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Mittwoch, 22. November 2017 7

Politik

Schweine sollen in den Wald ziehen

Der Holzheimer Gemeinderat stimmt einem Antrag der Familie Stäbler zu, bei Trischlberg einen Hutewald einzurichten.
von Ralf Strasser, MZ

Schweine fühlen sich im Wald besonders wohl. Dazu hat die Familie Stäbler bereits bei Rosenheim Erfahrungen gesammelt. Foto: Stäbler

HOLZHEIM.Die Gemeinde wächst. Baugebiete werden ausgewiesen. Das positive Image der Gemeinde im Umkreis der Stadt Regensburg hat aber auch seine Schattenseiten. Diese verortet Bürgermeister Andreas Beer im Verkehr. „Das Aufkommen von Pkw- und Schwerlastverkehr nimmt zu“, erklärte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Dieser Herausforderung stellt sich die Gemeinde und bat zum Ortstermin mit einer Verkehrsschau. Beteiligt waren neben dem Bürgermeister das Landratsamt, die Polizei und das Straßenbauamt, um zu klären, welche Lösungen für die Ortsdurchfahrt realisiert werden könnten. Nicht in Frage kam nach eingehender Prüfung eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer. Für eine Querungshilfe fehle der Platz, so Beer. Zebrastreifen würden ohnehin nicht mehr in Betracht gezogen. Hilfreich wäre jedoch eine Ampel.

„Als Standort haben die Fachstellen und Behörden den Bereich beim Edeka ermittelt“, sagte Beer. Das träfe auch die Meinung der Gemeinde, die diese Stelle als die gefährlichste bei der Überquerung der Ortsdurchfahrt ansieht. Geplant ist eine Anforderungsampel. Die Zustimmung der Behörden liegt also vor. Der Gemeinderat stimmte dem Vorhaben zu. „Wir werden auch die Bürger über Kosten, Standort und Betrieb in einer Versammlung informieren“, erklärte der Bürgermeister.

Ein Wald für die Schweine

Ein besonderer Weg in der Tierhaltung wird von der Gemeinde mitgetragen: Der Agrarwissenschaftler Robert Stäbler aus Rosenheim hatte in Absprache mit dem Landratsamt Regensburg einen Antrag auf Vorentscheid für die Einrichtung eines Schweinehutewaldes bei der Gemeinde gestellt. Was auf den ersten Blick etwas verwirrend erscheint, hat einen Hintergrund, den man mit dem Wohl des Tieres in Verbindung bringen kann. Eine sogenannte Hutung ist ein als Weide genutzter Wald.

Entscheidend ist der Viehbesatz. Etwa zehn Tiere pro Hektar werden als ideal erachtet. „Schweine sind von Natur aus Waldbewohner, sie fühlen sich dort wohl, dort sind sie gut aufgehoben“, so Stäbler, der auf einem Urlaub in Korsika diese Art der Tierhaltung kennenlernte. „Die Tiere finden im Wald vieles für ihr Wohlergehen.“

Wie es funktionieren kann und wie man Bedenken der Jäger und des Bauernverbandes entkräften kann, zeigt das Beispiel von Gunzendorf, wo auf rund zwei Hektar Wald Schweine und Hühner eine Symbiose eingehen. Eine Haltung, die dort ganz ohne Medikamente auskommt, wie ein Bericht im Bayerischen Rundfunk zeigt. Mittlerweile hat es der Ort damit sogar zur Touristenattraktion gebracht. Den konträren Weg zur Massentierhaltung findet auch Bürgermeister Beer gut. „Ich kann das nur befürworten.“

Auch der Gemeinderat sagt „ja“. Die Familie Stäbler hat Erfahrung mit der biologischen Haltung von Schweinen. Bei Rosenheim haben sie einen Privatwald mit etwa zwölf Hektar als Schweinehutewald eingerichtet. „Das entwickelt sich prächtig“, sagt Dr. Irene Stäbler auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung. „Die Unterstützung der Behörden war sehr gut, man steht unserem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber.“

Langer Weg bis zur Genehmigung

Jetzt will man die guten Erfahrungen aus Rosenheim auf ein größeres Gebiet ausdehnen. Fündig wurde man in einem Waldgebiet bei Trischlberg. Bis zu 33 Hektar will Robert Stäbler dort als Hutewald nutzen. Das Areal werde eingezäunt und soll die Hausschweine gegen Wildschweine schützen. Für den Zaun ist eine Genehmigung nötig – ebenso für die geplanten Unterstände. Nach dem ersten Einverständnis des Holzheimer Gemeinderates ist der weitere Weg zeitlich wohl ein langer. Die Bauanfrage geht weiter an das Landratsamt Regensburg, und das entscheidet, welche Fachstellen beteiligt werden müssen. In Rosenheim waren dies unter anderem das Wasserwirtschaftsamt, die Jagdbehörde, das Forstamt und die Veterinärsbehörde, aber das sei von Landkreis zu Landkreis verschieden, hieß es aus dem Regensburger Amt. Wie das Projekt sich dann weiter entwickelt ist noch unklar, ebenso wie die Vermarktung. „Das wird sich zeigen“, betont Dr. Stäbler. „Wir sind da recht zuversichtlich.“

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