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Sonntag, 19. November 2017 7

Umwelt

Watzlik-Kapelle: Raupe befällt Eiche

Ein Schädling hat sich im Baum neben dem Kirchlein eingenistet. Er frisst Blätter, für Menschen besteht Gesundheitsgefahr.
von Michael Sperger, MZ

  • Der Blick von der Kapelle aus bietet die Möglichkeit für schöne Fotomotive. Foto: Russ
  • Der Eichenprozessionsspinner (hier im Raupenstadium) befällt im Landkreis immer mehr einzeln stehende Eichen. Foto: dpa

Pettendorf.Viele Spaziergänger wunderten sich in den vergangenen Wochen beim Passieren der Watzlik-Kapelle bei Tremmelhausen über die neuen roten Schilder am Wegesrand in unmittelbarer Nähe zum Kirchlein. „Achtung – Gesundheitsgefahr“ steht darauf in schwarzen Lettern geschrieben. Die Gemeinde Pettendorf stellte die Warnhinweise schon im August auf. Auch der Baum ist gezeichnet. Angefressene Blätter und zum Teil kahle Stellen trüben das Bild von Baum und Kapelle. Doch was war geschehen?

Der Eichenprozessionsspinner, eine Schmetterlingsart, hat die Eiche neben der Kapelle befallen. „Ein besonders großes Problem sind die Brennhaare im Raupenstadium, die bei Menschen allergische Reaktionen auslösen können und über das ganze Jahr in den Nestern zurückbleiben“, erklärt Josef Sedlmeier, Fachberater für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Regensburg.

Die Lage der Kapelle im Überblick. Grafik: MZ-Infografik

Es sei außerdem äußerst schwer, den Spinner wieder loszuwerden.

„Kapelle kann betreten werden“

Das Problem ist auch Pettendorfs Bürgermeister Eduard Obermeier bekannt. „Bereits am 17. August haben wir die Warnung an die Bürger herausgegeben. Die Kapelle kann aber weiterhin betreten werden, da sich das Nest auf der Rückseite der Kirche befindet“, sagt Obermeier. „Es wird empfohlen, diese Gegend zu meiden“, bittet die Gemeinde Pettendorf seine Einwohner auf den Schildern trotzdem um Vorsicht. Gerade in den letzten sonnigen Tagen des goldenen Oktobers lockten die Wanderwege über den Dächern Regensburgs wieder viele Spaziergänger und Radfahrer an. Einige kamen auf ihrer Route auch an der Watzlik-Kapelle, die wohl im 18. Jahrhundert errichtet wurde, vorbei.

Die Watzlik-Kapelle bei Tremmelhausen ist seit August befallen. Foto: Sperger

Statt Vorsicht walten zu lassen, ließen sie ihrer Neugier freien Lauf. „Ich will ja sehen, wo die Eiche befallen ist und wie das aussieht“, erklärt eine Spaziergängerin, die auf einer der Bänke unter dem schattenspendenden Baum eine Pause einlegt. „Ziel muss es sein, die Bevölkerung für das Problem zu sensibilisieren. Wir werden den Parasiten nicht mehr los“, warnt Sedlmeier.

„Es wird empfohlen, diese Gegend zu meiden“

Warnhinweis der Gemeinde Pettendorf

Das Nest ist nur schwer zu entdecken. Doch rund um die Krone der Eiche wirkt der Baum angeschlagen. Der Anblick lässt nichts Gutes erahnen. Aber es gibt Entwarnung: „Für die Eiche ist der Befall am wenigsten gefährlich. Der Schmetterling frisst zwar die Blätter, was relativ böse aussieht, der Baum erholt sich jedoch meist problemlos“, erklärt Sedlmeier.

Der Blick von der Kapelle aus bietet die Möglichkeit für schöne Fotomotive. Foto: Russ

In anderen Gemeinden setzt man sich schon länger damit auseinander. „Der Schmetterling kam vor drei bis vier Jahren wohl über Lkw aus Osteuropa zu uns in den Landkreis. Als Erstes war ein Parkplatz bei Eilsbrunn betroffen“, erinnert sich Patrick Grossmann, Bürgermeister von Sinzing. Im gesamten Gebiet seiner Gemeinde und im nahegelegenen Walderlebniszentrum seien vereinzelte Bäume befallen. „An sensiblen Orten, wo sich viele Menschen aufhalten, haben wir auch Komplettsperren verhängt.“

Die Watzlik-Kapelle

  • Standort:

    Bei Tremmelhausen auf den Winzerer Höhen über der Stadt Regensburg steht die Watzlik-Kapelle. Sie ist mit der charakteristischen Eiche zusammen vor allem bei Spaziergängern und Radfahrern im gesamten Landkreis-Gebiet bekannt.

  • Gemeinde:

    Die Kapelle liegt auf Gemeinde-Gebiet von Pettendorf und ist nur über Wanderwege zu erreichen. Wenige Meter entfernt von dem Kirchlein verläuft die Grenze der Stadt Regensburg. Auch der Markt Lappersdorf ist nur unweit entfernt.

Das ist in Tremmelhausen, wo der Schriftsteller Hans Watzlik 1948 starb, nicht passiert, obwohl der Ort bei Spaziergängern weiter sehr beliebt ist. In Sinzing kamen meist Spezialfirmen zum Einsatz, die das Nest des Spinners vollständig absaugen und den Ort sichern. Darauf hat die Gemeinde Pettendorf verzichtet. Die Kräfte seien sehr teuer und der Ort auf den Winzerer Höhen nicht als besonders sensibel einzustufen, heißt es vonseiten des Bürgermeisters. Anders wäre es zum Beispiel auf einem Spielplatz gewesen.

Bäume umschneiden

Im Waldgebiet Sinzing sei es laut Grossmann auch schon vorgekommen, dass Bäume umgeschnitten werden mussten. „Im Wohngebiet konnten wir das aber noch immer verhindern.“ Der Schmetterling bevorzugt lichte Waldstücke oder einzelne Bäume. In Zukunft könne es aber vorkommen, dass der Parasit ganze Waldstücke befällt. In diesem Fall müsse man sich etwas überlegen.

Die Warnschilder helfen nur bedingt. Foto: Sperger

In Pettendorf beließ man es bislang beim Aufstellen der Warnschilder. Die erhoffte Reaktion der Bürger bleibt aber häufig aus. „Habe ich noch nie etwas davon gehört. So schlimm kann es nicht sein“, meint ein Radfahrer, der direkt unter der Eiche seine Picknickdecke aufschlägt.

Der Schmetterling fliegt in den Nächten von Ende Juli bis Anfang September aus dem Nest und breitet sich so aus. „Die Warnschilder hängen weiterhin, weil das Nest jederzeit allergische Reaktionen bei Spaziergängern auslösen könnte“, erklärt Obermeier. Beim Auskosten der letzten Sonnenstrahlen des Oktobers sollten Spaziergänger also aufpassen, wenn sie an der kleinen, unscheinbaren Kapelle auf den Winzerer Höhen vorbeiwandern und sich über rote Schilder am Wegrand wundern.

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