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Dienstag, 24. Oktober 2017 13° 5

Klima

Unwetter bringt Hagel und Schlamm

Nach 30 Minuten Weltuntergangsstimmung: In Hemau und Laaber waren die Einsatzkräfte bis in die Nacht hinein im Einsatz.
Von Michael Jaumann, Ingrid Kroboth und Beate Popp, MZ

  • Viele Straßen wurden überschwemmt. Foto: Feuerwehr Laaber
  • Feuerwehren und THW hatten alle Hände voll zu tun, um die Schlamm-Massen zu beseitigen Foto: Feuerwehr Laaber
  • Die Kanalisation konnte das rasch zuströmende Wasser nicht mehr fassen. Foto: Pöllmann
  • Ihre Schneeschaufeln mussten die Hemauer wieder auspacken. Foto: Popp

Hemau.Von Hagelkörnern, groß wie Taubeneier, berichteten Augenzeugen des Unwetters vom Samstagnachmittag im westlichen landkreis. Während die einen erst ein herannahendes Gewitter mit Donnergrollen und Blitzen bemerkt hatten, wechselte der Himmel andernorts von Sonnenschein sofort zu Hagelschauern. Rasch waren die Straßen bis zu zehn Zentimeter dick mit Eis bedeckt und verstopften die Gullys.

Getroffen hatte es vor allem die Stadt Hemau auf den Anhöhen des Tangrintel und den Markt Laaber im Kessel des Labertals. Entsprechend unterschiedlich gestalteten sich die Schäden. In Hemau was es der Hagel, der die Kanalisation verstopfte, in Laaber ergossen sich wahre Schlammbäche in die Kanalschächte und weiter in die Keller der Anlieger am Fuß der Schernrieder Straße. Von immensen Schäden berichtete Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer, der sich im westlichen Landkreis bei seinen Feuerwehren informierte.

Wassermassen und Eisbrocken

Es war am Samstag gegen 15.45 Uhr, als aus einem sprichwörtlich „heiteren Himmel“ gewaltige Wassermassen und dicke Eisbrocken fielen – 30 Minuten Weltuntergangs-Stimmung. „So etwas habe ich hier noch nie erlebt“, sagt eine Anwohnerin in Hemau. Und da geht es ihr wie vielen alteingesessenen Bürgern in Hemau und Laaber. Das THW in Laaber spricht gar von einem „hundertjährlichen Hochwasser“.

Ein Hagelschauer entsetzte die Hemauer. Foto: Pöllmann

Während die Sonne bereits wieder schien, rückten die Feuerwehren zur Schadensbegrenzung aus. „Wir hatten noch Glück im Unglück“, relativierte Hemaus Bürgermeister Hans Pollinger am Sonntag das Naturereignis: „Damit müssen wir umgehen.“ Wichtig sei, dass niemand verletzt wurde – „alles andere ich heilbar“. Die Kläranlagen und Pumpstationen im Gemeindegebiet hätten auf Hochtouren gearbeitet.

Das Problem sei der Hagel gewesen, der die Kanaldeckel verstopft habe. Als er gestern Vormittag in die Kirche fuhr, sei ein Straßengraben immer noch voller Hagelkörner gewesen, erzählte Pollinger. Und er lobt „unsere schlagkräftige Feuerwehr“, die unter Leitung von Kommandant Thomas Renner zu etwa 50 Einsätzen gerufen worden war. Es galt vollgelaufene Keller auszupumpen und überschwemmte Straßen frei zu räumen. Rund 80 Feuerwehrleute aus Hemau, Beratzhausen, Laaber und Painten seien im Einsatz gewesen, berichtet Renner – von 16 bis 21 Uhr in Hemau und danach noch ein Fahrzeug bis 0.30 Uhr in Laaber.

Denn dort hatte das Unwetter noch viel mehr Schaden angerichtet. In der Marktgemeinde im Labertal waren zu den sintflutartigen Regen- und Hagelschauern noch gewaltige Schlamm-Massen gekommen. Wie Bürgermeister Hans Schmid es im Gespräch mit unserer Zeitung beschrieb, war von den vegetativ noch freiliegenden Ackerflächen auf der Hohenschambacher Höhe und bei Großetzenberg die Erde abgetragen und in den Ort gespült worden.

„Wie ein Bach“ sei der Schlamm über die Schernrieder Straße ins Tal gestürzt, habe dort eine Mauer eingedrückt und sei 25 Meter weit in den angrenzenden Garten hineingeflutet. Ein aufgestellter Betontrog fand sich 100 Meter entfernt wieder. „Gott sei Dank“, sind auch in Laaber keine Menschen verletzt worden, doch der materielle Schaden sei schon enorm, fasst Schmid zusammen. So seien in einer bis unter die Decke vollgelaufenen Kellergarage gleich mehrere Autos komplett unter Wasser gestanden, ein öffentlicher Schotterweg wurde weggespült, Gärten verwüstet.

Das Unwetter hat in ganz Süddeutschland gewütet und drei Todesopfer gefordert. Eine Zusammenfassung lesen Sie hier!

Verhindern könne man solche Katastrophen nicht, weiß auch Bürgermeister Schmid. Und doch könnte ein Absetzbecken am Fuß der Schernrieder Straße, über den diesmal so schlimm betroffenen Häusern, in Zukunft das Schlimmste verhindern. Denn das Problem sei der Schlamm, der vermischt mit Schotter die Pumpstationen kaputt mache.

Dickes Lob für die Helfer

Ein dickes Lob zollte der Bürgermeister den Feuerwehren und dem THW, die sofort zur Stelle waren und noch in der Nacht drei Saugdruckwagen von Spezialfirmen organisiert hatten, die bis morgens um 4 Uhr die Abwassersysteme freipumpten – „und damit bestimmt noch zwei Tage beschäftigt sein werden“, rechnet Schmid.

Wie Laabers Feuerwehrkommandant Manuel Ostermeier berichtete, war seine Truppe mit 30 Leuten im Einsatz, unterstützt von sechs weiteren Wehren und dem THW. Bevor die Männer mit den Schlamm-Massen im Ort kämpften, waren sie noch zu einem Unfall auf die Autobahn gerufen worden. Danach halfen sie den Kollegen in Hemau – doch dann hatten sie daheim volles Programm – bis morgens um 4 Uhr: Keller auspumpen, Gullydeckel sichern, Geröll wegräumen: „Wir haben 15 Lastwagen voll Material weggefahren“, sagt Ostermeier. Und morgens um 7.30 Uhr schrillte der Signalwecker schon wieder: Ein Baum war umgestürzt.

Wie wird das Wetter heute? Den aktuellen Wetterbericht aus Ostbayern finden Sie hier.

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Aufräumarbeiten nach dem Unwetter in Hemau

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