ganzen Tag lang für die Kinder Zeit genommen.

Jahrzehntelang war er als Meister in der Handwerkskammer zuständig für die Ausbildung von Lehrlingen. Und er war wohl ein sehr guter Ausbilder, den auch in der Rente noch sehr viel Geduld auszeichnet. So durfte jedes Kind mit einem Hammer auf dem Amboss seinen eigenen Enterhaken zurechtschmieden. Die verschiedenen Hämmer – vom ganz winzigen Hämmerchen bis zum mehrere Kilogramm schweren – riefen so manches erstaunte „Hui“ bei den kleinen Besuchern hervor. Mit Respekt fassten sie die Wolfsmaulzange an, um damit den großen Nagel, der in der Mitte geteilt und die Enden umgebogen zum Enterhaken mutierte, ins Feuer zu halten. Mit kräftigen Schlägen musste dann das Eisen zurechtgehauen werden. Eine nicht ganz einfache Sache für Marie und die kleine Leonie, wenn man selbst erst 1,25 Meter groß ist und auch die Muskeln noch ein bisschen Futter brauchen. Aber Hannah hatte da keine Probleme, schließlich ist sie die Urenkelin des ehemaligen Schmieds in Haag. Außerdem hatte Rita Preis noch mit Marmelade- und Honigsemmeln aus eigener Produktion die Durchhaltekräfte ein bisserl gedopt. Unterstützt von Hans Mayer kam es dabei trotz offenen Feuers, einer Hitze von rund 1000 Grad Celsius und aufgeweckter Kinder zu keinen größeren Blessuren. Lediglich der neunjährige Johannes ertrug mit Fassung sein in der Hitze des Gefechts etwas angesengtes Ohrläppchen. Richard Preis, Hans Mayer und Stefan Huber ließen schließlich die Schmiedehämmer rhythmisch erklingen, um einen mehrere Kilogramm schweren Anker für das Piratenschiff zu schmieden. Eine selbstgekochte Gemüsesuppe fand nach dem schweißtreibenden Einsatz am Amboss reißenden Absatz. So manche Mutter hätte sich da verwundert die Augen gerieben.

Nachmittags konnte endlich der Schiffsbau beginnen. Zumindest der hintere halbe Rumpf wurde an diesem Tag noch fertig. Und das sollte ein Schiff werden? Manche Eltern hatten da am späten Nachmittag so ihre Zweifel. Als am Ende von Tag drei die Eltern ihre Kinder abholten, trauten sie ihren Augen kaum: Tatsächlich stand da ein sechs Meter langes, zwei Meter breites und rund zwei Meter hohes Piratenschiff, inklusive Anker, Verlies, Masten und Segel unter den alten Bäumen im Pfarrgarten. Fleißig hatten alle zusammengeholfen und gesägt, genagelt und g’schaftelt, was das Zeug hielt.

Selten zwei Bretter gleich lang

Und ganz so einfach war der Bau des Schiffes nicht. Denn, anders als im vergangenen Jahr beim Bau der Holzburg, sind bei einem Schiff selten zwei Bretter gleich lang. Hier musste schon genau gemessen und genagelt werden. Gut, dass das Sägewerk Brettner in Dallackenried so viel Holz für einen absoluten Sonderpreis zur Verfügung gestellt hatte. Und Michael Mirwald aus Schneckenhof hatte noch einige Paletten gefunden, aus denen der Schiffsboden und das Deck gebaut wurden. Wer nicht mit dem Schiffsbau beschäftigt war, konnte sich bei diversen Laufspielen austoben, andere bemalten die Beplankung.

Bis zum Ende der Ferien wird das Schiff im Hohenschambacher Pfarrgarten stehen und noch zu bestaunen und zu bespielen sein. Dann sucht es eine neue Heimat – denn Pater Johnson Varakaparambil hätte auch gern wieder Ruhe in seinem Garten.

Weitere Aktionen

  • Küchengeheimnisse:

    Zur nächsten Aktion mit Kindern lädt der KDFB Hohenschambach am 2. November ein. Am „Allerseelentag“ sollen Großmutters Küchengeheimnisse Teil 2 gelüftet werden. Waren es im letzten Jahr die Kiachl, so werden es heuer alte Rezepte aus Kartoffelteig sein! Teilnehmen können Eltern und Kinder! Fingernudeln, Kartoffelschmarrn und die süßen Maultaschen werden natürlich gleich gegessen.

  • Dorfabend:

    Auch heuer soll es wieder einen Dorfabend für alle geben: am 25. November zum Kathreintanz im Balkanrestaurant Nuber. Es soll ein Volkslied- und Tanzabend werden für Junge und Alte, Familien und Kinder. Die Anleitung kommt von Hans Wax, Bezirksheimatpfleger für Musik. Außerdem mit dabei die Familie Hahn mit ihrer Tanzlmusik und Stefan Huber (Autoharp, Harmonika) mit Johannes Rösch (Dudelsack).

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