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Beruf

Sie sind auf jeden Notfall vorbereitet

Die Rettungsdienstschule in Regenstauf bietet eine praxisnahe Ausbildung. Zwei angehende Notfallsanitäter erzählen.
Von Lisa Pfeffer, MZ

  • Auf der Baustelle vom Gerüst erschlagen: Zum Üben stehen die verschiedensten Räume bereit. Foto: Pfeffer

Regenstauf.„Kannst du mich hören? Spürst du dein Bein? Kannst du es bewegen?“ Annalea Schuck leuchtet ihrem Patienten in die Augen und wartet, ob er reagiert. Ihr Kollege Lucas Gürtler stützt den Kopf und legt schon mal eine Halskrause an. Die beiden sind konzentriert, doch am Grinsen des scheinbar Verletzten merkt man, dass es sich nur um eine Übung handelt.

An der Rettungsdienstschule in Regenstauf können Situationen wie diese realistisch nachgespielt werden: Ein Unfall auf der Baustelle, Verletzte im Auto, ein vom Wickeltisch gestürztes Kind – die verschiedensten Szenarien sind in kleinen Räumen nachgebaut. Die Devise: praktische Lernfelder und viel ausprobieren, statt trockener Frontalunterricht.

Blaulicht-Fahren kommt gut an

Bereits seit 2015 läuft der Schulbetrieb, im Oktober 2016 ist die Rettungsdienstschule aus den zu kleinen Räumlichkeiten in Regensburg nach Regenstauf gezogen, wo nun auf rund 800 Quadratmetern gelernt und gelehrt werden kann. „Als wir 2016 umgezogen sind, war das Ganze noch eine Baustelle, deshalb gab es keine Einweihung. Das holen wir jetzt nach“, sagt der stellvertretende Schulleiter Raimund Heuschneider.

Derzeit besuchen 86 Berufsfachschüler aus ganz Bayern die Rettungsdienstschule und absolvieren ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter, eine Qualifikation zum Rettungssanitäter oder eine Weiterbildung. Neben der Schule beinhaltet die Ausbildung zwei weitere Blöcke: Einsätze in der Rettungswache und ein Klinikpraktikum.

Annalea Schuck macht das Klinik-Praktikum am meisten Spaß. Foto: Pfeffer

Die 21-jährige Annalea befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr zur Notfallsanitäterin und wird in der Wache Aschaffenburg eingesetzt, wo sie ursprünglich herkommt. Nach dem Abitur arbeitete sie in einer Betriebsarztpraxis, stellte jedoch schnell fest, dass es ihr nicht gefällt. Beim Bundesfreiwilligendienst hatte sie erstmals Kontakt mit Rettungssanitätern und fand es „ziemlich cool“. Also wurde sie selbst eine – und jetzt steckt sie in der Ausbildung zur Notfallsanitäterin. Sie besucht Fächer wie Anatomie, Notfallmedizin, Teammanagement, Einsatztechnik und regelmäßiges Simulations-Training.

Im Video sehen Sie interessante Zahlen rund um die Malteser:

Der Malteser Hilfsdienst in Zahlen.

„Man darf auf jeden Fall nicht auf feste Arbeitszeiten stehen. Und ein Problem mit viel Stress sollte man auch nicht haben“, beschreibt Annalea Qualitäten, die Interessierte mitbringen sollten. Wenn man sie fragt, was ihr am besten gefällt, lacht sie: „Also das Fahren mit Blaulicht macht schon Spaß.“

Von 800 bleiben 28 übrig

Jedes Jahr finden für die 800 Bewerber drei Assessment-Center statt, bei denen die Schule in einem ersten Schritt prüft, ob bestimmte Grundvoraussetzungen für die Ausbildung gegeben sind: motorische Fähigkeiten, Gesundheit, Teamfähigkeit, Noten und vieles mehr. „Vor allem Teamfähigkeit ist unerlässlich. Aber auch auf sowas wie Spontanität und Organisation legen wir Wert. Denn Rettungsdienst ist nicht planbar“, sagt Heuschneider. Am Ende entsteht ein Ranking und die Bewerber werden an die Wachen weitergeleitet. Dort findet ein klassisches Bewerbungsgespräch statt. Von den 800 Bewerbern bleiben am Ende nur maximal 28.

Wie birgt man am besten einen Verunglückten aus einem Auto? Auch das lernen die Schüler. Foto: Pfeffer

„Uns sind gute Leute wichtig, wir wollen nicht irgendwen. Denn es geht in unserem Job um Menschenleben“, sagt der stellvertretende

Schulleiter. Und diese guten Leute wollen die Malteser dann auch bei sich behalten –deshalb gibt es für die Schüler eine Jobgarantie für die Zeit nach der Ausbildung. Notfallsanitäter werden derzeit sowieso händeringend gesucht.

Einsatz am Flughafen München

Zu Lucas Gürtler hat früher schon die Oma gesagt: „Sanitätsdienst würde dir gut stehen“. Und sie sollte Recht behalten: Nach dem Abitur trat er eine Bundesfreiwilligenstelle im medizinischen Bereich an und dann studierte er Medizintechnik. Das war ihm allerdings zu viel Technik und zu wenig Medizin. „Ich saß in der Vorlesung und dachte mir nur ‚Wieso mache ich eigentlich nicht einfach wieder etwas, das mir Spaß macht?‘“. Also entschied sich der 21-Jährige, zu den Maltesern zu gehen.

Für Lucas Gürtler ist das Arbeiten am Münchner Flughafen jedes Mal wieder ein Highlight. Foto: Pfeffer

Eingesetzt ist Lucas in der Wache beim Flughafen München. „Für mich ist das eine besondere Wache. Man hat nicht die alltäglichen Einsätze. Die sprachliche Barriere ist ein besonderes Highlight.“ Ungefähr die Hälfte der Einsätze wickle er auf Englisch ab, zur Not steht ihm ein Übersetzungs-Pad zur Verfügung. An seinem Job mag er besonders, wenn sich das Lernen in der Praxis auszahlt und nicht nur über Noten belohnt wird.

Am Freitag beginnt um 10.30 Uhr die offizielle Einweihung der Rettungsdienstschule Bayern. Es gibt ein Buffet, Musik, ein Mini-Symposium, man kann die Räume besichtigen und sich informieren.

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