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Sonntag, 19. November 2017 7

Vereine

„Tauberer“ pflegen ein Kulturgut

Sechs Brieftaubenzüchter sorgen in zwei Vereinen dafür, dass dieses Hobby nicht ausstirbt. Die Gesundheit ist ihnen wichtig.
Von David Santl, MZ

  • Auch mit 77 Jahren noch ebenso motiviert wie am Anfang: Xaver Braun ist der älteste aktive Taubenzüchter in Hemau. Fotos: Santl
  • Alfons Schels und Hans Weigert mit seinem Enkel Jakob Brenner (von links) sind fasziniert von ihrem Hobby.
  • Die Hochzeitstauben von Silvia Dinnes warten in einem Herz aus Holz auf das Brautpaar. Foto: privat/lds

Hemau.Wer seine Freizeit gerne im heimischen Garten verbringt, hat bestimmt schon die vielen Tauben bemerkt, die täglich über die Hemauer Dächer hinwegflattern. Dahinter stecken die Hemauer „Tauberer“, die in zwei Vereinen organisiert sind. Alfons Schels aus Weißenkirchen bei Laaber und Hans Weigert aus Hemau sind die Vorstände der beiden Vereine, die sich „Gut Flug“ bzw. „Tangrintelsegler“ nennen.

„Ein Brieftaubenverein muss seine Tiere vor Wettflügen von einem anderen Verein einsetzen lassen“, erklärt Alfons Schels, der Vorstand von „Gut Flug“, die Notwendigkeit von zwei Vereinen. Den Tangrintelseglern steht Hans Weigert vor, in dem auch sein zehnjähriger Enkel Jakob Brenner als Züchter gemeldet ist. „Opas Tauben fand ich schon immer toll“, schmunzelt der Enkel. Vielleicht übernimmt er Weigerts Tauben. Der Verein „Gut Flug“ besteht neben Schels aus den Züchtern Xaver Braun aus Hemau sowie Michael Maul und Georg Fromm aus Beratzhausen. „Ohne die Beratzhausener könnten wir nicht einsetzen“, hebt Braun lobend hervor.

Zwei Vereine – ein Ziel

Freuen können sich in diesem Jahr beide Vereine: Es gibt nämlich ein Doppeljubiläum. Während „Gut Flug“ den 50. Geburtstag begeht, können die Tangrintelsegler auf 40 Jahre zurückblicken. Obwohl es zwei Vereine sind, haben sie dasselbe Ziel: „Wir wollen Nachwuchszüchter fördern und verhindern, dass der Brieftaubensport ausstirbt“, sind sich Schels und Weigert einig. „Tauben zu haben ist mit einigem Zeitaufwand verbunden. Sie müssen morgens und abends pünktlich gefüttert werden“, meint Schels.

Weigert war bereits mit 14 Jahren im damaligen Brieftaubenverein „Nordgau Hemau“ aktiv. Schels hatte ebenfalls früh mit Tauben zu tun. „Mein Vater und mein Nachbar hatten welche“, erzählt er, „die Tiere haben mich von klein auf fasziniert.“ Das merkt man ihm noch heute an. „Am schönsten ist, wenn die Tauben in den heimischen Taubenschlag zurückkehren“, sind sich Schels und Weigert einig. Es herrsche immer große Spannung, ob ihre Tauben unter den Schnellsten waren.

Insgesamt kann eine Brieftaube Geschwindigkeiten bis 120 km/h erreichen. Im Jahr nehmen die Hemauer Brieftaubenzüchter an 18 Wettflügen teil. Die weiteste Entfernung beträgt 650 Kilometer. Dann starten sie im belgischen Quiévrain. „Das ist jedes Jahr der letzte Flug. Wir beginnen immer bei Neumarkt und steigern uns langsam“, erklärt der Vorstand der Tangrintelsegler. Der weiteste Flug ist auch am spannendsten. „Hier werden die Meisterschaften der Reisevereinigungen entschieden.“ Die Hemauer Vereine gehören zur Reisevereinigung Regensburg.

Ein Highlight im Jahresverlauf ist auch der Taubenauflass in Hemau. Einmal im Jahr kommen Züchter aus dem Ruhrgebiet, um auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände mehrere Zehntausend Tauben Richtung Heimat fliegen zu lassen.

Obwohl Schels und Weigert auf dem Gebiet der Brieftauben wahre Experten sind – ein Geheimnis kennen nur die Tiere selbst: ihren Orientierungssinn. „Wie es die Tauben schaffen zurückzufinden, ist nicht richtig erforscht“, geben Schels und Weigert zu. Es wird vermutet, dass sie sich nach dem Erdmagnetfeld und dem Sonnensystem orientieren. Diese Gabe haben sich die Menschen seit jeher zum Überbringen von Nachrichten zunutze gemacht. „Damit ist die Brieftaube ein echtes Kulturgut“, erklärt Weigert stolz. Sollte sich eine Taube dennoch verflogen haben, kann sie durch drei Ringe am Fuß identifiziert werden. Ein Ring dient dabei auch der Flugzeitermittlung. Hier wird die Entfernung zum heimischen Schlag berücksichtigt. Um in der Rangliste möglichst vorne zu rangieren, müssen die Züchter vieles berücksichtigen. So müssen die Tauben gut trainiert werden, den meisten Wert legen die Tauberer aber auf die Gesundheit ihrer Schützlinge. „Dazu ist es wichtig, den Taubenschlag gut zu lüften. Dann sind die Tiere automatisch vitaler und gesünder“, sagt Weigert. „Eine Brieftaube ist im Prinzip ein Hochleistungssportler. Wenn sie nicht gesund ist, kann sie auch keine Leistung bringen“, erklärt Schels. Angehenden Taubenzüchtern können die beiden Vorstände nur raten, ebenfalls auf die Gesundheit der Tauben zu achten. Gleichzeitig sollte man sie abhärten. Auch Überfütterung und Überbevölkerung sind typische Anfängerfehler. „Wenn man gleich zu viele Tauben hat, verliert man den Überblick. Außerdem schlägt Masse bekanntlich nicht Klasse“, meint Schels.

Sehnsucht zur Leistungssteigerung

Um das Vertrauen der Tiere zu gewinnen werden sie mit Erdnüssen gelockt. „Die mögen sie gerne“, sind sich die beiden einig. Ansonsten bekommen sie spezielles Mischfutter. Wie beim „menschlichen“ Sport, gibt es auch bei Brieftauben Fälle von Doping. Deshalb führt der Verband deutscher Brieftaubenzüchter Kontrollen durch. Es gibt jedoch eine „legale“ Methode, um die Tauben schneller zu machen. Bei der „Witwerschaft“ sehen die männlichen Tauben die ganze Woche ihre Weibchen nicht. Beim Wettflug treibt sie die Sehnsucht nach der Partnerin zu Bestleistungen. „Da wollen sie schnell daheim sein. Lange Trennung halten sie nicht aus“, schmunzelt Weigert.

Auch für den Züchter ist es eine Freude, wenn die Tauben wieder in ihren Schlag flattern. „Wir Taubenzüchter gehören sowieso zu den glücklichsten Menschen. Wir schauen immer in den Himmel“, lacht Weigert, während er demonstrativ eine Taube fliegen lässt und ihr zusieht, wie sie kurz darauf wieder in seinen Schlag schlüpft.

Hochzeitstauben

  • Speziell:

    Mit ihren weißen Hochzeits-tauben hat Hans Weigerts Tochter Silvia Dinnes einen besonderen Weg der Taubenzucht gewählt.

  • Anfang:

    Dinnes ist über eine Bekannte auf diese Idee gekommen. Seit 2011 hat sie ihren eigenen Hochzeitstaubenservice „Paloma Blanca.“

  • Umkreis:

    Aufträge erhält sie bis aus Neumarkt und Donaustauf.

  • Ablauf:

    Nach der Trauung darf das Brautpaar die Tauben mit ihren Zukunftswünschen auf die Reise schicken.

  • Symbolik:

    Tauben gelten als besonders treu und bleiben ein Leben lang zusammen. Außerdem stehen sie für Frieden. Bei den alten Römern und Griechen waren sie zudem ein Zeichen für Reichtum und Glück.

  • Erheiterndes:

    Silvia Dinnes hat mit ihren Hochzeitstauben auch schon viel Lustiges erlebt. So kam es vor, dass eine Taube der Braut aus der Hand geflogen ist, um anschließend direkt auf ihrem Kopf zu landen, wodurch das Diadem verrutschte. (lds)

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