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Immobilien

Trotz Insolvenz steht Bau nicht still

Das für den Wohnpark Straßäcker beauftragte Bauunternehmen ist pleite. Der Einzug soll sich nur um zwei Monate verspäten.
Von Julia Weidner, MZ

Die Rohbauarbeiten im Wohnpark Straßäcker in Köfering sind abgeschlossen. Foto: Sauerer

Köfering.Ein gutes Jahr nach dem Spatenstich für den Wohnpark Straßäcker in Köfering sind die Bauarbeiten unterbrochen. „Unser Generalunternehmer Strasser meldete am 9. Oktober Eigeninsolvenz an“, sagt Herbert Blaschke im Gespräch mit der MZ. Er ist Geschäftsführer der Firma Isarkies und Bauherr des Wohnparks Straßäcker. „Das ist keine schöne Situation, wir haben den Vertrag als Bauherr gekündigt“, erklärt Blaschke. Die Käufer der Wohnungen möchte er aber beruhigen. Für sie besteht kein finanzielles Risiko.

Eine zeitliche Verzögerung kann Blaschke aber nicht ausschließen. Geplant war, dass im Februar 2018 die ersten Einheiten bezogen werden können. Jetzt spricht der Geschäftsführer nur noch von Mitte kommenden Jahres. Das ruft auch Bürgermeister Armin Dirschl auf den Plan. Vor 14 Tagen war er über den aktuellen Stand beim Wohnpark Straßäcker informiert worden. „Die Gemeinde ist nicht von der Insolvenz betroffen, weil das Grundstück uns nicht gehört. Aber meine Bürger sind betroffen“, erklärt der Bürgermeister. 70 Wohneinheiten sind insgesamt schon verkauft. 38 davon sind betreutes Wohnen. Nur noch eine Wohnung in Haus D ist auf dem Markt. Für diese Käufer habe Dirschl Druck auf den Bauherrn ausgeübt, damit die Arbeiten schnell weitergehen.

Der Wohnpark

  • Gebäude A und B:

    Hier soll betreutes Wohnen mit Wohneinheiten zwischen einem und drei Zimmern entstehen. Außerdem soll es dort Gemeinschaftsbereiche in Form von einem weitläufigen Gartenbereich, Veranstaltungsräumen und einer Gemeinschaftsküche geben.

  • Gebäude C und D:

    In diesen Häusern entstehen Eigentumswohnungen mit ein bis fünf Zimmern.

  • Gewerbe:

    In Querbauten zwischen den Häusern befinden sich im Erdgeschoss bis zu vier Einheiten, die gewerblich genutzt werden können.

  • Vertrieb:

    Laut Gertraud Parzefall, die das Informations- und Verkaufsbüro für den Wohnpark betreibt, sind bis auf eine Wohnung und zwei Gewerbeeinheiten alle angebotenen Räume verkauft.

  • Energie:

    Durch ein Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung sowie eine Photovoltaikanlage soll eine Eigenversorgung von bis zu 90 Prozent der benötigten Energie erreicht werden. Außerdem gibt es Batteriespeicher.

Bauherr arbeitet an Lösungen

Dafür hat Isarkies gesorgt. „Es geht jetzt schon auf der Baustelle weiter“, kündigt Herbert Blaschke an. Am Montag sei unter anderem ein neuer Mietvertrag für den Baustrom unterzeichnet worden. Außerdem sei es normal, dass von außen weniger Bauarbeiten sichtbar sind, wenn der Rohbau ist fertig. Die nächste dringende Aufgabe ist laut Blaschke der Einbau der Fenster.

In einem der vier Häuser sind sie schon eingebaut, in einem anderem zum Teil. „Erst als die Subunternehmen in kleineren Gruppen oder gar nicht mehr angerückt waren, haben wir bemerkt, dass bei Strasser etwas nicht stimmt“, sagt Blaschke. Denn das Bauunternehmen sei als Generalunternehmer engagiert worden. Damit verantwortet Strasser den kompletten Bau und vergibt die einzelnen Aufträge an entsprechende Fachfirmen. Diese stellen ihre Rechnungen an Strasser und hätten laut Herbert Blaschke bei ausbleibenden Zahlungen die Handwerker abgezogen.

Immer mehr Menschen leben im Kreis Regensburg. Grundstücke sind aber rar, die Bautätigkeit hinkt hinterher. Vor allem der Süden ist begehrt. Wir beleuchten die Situation der Kommunen. Lesen Sie hier unsere Serie „Bauen und Wohnen im Landkreis Regensburg.

Der Bevölkerungsdruck auf den südlichen Landkreis ist hoch. Grundstücke sind aber rar, die Bautätigkeit hinkt hinterher. Video: Jaumann

Mit diesen von Strasser beauftragten Subunternehmen verhandelt Isarkies jetzt über eine direkte Zusammenarbeit. „Deswegen gehen die Arbeiten ein paar Wochen nicht so schnell wie geplant voran“, sagt Blaschke. Nicht alle Fachunternehmen hätten durch die Verzögerung genügend Manpower zur Verfügung. „Wenn beide Seiten an einer Zusammenarbeit interessiert sind, dann klappt das auch“, meint der Bauherr.

Auch Armin Dirschl hofft auf eine schnelle Einigung. „Bis zu einem gewissen Stand müssen die Arbeiten in diesem Jahr erledigt werden“, sagt er. Der Zeitpunkt mit dem bald bevorstehenden Wintereinbruch sei denkbar ungünstig.

Auch die Sparkasse wird eine Einheit im Wohnpark beziehen. Foto: Sauerer

Auch die Sparkasse wurde über die Insolvenz der Baufirma informiert. Denn im Wohnpark Straßäcker soll ein neues Sparkassen-KompetenzCenter entstehen. Laut Elke Pitz, einer Sprecherin der Sparkasse, hat die Insolvenz der Strasser Bauunternehmung keinen Einfluss auf die Pläne ihres Unternehmens in Köfering. „Die Eröffnung soll wie geplant bis spätestens Mitte 2018 stattfinden“, teilt Elke Pitz mit. Bis dahin werden die Filialen in Alteglofsheim, Thalmassing und Hagelstadt für die Kunden in Köfering zuständig sein. Erst nach der Eröffnung des Centers in Köfering schließen die drei Filialen in den umliegenden Gemeinden. Alle Kunden werden dann in Köfering betreut.

Bürgermeister bleibt entspannt

Beim Spatenstich Ende September vergangenen Jahres hatte Bürgermeister Armin Dirschl noch von einem Lückenschluss in der Gemeinde durch das Projekt gesprochen. Daran hat sich auch durch die Verzögerung nichts geändert. „Wir sind nach wie vor sehr froh, dass diese Wohnungen entstehen“, sagt er. In seiner Gemeinde bestehe ein großer Bedarf an Wohnflächen zum Kaufen und Mieten, vor allem bei barrierefreien Wohnungen.

Deswegen ist er immer noch vom Erfolg des Wohnparks überzeugt. „Für die Bürger aus Köfering und den umliegenden Gemeinden, die sich eine Wohnung im Wohnpark gekauft hatten, ist die zeitliche Verzögerung schade“, sagt Dirschl. Doch für ihn zählt, dass die Arbeiten schnell wieder aufgenommen werden. Wenn der Wohnpark nur vier bis sechs Wochen später fertiggestellt wird, sei das kein großes Problem. „Wenn jetzt ein Jahr lang nichts auf der Baustelle gemacht werden würde, hätte mich das viel mehr gestört.“ Das Wichtigste sei, dass die Häuser noch in diesem Jahr dicht werden und im Winter Trockenbauarbeiten erfolgen können. Dann sieht der Bürgermeister der Eröffnung entspannt entgegen.

Am Dienstagabend bestätigte uns auch die Firma Strasser ihre Insolvenz. Weitere Auskünfte wollten die Verantwortlichen nicht geben.

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