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Natur

Weiße Steine verdrängen den Rasen

OGV Wenzenbach wirbt für pflegeleichte Gärten mit viel Grün statt Schotter und Kies. Heimische Pflanzen bieten Lebensraum.
Von Ralf Strasser, MZ

  • Horst Priller (links) und Heinz-Joachim Daschner erläutern, wo Kies im Garten sinnvoll eingesetzt werden kann. Fotos: Strasser
  • Hier ersetzt ein Kiesgarten den grünen Rasen.

Wenzenbach.Kies statt Grün? Verdrängen moderne und aufgeräumte Schottergärten den klassischen Traum vieler Häuslebauer? Diese Sorge treibt den Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Wenzenbach um. Und Heinz-Joachim Daschner vermag einen Trend zu erkennen: „Städtische Verdichtung findet nicht nur in den Metropolen statt, sondern zunehmend auch auf dem Land.“

„Den explodierenden Immobilienpreisen fallen die großen Grundstücke zum Opfer. Auf der Strecke bleibt dabei der gemütliche Garten mit Aufenthaltsqualität auf der Holzbank unterm Baum im Grünen“, klagt Daschner.

Steine als „Vertikalschotter“

In Wenzenbach und seinen Ortsteilen entstehen zurzeit viele neue Häuser. Und damit werden auch zahlreiche Gärten neu angelegt. Daschner befürchtet, dass viele den bunten Gartenzeitschriften folgen, die derzeit mit Slogans „Modern, pflegeleicht und aufgeräumt“ den Schotter- und Kiesgarten in den Fokus rücken und die Kombination mit mediterranen und asiatischen Elementen anpreisen. Eingefasst von Gabionenwänden mit „dekorativen Steinfüllungen“, die manch ein Satiriker allenfalls als „Vertikalschotter“ bezeichnet und die in den Augen der OGV-Verantwortlichen nur ein Kopfschütteln ernten.

Was ist übrig vom Nachkriegstraum der Deutschen, vom eigenen Häuschen mit einem Stück Natur? Die Häuser bleiben, doch das Grün rundherum wird kleiner, zieht sich zurück auf wirtschaftliche Größen, für die man möglichst wenig Zeit und Arbeit investieren will.

Doch auch bei denen, die sich noch größere Freiflächen leisten können, ist der klassische Garten derzeit nicht „up to date“. Die Rasenarbeit überlässt man gerne dem Mähroboter, Beete weichen der japanischen Zengestaltung und der klassische Obstbaum wird von der mit rotem Ziersplit eingefassten Zitrusfrucht ersetzt, je exotischer, desto lieber.

Ganz so dramatisch sieht Heinz-Joachim Daschner die Situation in der Vorwaldgemeinde noch nicht. „Wir als OGV hoffen natürlich, dass in unserem Ort nur sehr wenige solcher Anlagen entstehen, bzw. Kiesel, Split und Schotter nur dort eingesetzt werden, wo es wirklich Sinn macht, etwa auf Wegen oder, um Pflaster zu ersetzen.“

Dass man über Geschmack bekanntlich trefflich streiten kann, ist den OGV-Verantwortlichen durchaus bewusst, dennoch: „Es geht um Naturnähe“, betont Daschner. Angestammte Pflanzen wie Sonnenblume, Stauden, Hortensien und Tomaten statt Portugiesischer Lorbeerkirsche oder tropischen Bambus, den man online bestellt. „Die heimischen Pflanzen wachsen in der richtigen Kombination mit entsprechender Vitalität. Man braucht dann nur wenig eingreifen. Und das nenne ich pflegeleicht“, sagt Daschner.

Beim Schlagwort „pflegeleicht“ setzt auch Daschners Vereinskollege Horst Priller ein. „Ich kann durchaus nachvollziehen, dass man sich mit Biergartenkies auseinandersetzt. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, Kies ist alles andere als pflegeleicht, denn auch ein Fließ kann nicht verhindern, dass Unkraut durchwächst. Und das bekommt man so leicht nicht mehr heraus. Da eignet sich eine Golderdbeere, wie die Waldsteinia, viel besser als Bodendecker.“

Ein weiteres Argument für die heimische Natur: Hiesige Pflanzengesellschaften bieten einheimischen Tieren Nahrung und Deckung. „Exotische Pflanzen haben bei uns keine oder nur wenige Konsumenten, den einheimischen Tieren geht Lebensraum verloren“, betont Priller. „Und welche Lebewesen können Sie sich auf einer Schotterfläche vorstellen?“, fragt Daschner. „Allenfalls wenige Spezialisten.“

Auch der OGV-Landesverband macht sich Gedanken und formuliert Tipps und Vorschläge in einer achtseitigen Broschüre, die für pflegeleichte Gärten ohne Kies wirbt: Wo sind die Sitzplätze möglich, wo der Kompost? Brauche ich Treppen und Mauern? Wie groß soll die Terrasse sein? Welche Wege gibt es zum persönlichen Paradiesgarten? Wer sich auskennt, hat es gut, wer den grünen Daumen eher vermisst, für den gibt es die Obst- und Gartenbauvereine, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Informationspool in Regenstauf

Oder man informiert sich sozusagen live vor Ort. Der Albert Plagemann Kreislehrgarten des OGV-Kreisverbands in Regenstauf ist so ein Informationspool. Dort wurde unter Anleitung von Kreisfachberaterin Christine Gietl ein mehrjähriges Staudenbeet aus weitgehend einheimischen Pflanzen angelegt, in dem es über die meiste Zeit der Vegetationsperiode blüht und summt. „Es gibt im Fachhandel für fast jeden Standort Vorschläge mit Pflanzplan und -anleitung, sodass dies fast jeder selbst umsetzen kann“, erklärt Daschner.

So einfach kann Gartengestaltung also sein, meint er. „Spätestens im übernächsten Jahr haben sich diese Flächen geschlossen, eine Unkrautbekämpfung ist nicht mehr notwendig.“ Und über Gänseblümchen freuen sich die Bienen mehr als über weiß gekalkte Steine im Ziergarten.

Der Ortsverband

  • Der OGV Wenzenbach:

    Seit 1926 setzt sich der Verein als aktiver Naturschützer für die heimische Flora ein. Der Verein zählt 700 Mitglieder und ist der größte OGV-Ortsverein im Kreisverband Regensburg. Der Ortsverband unterstützt seine Mitglieder mit Gartengeräten, Kursen, Workshops und Information zu fast allen Gartenthemen.

  • Mehr Informationen über den OGV gibt es im Internet unter: www.ogv-landr-regensburg.de/willkommen-beim-ogv-wenzenbach.

  • Die Botschaft:

    Für jeden Standort und für jede Lage gibt es die richtige heimische Lösung. Elfenblume oder Frauenmantel für den Halbschatten, Schafgarbe oder Sonnenhut für Sonnenlagen.

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