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Montag, 20. November 2017 11

Natir

Schafe und Ziegen pflegen Jurahänge

Seit 40 Jahren lässt das Ehepaar Bothe seine Herde im Tal der Schwarzen Laber grasen. Das verhindert die Verbuschung.
Von Paul Neuhoff, MZ

Das Ehepaar Dr. Winfried Bothe und Barbara Hübner-Bothe beweidet mit Schafen und Ziegen seit 40 Jahren die Magerrasenflächen im Bereich Schönhofen-Eilsbrunn und leistet mit seiner Arbeit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Pflanzenvielfalt. Fotos: Neuhof

Nittendorf.Dr. Winfried Bothe und seine Ehefrau Barbara Hübner-Bothe aus Etterzhausen lassen seit 40 Jahren in ihrer Freizeit eine Schafherde im Tal der Schwarzen Laber und an den dortigen Jurahängen zwischen Schönhofen und Eilsbrunn grasen und leisten damit einen wertvollen Beitrag zum Artenerhalt in der dortigen Pflanzenwelt. Unser Medienhaus hat sich mit den Schäfern aus Leidenschaft am Stall bei Kühschlag getroffen, um einiges über ihr doch eher seltenes Hobby zu erfahren.

Barbara Hübner-Bothe hat soeben den Stall geöffnet, der hoch über dem Labertal bei Schönhofen-Kühschlag idyllisch in einer großen Wiese steht, um die Tiere auf eine nahe gelegene Brachfläche zu treiben. Wobei „treiben“ eigentlich nicht notwendig ist. Die Schafe und Ziegen wissen, wo es lang geht.

Jeder will der Erste sein

Blätter von Eichen sind ein Leckerbissen für die Ziegen in der Herde.

Auf dem engen Waldweg zum Futterplatz wird gedrängelt und geschubst. Jeder will der Erste auf der Weide sein. Für etwas Ordnung sorgt „Allen“, ein Bordercollie. Der ausgebildete Hirtenhund trabt an der Herde vorbei und wieder zurück und hält die Tiere „in der Spur“. Der Weg führt entlang einer großen Streuobstwiese, die auch dem Ehepaar gehört. Ein kurzes Kommando „links“ der Schäferin an den Hund, und dieser lenkt die Tiere geschickt und zielsicher auf die Brachfläche. Sofort machen sich die etwa zehn Ziegen in der Herde über die Blätter einer großen Eiche und einer Heckenrose und stellen sich dabei auch geschickt auf die Hinterbeine, um möglichst viel von den Leckerbissen zu erreichen.

Die Schafe sind keine so großen Akrobaten und begnügen sich mit Gras und aufkommenden Jungpflanzen von Bäumen und Sträuchern. Dieser auf den ersten Blick schädliche Eingriff ist gewollt. Die Tiere verhindern das Verbuschen der artenreichen Magerrasenflächen hoch über der Schwarzen Laber. Dieses Ziel verfolgt insbesondere auch der Landschaftspflegeverband im Landkreis Regensburg in Zusammenarbeit mit Kommunen und Naturschutzbehörden. Mit dieser Einrichtung hatten die Schafhalter schon bald nach Beginn ihres Hobbys Verträge über die Art und Weise der Beweidung an den Magerrasenflächen mit vielen geschützten Pflanzen abgeschlossen. Für die wertvolle Arbeit an der Natur zahlt der Verband eine gewisse Entschädigung.

Die „Waliser Schwarzhalsziegen“ sind robuste Pflanzenfresser.

Wie uns Dr. Winfried Bothe als ausgebildeter Tierarzt schildert, hat alles vor 40 Jahren mit einem kranken Schaf begonnen, das er übernommen und gesund gepflegt hat. Weitere Tiere, überwiegend „Heidschnucken“ und „Walliser Schwarzhalsziegen“, folgten. In den Spitzenjahren habe man mit etwa 150 Tieren die Trockenhänge im Labertal zwischen Eichhofen und Eilsbrunn beweidet, so Barbara Hübner-Bothe.

Für Heidschnucken habe man sich entschieden, da diese etwas leichter und „geländegängiger“ sind als das übliche Merinoschaf, schildert uns Dr. Bothe. Die Wolle dieser Tiere sei aber gröber als die des Merinoschafs und für die Herstellung von Kleidung weniger geeignet.

So schön der Aufenthalt mit der Herde in der Natur auch ist, ist dieser aber auch mit Arbeit verbunden, erklärt das Ehepaar weiter. Der mobile Elektrozaun muss aufgestellt und Tröge und große Kanister mit Wasser müssen auf die Weidefläche geschafft werden. Im Frühjahr sind die jungen Lämmer und Ziegen zu betreuen und im Mai steht das Scheren an.

Brotstücke locken die Tiere

Dr. Winfried Bothe mit dem Hütehund „Allen“, einem Bordercollie

Der Wechsel von einem Weidegebiet in das andere erfolgt meistens sonntags in den frühen Morgenstunden, um möglichst wenig mit dem Verkehr in Konflikt zu kommen. Um schnell von einem Standplatz zum anderen zu kommen, greift Barbara Hübner-Bothe auch mal zu einem Trick: Sie geht mit einem mit Brotstücken gefüllten Beutel voraus. Die Tiere wissen von dem Inhalt und das Führungsschaf und somit die ganze Herde folgen bereitwillig. Aber auch Hund „Allen“ kennt seine Aufgaben und greift ein, wenn ein Schaf oder eine Ziege ausreißen will.

Am Ende der Saison, im November, wird die Zahl der Tiere durch Schlachtung deutlich reduziert. Das Fleisch der Heidschnucken sei bei Kennern sehr begehrt, weiß Dr. Bothe. Dieses würde nicht so sehr „nach Schaf schmecken“, sondern eher nach dem milderen Wild.

Nur noch etwa 50 Schafe

Rückschauend betont das Ehepaar, dass es den Schritt in die Schafhalterei nicht bereut hat und diesen wieder gehen würde. „Der Aufenthalt mit den Tieren in der Natur war für uns immer ein Ausgleich für unsere sitzende Tätigkeit im Büro“, resümiert Dr. Bothe.

Die beiden wollen weitermachen, so lange es die Gesundheit erlaubt, wenn auch altersbedingt die Herde jetzt nur noch aus etwa 50 Schafen und Ziegen besteht. Und die Beweidung der Juraflächen haben inzwischen zum Teil schon Berufsschäfer übernommen.

Magerrasenflächen

  • Entstehung:

    Magerrasenflächen, wie man sie etwa an den Hängen bei Schönhofen und Eilsbrunn findet, sind durch intensive Beweidung entstanden. Die Weidetiere, wie Kühe, Schafe, Ziegen oder auch Schweine, hatten den aufkommenden Bewuchs verbissen und somit eine Verbuschung verhindert. Dadurch konnte sich eine artenreiche Pflanzengesellschaft entwickeln.

  • Aktuelle Entwicklung:

    Nach der Aufgabe der Beweidung im Zuge der Entwicklung der modernen Landwirtschaft drohte wieder die Verbuschung und Bewaldung der Flächen. Deshalb übernehmen heute unter anderem Berufs- und Hobbyschäfer in Zusammenarbeit mit Landschaftspflegeverbänden diese Aufgabe, um damit die Kulturlandschaft zu erhalten. (lpn)

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