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Montag, 20. November 2017 11

Musik

Walhalla: Strauss-Walzer wieder erwacht

Für das Jubiläum hat sich Franz Kastenmeier ein Schmankerl aufgehoben. Er erweckt ein Stück von Johann Strauss zum Leben.
von Michael Sperger, MZ

Franz Kastenmeier posiert mit seinem großen Schatz, der „Walhalla-Toaste“ von Johann Strauß. Foto: Sperger

Donaustauf.Vor 20 Jahren hatte Franz Kastenmeier in einem Antiquitäten-Geschäft in Wien eine interessante Entdeckung gemacht: An der Wand hing ein gerahmtes Coverbild eines Musikstücks mit dem Namen „Walhalla-Toaste“. Kastenmeier, der sich mit voller Leidenschaft mit der Geschichte Donaustaufs beschäftigt, war sofort Feuer und Flamme. „Ich wollte das Stück unbedingt haben. Aber der Händler hatte nur die erste Seite.“ Also musste er weitere zehn Jahre warten.

„Es dürfte so um 2007 herum gewesen sein“, erinnert sich der Sammler. Da bekam er den entscheidenden Hinweis und erstand – wieder in Wien – ein Original des Werkes von Johann Strauss Senior. Über den Preis kann nur gerätselt werden. „Darüber redet man nicht. Das ist das Geheimnis des Sammlers“, erklärt Kastenmeier, der mit seinem Engagement für den Chinesischen Turm in Donaustauf – sein Lebenswerk – bekannt wurde.

Weiter ging es mit dem Warten. Denn ein Stück von derart historischem Wert könne nicht einfach zu einem unbedeutenden Zeitpunkt enthüllt werden. Und Kastenmeier hatte da schon so eine Idee. „Die habe ich aber wie ein großes Geheimnis gehütet.“

Max Rädlinger lässt den fast vergessenen Walhalla-Walzer wieder erklingen. Video: Sperger

Walhalla-Jubiläum perfekt

Am 18. Oktober war der perfekte Zeitpunkt endlich gekommen. Zum Jubiläum 175 Jahre Walhalla hielt der Mann, der sonst bei der Stadt Regensburg für den Hochwasserschutz zuständig ist, einen Vortrag über die Geschichte Donaustaufs. Von der Idee von König Ludwig zur Walhalla bis zur Umsetzung; es gibt kaum ein Thema, über das er sich nicht auskennt. Und als besonderes Schmankerl beauftragte er Max Rädlinger, den Chorleiter des Kirchenchors von Donaustauf, das Stück einzustudieren.

„Die Idee habe ich wie ein großes Geheimnis gehütet“

Franz Kastenmeier, Entdecker des Stücks

„Erhalten hat er die Noten aber erst zwei Wochen vor dem Auftritt. Nicht, dass meine Überraschung bald keine mehr ist“, sagt Kastenmeier. „Max ist ein begnadeter Pianist und der perfekte Mann für das Projekt.“

In der Bücherei in Donaustauf hatte dieser dann seinen großen Auftritt vor knapp 100 Zuhörern. Aus Platzgründen stand ihm für die Toaste aus dem Jahr 1843 nur ein E-Piano zur Verfügung. Der Name ist laut Kastenmeier wohl auf die Feier am Eröffnungstag zurückzuführen. Ein Toast sei ein Trink- oder Jubelspruch, Toaste der Plural.

Mit seinem E-Piano intonierte Rädlinger das Strauss-Stück. Foto: Sperger

Das Stück wurde von Johann Strauss Senior zur Feier der Eröffnung komponiert. „Es muss für ihn eine große Ehre gewesen sein, noch dazu, da die Erstaufführung in den Fasching fiel. Der hat bei den Österreichern bekanntlich einen hohen Stellenwert“, erklärt der Vorsitzende des Fördervereins Chinesischer Turm Donaustauf. Strauss habe das Stück damals ganze fünf Mal spielen müssen.

Die Interpretation von Max Rädlinger gab es nur einmal zu hören und auch nur Auszüge aus dem Werk, die aus fünf verschiedenen Kleinstücken besteht.

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Unter den Gästen in der gut gefüllten Bücherei war auch der begeisterte Donaustaufer Bürgermeister Jürgen Sommer, der im Anschluss an die Veranstaltung ein Buffet spendierte. „Ein beschwingtes, elegantes, zum Tanzen anregendes Musikstück“ gab es laut Pianist Rädlinger zu hören. Er hatte nicht lange überlegen müssen, als ihm der eifrige Kastenmeier von seinem lange geplanten Vorhaben berichtete. Nach zwei Wochen voller Übungen war er froh, dass „es endlich so weit ist und das Stück wieder erklingt“.

Walhalla-Toaste von Johann Strauss

  • Premiere:

    Der Walzer wurde im Februar 1843 von Johann Strauss bei einem Festball in den Sälen zum Sperl in Wien zum ersten Mal aufgeführt. Komponiert hatte er das Werk zur Einweihung der Walhalla im Jahr zuvor.

  • Zum Musikstück:

    Das Stück besteht aus fünf völlig verschiedenen Teilen. In der Coda, die den Abschluss des Werkes bildet, verschmelzen diese zu einer Verbindung. Alle Teile sind durchgängig im 3/4-Walzertakt gehalten und laden so zum Tanz ein.

  • Die Familie Strauss:

    Johann Strauss Senior schrieb 152 Walzer bis zu seinem Tod im Jahr 1849. „Walhalla-Toaste“ ist das 147. Werk des Musikers. Sein Sohn Johann Strauss junior, „der Walzerkönig“, verfasste über 500 Walzer.

  • Das Cover:

    Die erste Seite des Musikstücks ziert eine Szene bei der Grundsteinlegung. „Das ist erkennbar an den beiden Hallen der Erwartung, die unter der Ruhmeshalle zu sehen sind, später aber von König Ludwig so nicht umgesetzt wurden“, erklärt Franz Kastenmeier.

In Vergessenheit geraten

Das Werk von Johann Strauss ist keine komplette Neuentdeckung. Es ist aber in Vergessenheit geraten und in der Region kaum bekannt. „Ich kenne niemanden, der es besitzt oder in letzter Zeit aufgeführt hat“, sagt Kastenmeier. Einzig in Musikarchiven könnte es auffindbar sein. Umso stolzer sei er, auf das Stück gestoßen zu sein.

Das Cover des Musikstücks. Foto: Kastenmeier

Im Jahr 2030 feiert die Walhalla 200 Jahre Grundsteinlegung. Bis dahin hat Kastenmeier noch mehr als zwölf Jahre Zeit, um den nächsten musikalischen Schatz auszugraben.

Beim Feuerwerk am Samstag werde das wiederentdeckte Stück übrigens wohl nicht erneut gespielt. Denn dort werden nur Lieder von Künstlern verwendet, die es auch als Büste in die Walhalla geschafft haben. Und weder Johann Strauss Senior noch sein Sohn sind dort vertreten. Anders als deren Namensvetter Komponist Richard Strauss, der aber weder mit dem Walzer noch mit dessen Interpreten etwas zu tun hat.

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